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Diesen positiven Aspekt haben die Massenentlassungen der vergangenen Monate – laut einem bekannten VC

Gründerinnen und Gründer mit Informatik-Studium oder Data Science Background werden immer mehr. - Copyright: Getty Images / Yana Iskayeva
Gründerinnen und Gründer mit Informatik-Studium oder Data Science Background werden immer mehr. - Copyright: Getty Images / Yana Iskayeva

Kein deutsches Google. Kein Meta Europas. Kein Amazon, Apple, Microsoft und schon gar kein Nvidia. Es gibt keine europäischen Tech-Giganten. Weiß man, wird auch oft als Problem thematisiert. Etwa wenn es mal wieder heißt, dass die Series-D-Investoren oder auch die Käufer von Tech-Scaleups auf dieser Seite der Weltkugel fehlen.

Schnell klingt es dann nach einem Henne-Ei-Problem, es gäbe nämlich keine europäischen Tech-Giganten, weil es zu wenig Wagniskapital gab und immer noch gibt für eben solche Firmen. Doch laut einer Studie des Frühphasen-VCs und Accelerators Antler könnte der wahre Engpass woanders liegen: bei den Gründern selbst.

Tech-Founder schaffen Tech-Giganten

Der heute veröffentlichte Report „Europe’s New Tech Founders 2024“ ist eine Analyse von mehr als 1.000 Gründern in Europa und den USA. Zudem haben die Autoren Bewerbungen von 60.000 angehenden Gründern untersucht, die sich um einen Platz im Antler Accelerator in Europa bemühten. Und er zeigt: In den USA haben 100 Prozent der Gründer der 20 wertvollsten Tech-Unternehmen und 70 Prozent der Unicorn-Gründer einen Tech-Hintergrund, sprich haben Informatik studiert, Ingenieurwesen oder haben eine vergleichbare Ausbildung als Programmierer, waren CTOs, Softwareentwickler oder in anderen technischen Funktionen unterwegs.

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In Europa hingegen lag dieser Anteil bisher deutlich niedriger: Nur 45 Prozent der Gründer der 20 wertvollsten Tech-Unternehmen in Europa sind "Tech-Founder", haben also - so definieren die Autoren der Studie den Begriff – nachweislich Erfahrung in Informatik, Softwareentwicklung oder Data Science. Nur 26 Prozent der europäischen Unicorn-Gründer haben einen technischen Hintergrund.

Und um noch einen weiteren Punkt zu machen: Interessant ist auch, dass die Autoren der Studie betonen, dass die Gründer genau jener europäischen Startups, denen derzeit noch am ehesten zugetraut wird, ein Euro-Tech-Gigant zu werden, Tech-Founder sind. Mistral, Synthesia und Pigment haben Gründungsteams, die ausschließlich aus Tech-Foundern bestehen, die zudem noch Stationen bei Google, Meta und Criteo im Lebenslauf haben.

Die Botschaft liest sich wie folgt: Tech-Founder sind Success Founder. Und: Die gibt es in Europa nicht. Oder? Doch. Das ist die positive Erkenntnis der Antler-Studie: Die Tech-Founder seien auch hier im kommen. Seit 2023 hätten in Europa 54 Prozent der Gründerinnen und Gründer einen Tech-Background. Die innereuropäische Verteilung ist ungleich, 30 Prozent der Tech-Founder stammen aus Frankreich, 12 Prozent aus Deutschland und zehn aus Großbritannien.

Auch bei den Bewerbungen um die Antler Residencies, die Teilnahme des Accelerators, zeige sich der Wandel, liest man aus der Studie: Die Zahl der angehenden Tech-Gründer stieg zwischen 2021 und 2023 um 300 Prozent. Die Zahl der Bewerbungen von Gründern und Gründerinnen mit KI- und Datenhintergrund stieg um 770 Prozent und – auch das soll erwähnt sein – die Zahl der weiblichen Tech-Gründer um 234 Prozent.

Wegen Krise: aus Tech-Talenten werden Tech-Founder

Nun kann man sich natürlich fragen: Was ist anders, warum erst jetzt? Die Antler-Studie vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Zuwachs bei den Tech-Gründern und den Entlassungswellen im Technologiesektor seit 2020. Allein in Europa wurden in den vergangenen drei Jahren über 85.000 Tech-Talente nach Firmenpleiten entlassen. Und nicht wenige scheinen danach den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Auch das sah man bei Antler an den in dieser Zeit eingehenden Bewerbungen: Zwischen 2021 und 2023 stiegen die Bewerbungen von ehemaligen Mitarbeitern europäischer Tech-Unternehmen um das 3,5-fache. Genauer gesagt ist die Zahl der technischen Gründer, die aus diesen Unternehmen stammen, um 825 Prozent gestiegen. Leute von Deliveroo, Zalando, Gorillas, Klarna und Booking.com bewarben sich nach Entlassungswellen dort um eine Residency bei Antler.

Christoph Klink, Partner bei Antler, findet das Zusammenspiel von Entlassungen auf der einen Seite und dem erstarken neuer Technologien wie KI äußerst vielversprechend: „Es entsteht eine neue Generation von technischen Gründern in Rekordzahl und mit mehr Erfahrung als je zuvor.“ Mit Hilfe derer ließe sich womöglich in absehbarer Zeit Europas erster Tech-Gigant aufbauen.