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Easyjets Schrumpfkur birgt die Gefahr, Chancen zu verpassen

·Lesedauer: 4 Min.

Easyjet gibt sich angesichts eines Milliardenverlusts reserviert. Die trotz der Krise angriffslustige Konkurrenz droht der Airline Marktanteile abzunehmen.

Easyjet scheut angesichts der unklaren Corona-Situation einen Ausblick auf das kommende Jahr. „Wir geben keine Prognose über das laufende Quartal hinaus“, sagte Johan Lundgren, der CEO der britischen Airline, am Dienstagvormittag in einer Telefonkonferenz. Keiner wisse derzeit, wie stark die Erholung ausfallen und wann diese kommen werde. „Es hängt alles an den Reisebeschränkungen, und die ändern sich ständig.“

Auch die fortschreitende Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 ändert an Lundgrens Zurückhaltung nichts. „Das sind gute Nachrichten“, sagte er. Aber es sei nur ein Teil des Gesamtbildes, das für die Erholung der Luftfahrt notwendig sei. „Es hängt an der Impfung, es ist das Testen, und es ist auch eine Reduzierung der Quarantäne-Tage“, nannte der Easyjet-Chef die Voraussetzungen für eine wieder steigende Nachfrage nach Tickets.

Die Easyjet-Spitze ist damit deutlich zurückhaltender als der Erzrivale Ryanair. Dessen Chef Michael O’Leary hatte kürzlich gesagt, er gehe davon aus, dass man im kommenden Sommer wieder zwischen 75 und 80 Prozent der normalen Kapazität fliegen werde.

„Easyjet ist gut vorbreitet, um als starke Airline aus der Coronakrise zu kommen“, versicherte Lundgren: „Die Kunden werden zurückkehren, die Nachfrage ist da. Wir haben die Flexibilität, um darauf jederzeit zu reagieren.“

Easyjet leidet wie alle Airlines darunter, dass in der Corona-Pandemie deutlich weniger Flugreisen gebucht werden. Wegen der massiven Reisebeschränkungen hatte die Fluggesellschaft zwischen April und Juni die gesamte Flotte geparkt. Im abgelaufenen Fiskaljahr brach die Zahl der Fluggäste um etwa die Hälfte auf 48 Millionen ein.

Liquidität besorgt Investoren

Die schwerste Branchenkrise überhaupt hat Easyjet den ersten Jahresverlust in ihrer Geschichte eingebrockt. Am Ende des zeitlich versetzten Geschäftsjahres (bis Ende September) stand ein Verlust von rund 1,1 Milliarden britischen Pfund (umgerechnet 1,2 Milliarden Euro) in den Büchern. Ein Jahr zuvor erzielte das Unternehmen noch einen Gewinn von 349 Millionen Pfund.

Lundgren betonte mehrfach, das Unternehmen sei ausreichend durchfinanziert. Easyjet hat unter anderem einen Teil der Flotte verkauft und die Jets zurückgemietet, um die eigene Liquidität zu stärken. Solche Maßnahmen seien nach wie vor eine Option, derzeit seien aber keine neuen Transaktionen geplant.

Easyjet hat Start- und Landerechte in London Stansted an Ryanair verkauft und verfügte Ende des abgelaufenen Fiskaljahres noch über Mittel in Höhe von 2,3 Milliarden Pfund.

Dennoch fragen sich Analysten wie Daniel Röska von Bernstein Research, ob das Geld ausreichen wird, um durch die Krise zu kommen. Er verwies auf die Rate, mit der das Unternehmen Geld verbrennt (Cashburn). Die habe im letzten Quartal des Fiskaljahres bei 671 Millionen Pfund gelegen, werde aber wieder steigen, weil Easyjet im Winter nur mit einer Kapazität von maximal 20 Prozent im Flugplan rechne. „Investoren sind besorgt, ob das Unternehmen noch mal Geld aufnehmen muss oder nicht“, sagte Röska.

Einmalige Chance, Marktanteile zu sichern

Angeheizt werden diese Sorgen von Spekulationen über mögliche Staatshilfen für die Airline etwa in Deutschland. Lundgren hielt sich dazu weiterhin bedeckt. Man habe bisher keine formellen Anträge auf Staatshilfe gestellt, erklärte er: „Wir sprechen mit allen Regierungen innerhalb unseres Netzwerkes.“

Seine Sorge sei, dass solche Hilfen ungleich verteilt würden und das zu Wettbewerbsverzerrungen führen könne. Von der britischen Regierung hat Easyjet bislang 600 Millionen Pfund bekommen – als Kredit.

Die deutliche Zurückhaltung des Managements irritiert Experten wie Röska. Er halte die Schrumpfung für durchaus richtig. Aber Easyjet verpasse so womöglich eine einmalige Chance, sich Marktanteile an besonders gefragten Flughäfen zu sichern.

Tatsächlich fällt auf, dass die Rivalen von Easyjet eine etwas andere Strategie verfolgen. Ryanair schrumpft den Flugplan im Winter zwar auch zusammen. Gleichzeitig hat das Management aber klargemacht, dass man die Flottenmodernisierung und den Ausbau wie geplant umsetzen will.

Noch aggressiver geht die ungarische Wizz Air vor, die zum finanzstarken Investor Indigo aus den USA gehört. Wizz Air hat mitten in der Krise ihr Netz ausgebaut. In Wien hat die Airline ihren Marktanteil zum Beispiel auf rund 16 Prozent verdoppelt. Zwar ist auch der ungarische Anbieter nicht immun gegen die schwerste Branchenkrise. Die Airline hat im ersten Halbjahr einen Verlust von über 240 Millionen Euro eingeflogen.

Aber Vorstandschef Józséf Váradi macht im Grunde das, was Ryanair auszeichnet – nur noch schneller und extremer. Er öffnet und schließt Routen in einem rasanten Tempo – je nachdem, wie das Umfeld aussieht. Das sieht man zum Beispiel an seinen Plänen, mit einer eigenen Tochter in Abu Dhabi zu starten. Zwar wurde der Termin dafür wegen der Pandemie bereits dreimal verschoben, doch niemand bezweifelt, dass Wizz dort aktiv werden wird.

Gleichzeitig drängt das Wizz-Management seit Längerem darauf, wegen Corona brachliegende Verkehrsrechte zu bekommen – etwa in London Gatwick. Die EU-Kommission hat festgelegt, dass die sogenannte 80:20-Regel wegen der Pandemie vorerst ausgesetzt wird. Sie besagt, dass Airlines in einer Saison (Sommer- oder Winterflugplan) ihre Start- und Landerechte mindestens zu 80 Prozent nutzen müssen. Sonst verlieren sie die begehrten Slots.

In Gatwick hat neben Norwegian oder British Airways auch Easyjet das Angebot reduziert und nutzt deshalb einige der Verkehrsrechte derzeit nicht. Erzrivale Wizz Air würde sich hier nur zu gern einen Teil des Marktes sichern.