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Ein Dresdener Start-up will mit stromsparenden Chips die Branche umkrempeln

·Lesedauer: 4 Min.

Die Technik von FMC könnte unter anderem Akku-Laufzeiten verlängern. Gründer Stefan Müller hat nun Merck, Bosch und Hynix als Investoren gewonnen.

Die weltweite Chipindustrie wird von Konzernen aus Asien und den USA dominiert. Doch das Start-up FMC aus Dresden hat sich vorgenommen, die Spielregeln in der Branche umzuschreiben. „Unsere Entwicklung hat ein ähnliches Potenzial zur Veränderung der Halbleiterindustrie wie einst die Einführung der Flash-Speichertechnologie“, sagt Gründer Stefan Müller dem Handelsblatt.

Auch andere trauen dem Mikroelektronik-Spezialisten einiges zu. Bei der bislang größten Finanzierungsrunde sammelte das Dresdener Unternehmen jetzt 20 Millionen Dollar beim aktuellen Investor eCapital und bei strategischen Investoren wie M Ventures (Merck), Robert Bosch Venture Capital und dem Chipkonzern SK Hynix ein. Die Koreaner sind Weltmarktführer und haben gerade erst das Flashspeicher-Geschäft von Intel übernommen.

FMC hat eine stromsparende, nicht flüchtige Speichertechnologie entwickelt. Der Speicherbaustein auf der Basis von kristallinem, ferroelektrischem Hafniumoxid kann direkt mit dem Prozessor auf einem Chip „verheiratet“ werden, wie es Müller nennt.

Ähnlich wie heutige Flash-Speicher können die Chips sich Informationen auch ohne permanente Stromzufuhr merken. Sie arbeiten aber schneller und verbrauchen laut FMC nur ein Tausendstel des bisher benötigten Stroms. Damit sind sie zum Beispiel für den Einbau in Handys und Computer-Uhren interessant, aber auch für die meist batteriebetriebenen Sensoren für das Internet der Dinge. Als Kunden kommen die großen Chipkonzerne und ihre Auftragsfertiger infrage.

„Das ist ein echter Gamechanger, den wir hier in Deutschland aufbauen können“, ist Paul-Josef Patt überzeugt. Der Mann hinter der Firma eCapital gilt als einer der erfolgreichsten Deep-Tech-Investoren in Deutschland. So beteiligte er sich zum Beispiel früh maßgeblich am Oled-Spezialisten Novaled und dem Batteriespeicher-Produzenten Sonnen und fädelte den Verkauf für dreistellige Millionenbeträge an Samsung und Shell ein.

Sehr niedriger Stromverbrauch

Mindestens ähnliches Potenzial sieht er nun bei FMC. „Mit dieser Firma ist alles möglich.“ Die Technologie könne sich auf den Weltmärkten durchsetzen.

Auch Konkurrenten setzen auf das Thema Ferroelectric Field Effect Transistor (FeFET). Die Transistoren nutzen die ferroelektrische Eigenschaft von Hafniumoxid und versprechen eine hohe Dichte, einen sehr niedrigen Stromverbrauch und eine gute Temperaturbeständigkeit.

Bei der heute üblichen Flash-Technologie muss regelmäßig Energie durch den Speicher geschickt werden. Dies ist mit dafür verantwortlich, dass gerade bei kleinen Elektronikgeräten der Akku oft schnell leer ist.

Gründer Müller ist überzeugt, dass er einen zeitlichen Vorsprung hat und dieser durch Patente gut abgesichert ist. Der 35-Jährige hatte sich schon in seiner Doktorarbeit 2011 in Dresden mit der Technologie beschäftigt. Zuvor hatte er Mikroelektronik in München und Singapur studiert.

2023 soll die Technik marktreif sein

Die Firma führte er nach der Gründung 2016 zeitweise selbst. Inzwischen hat er sich auf den Posten des Technologievorstands zurückgezogen. „Jetzt bin ich wieder in meinem Element.“

Als CEO gewann der Beirat unter Führung von eCapital einen echten Veteranen der Halbleiterindustrie. Ali Pourkeramati hat mehr als 35 Jahre Erfahrung in der Branche und war unter anderem lange bei Cypress Semiconductor aktiv. FMC führt er derzeit aus dem Silicon Valley heraus, ein Experiment, das bislang gut gelingt.

„Wir sehen ein großes Interesse aufseiten von Kunden und Entwicklungspartnern“, sagt Pourkeramati. Mit dem Erlös aus der aktuellen Finanzierungsrunde könne man die Kommerzialisierung vorantreiben.

Derzeit arbeitet FMC vor allem an der Zuverlässigkeit, hier gibt es in der Chipindustrie sehr hohe Anforderungen. 2023 soll die Technologie reif für den breiten Markt sein. Dass in so einer frühen Phase eine so große Finanzierungsrunde gelingt, ist in der deutschen Deep-Tech-Szene eher ungewöhnlich.

In der ersten größeren Finanzierungsrunde hatten 2018 eCapital und Hightech-Gründerfonds 4,6 Millionen Euro in das Start-up gesteckt. Die Gründer und eCapital sind weiterhin die größten Gesellschafter. Nun gewann FMC Strategen entlang der gesamten Wertschöpfungskette als Investoren.

Merck steht für die Materialseite, Bosch für die potenziellen Kunden in der Autoindustrie. Vor allem beim autonomen Fahren könnten die Speicher zum Einsatz kommen. Neu unter den Gesellschaftern ist auch das europäische Halbleiterforschungsinstitut imec.xpand.

Die neue Technologie will FMC allen Kunden zur Verfügung stellen – also nicht exklusiv dem neuen Mitgesellschafter Hynix. Auch wenn das Interesse der Strategen wächst, würde Müller die Firma gern eigenständig aus Dresden heraus zu einem Player auf dem Weltmarkt machen.