Werbung
Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    18.002,02
    -263,66 (-1,44%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.839,14
    -96,36 (-1,95%)
     
  • Dow Jones 30

    38.589,16
    -57,94 (-0,15%)
     
  • Gold

    2.348,40
    +30,40 (+1,31%)
     
  • EUR/USD

    1,0709
    -0,0033 (-0,31%)
     
  • Bitcoin EUR

    62.015,57
    +167,05 (+0,27%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.376,89
    -40,98 (-2,89%)
     
  • Öl (Brent)

    78,49
    -0,13 (-0,17%)
     
  • MDAX

    25.719,43
    -355,68 (-1,36%)
     
  • TecDAX

    3.353,26
    -47,31 (-1,39%)
     
  • SDAX

    14.367,06
    -256,23 (-1,75%)
     
  • Nikkei 225

    38.814,56
    +94,09 (+0,24%)
     
  • FTSE 100

    8.146,86
    -16,81 (-0,21%)
     
  • CAC 40

    7.503,27
    -204,75 (-2,66%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.688,88
    +21,32 (+0,12%)
     

Füllstand der Gasspeicher nähert sich dem 95-Prozent-Ziel – dennoch spricht viel dafür, dass Gas im Winter rationiert werden muss

 - Copyright: Getty Images
- Copyright: Getty Images

Die Gasspeicher in Deutschland haben mittlerweile einen Füllstand von 94,03 Prozent erreicht. Damit rückt das gesetzlich festgelegte Ziel, die Speicher bis zum 1. November zu 95 Prozent zu füllen, in Sichtweite. Obwohl Russland seit September kein Gas mehr durch die wichtigste Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland liefert, steigt der Füllstand der Speicher aktuell zwischen 0,2 und 0,45 Prozentpunkten am Tag. Ein Grund für eine Entwarnung ist das aber nicht. Stand jetzt ist es eher wahrscheinlich, dass es in Deutschland im Laufe des Winters zu einem Gasmangel kommt und Gas dann von der Bundesnetzagentur rationiert, also zugeteilt werden muss. Ein Grund ist, dass Haushalte aktuell aufgrund des eher kühlen Wetters eher mehr Gas verheizen als im Vorjahr – statt wie nötig kräftig Gas zu sparen.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, wird daher nicht müde zu warnen. "Der Gasverbrauch ist auch letzte Woche zu stark angestiegen", sagte er vergangene Woche. Trotz der stark gestiegenen Preise lag der Gasverbrauch der privaten Haushalte und kleineren Gewerbekunden fast zehn Prozent über dem durchschnittlichen Verbrauchsniveau der Jahre 2018 bis 2021. Auch der Verbrauch der Industriekunden, die bisher stärker gespart hatten, lag zuletzt nur noch gut zwei Prozent unter dem Niveau der Vorjahre.

Deutschland kann eine Gasnotlage im Winter nach Einschätzung der Netzagentur und weiterer Experten nur dann verhindern, wenn im privaten, gewerblichen und industriellen mindestens 20 Prozent weniger Gas verbraucht wird. "Die Lage kann sehr ernst werden, wenn wir unseren Gasverbrauch nicht deutlich reduzieren," sagte Müller.

WERBUNG

Die privaten Haushalte und kleineren Gewerbekunden sind in Deutschland für rund 40 Prozent des Gasverbrauchs verantwortlich. Die übrigen 60 Prozent entfallen auf die großen Industriekunden. Die Haushalte und auch viele Unternehmen wiederum verbrauchen den Großteil des Gases in der Heizperiode zwischen Oktober und April. Ohne den Zustrom russischen Gases werden sich die Speicher daher schneller leeren als in den Vorjahren.

Die Netzagentur entscheidet im Falle eines Engpasses über die Rationierung von Gas. Dabei gibt es eine Reihenfolge, nach der zuerst viele Unternehmen von Einschränkungen betroffen wären. Auch um kritische Infrastruktur, aber auch private Haushalte zunächst vor Einschränkungen zu schützen. "Ganz offensichtlich ist bei vielen Menschen noch nicht angekommen, wie teuer ihr Gasverbrauch wirklich und welche Konsequenzen der eigene hohe Verbrauch für die Unternehmen und die Arbeitsplätze haben kann", hatte Müller bereits zuvor gesagt.

"Die steigenden Gasverbräuche aufgrund fallender Temperaturen reduzieren zunehmend die Einspeichermöglichkeiten", warnte auch der Geschäftsführer des Branchenverbandes Initiative Energien Speichern (Ines), Sebastian Bleschke. Wegen der geringeren Gaslieferungen an Deutschland würden die Speicher früher und stärker als sonst zur Versorgung eingesetzt werden müssen. Ob sie dann über den Winter ausreichen, hänge stark davon ab, wie viel Gas private Haushalte sparen.

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute warnen in einem Risikoszenario, dass Deutschland im Falle von Gas-Rationierungen die tiefste und längste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg drohe.

Seit Anfang September kommt über die wichtigste Pipeline Nord Stream 1 kein russisches Gas mehr nach Deutschland. Dennoch ist der aktuelle Füllstand der Gasspeicher höher als im langjährigen Durchschnitt zu dieser Zeit des Jahres. Das zeigt diese Grafik.

Volle Speicher allein sind aber noch kein Grund zur Entwarnung, betonen Ökonomen der Deutschen Bank (DB). Sie halten eine Einsparung von 20 Prozent zum Vorjahr für wenig wahrscheinlich, denn der Winter 2021/22 sei bereits sehr milde gesesen.

Doch selbst wenn Unternehmen und Haushalte im Vergleich zum Vorjahr 20 Prozent Gas sparten, würden auch prallvolle Gasspeicher gerade einmal bis Ende März 2023 reichen, also nicht einmal bis zum Ende der Heizperiode, schreiben Erik Heymann und Marion Mühlberger von DB Research. Sie halten es für wahrscheinlich, dass Gas rationiert werden muss, damit die Speicher nicht komplett leer laufen.

Die Gasspeicher vor dem Winter 2023/24 dann wieder zu füllen, werde ohne russisches Gas aus der Pipeline Nord Stream 1 anspruchsvoll und vor allem teuer. "Eine spürbare Erleichterung bei den Preisen ist nicht in Sicht", schrieben die Ökonomen Anfang September. Für das kommende Jahr erwartet DB Research eine tiefe Rezession mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um drei bis vier Prozent.

Das größte Einzelrisiko für die Gasversorgung in Deutschland sei ein kalter Winter, schreiben Heymann und Mühlberger. Die Haushalte verbrauchten 85 Prozent des Gases in der Heizperiode zwischen Oktober und April. Würden statt 20 Prozent nur zehn oder 15 Prozent Gas eingespart, dürften die Speicher bereits im Februar oder frühen im März leer sein.

DB Research hat ein eigenes Modell zur Prognose der Gasversorgung in Deutschland aufgesetzt. Die Ökonomen rechnen wie Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nicht damit, dass Russland die Gaslieferung durch Nord Stream 1 in absehbarer Zeit wieder aufnimmt. Zum anderen wurde berücksichtigt, dass die Speicher den August über schneller auf den aktuellen Stand von gut 86 Prozent gefüllt werden konnten als erwartet.