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Diese fünf simplen Maßnahmen machen euer Startup klimapositiv

Die Anreize und der Druck auf Startups, sich schon in frühen Phasen Nachhaltigkeitsziele zu setzen, steigen. - Copyright: Photo by Alena Koval from Pexels
Die Anreize und der Druck auf Startups, sich schon in frühen Phasen Nachhaltigkeitsziele zu setzen, steigen. - Copyright: Photo by Alena Koval from Pexels

Ein Fachbeitrag von Ricarda Röller. Sie ist beim Greentech-Startup Goodcarbon für den Vertrieb und für die Entwicklung von Finanzprodukten sowie der Plattform verantwortlich. Zuvor war sie als Senior Consultant bei Kearney tätig.

Wir alle wissen: Nachhaltigkeit ist schon lange kein Thema mehr, das nur große Unternehmen betrifft. Verbraucher und Unternehmen achten beim Kauf von Produkten darauf, dass andere Unternehmen ökologisch und sozial handeln. Somit wachsen auch die Anforderungen von kapitalgebenden Seiten: Durch die sogenannte Sustainable Finance Disclosure Directive müssen zum Beispiel VC-Fonds zukünftig die negativen Auswirkungen ihrer Investments auf die Umwelt und Gesellschaft berichten.

Das sind die häufigsten Emissionstreiber

Die Anreize und der Druck auf Startups, sich schon in frühen Phasen Nachhaltigkeitsziele zu setzen, steigen also. Der erste Schritt, um besagte Ziele realistisch zu formulieren, ist die Messung des eigenen Fußabdrucks, also etwa die produzierten CO2-Emissionen entlang Scope 1, 2 und 3.

Scope 1 sind von einem Unternehmen direkt verursachte Emissionen, zum Beispiel durch die Emissionen aus Energieträgern am eigenen Standort oder auch durch den Fuhrpark. Bei Scope 2 handelt es sich um Emissionen aus dem Energiebezug wie Strom- und Wärmeversorgung. Scope 3 umfasst alle indirekten Emissionen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen. Darin enthalten sind nicht nur Emissionen in der Lieferkette aus eingekauften Waren und Dienstleistungen, sondern auch nachgelagerte Emissionen, die durch ein Produkt entstehen, nachdem es an Verbraucher verkauft wurde.

Bei Startups machen meist Scope 2 und 3 den Großteil der Emissionen aus. Darauf basierend können schließlich spezifische Zielsetzungen festgelegt werden – idealerweise auf wissenschaftlicher Grundlage. Anschließend sollten verschiedene Maßnahmen festgelegt werden, um die Ziele auch erreichen zu können. Einige dieser simplen Maßnahmen möchten wir heute mit Blick auf 2023 vorstellen:

  • Grüner Strombezug: Oft unterschätzt im Effekt und unkompliziert in der Umsetzung ist die Umstellung der Stromversorgung auf Strom aus erneuerbaren Energien. Hier sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Strom tatsächlich aus erneuerbaren Energien gewonnen und nicht nur durch Grünstromzertifikate als grün klassifiziert wird.

  • Nachhaltige Lieferkette: Gerade für Startups im produzierenden Gewerbe ist die Aufstellung einer nachhaltigen Lieferkette ein wesentlicher Hebel, aber auch für Tech-Unternehmen kann die IT-Infrastruktur zu wesentlichen CO2-Emissionen führen. Ein Beispiel für Tech-Unternehmen ist zum Beispiel der Einkauf von Servern, die direkt mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.

  • Green Office: Um ein sogenanntes Green Office zu gestalten, empfiehlt sich ein achtsamer Strom- und Papierverbrauch, Mülltrennung, nachhaltiges Essen, nachhaltige Mobilität für den Weg ins Büro und darauf zu achten, dass auch die Einrichtung und Verwendung sonstiger Materialien nachhaltig gestaltet wird.

  • Recycling und Refurbishing: Das Konzept der Kreislaufwirtschaft kann auch bei Startups einfach angewendet werden, zum Beispiel beim Kauf wiederaufbereiteter Laptops und Handys, zum Beispiel via Circulee. Das Startup gibt an, dass sich mit Second-Hand-Geräten bis zu 80 Prozent CO2 sparen lassen, im Vergleich zu neuen Geräten.

  • Unterstützung von Klimaschutzprojekten: Zur Kompensation von Emissionen, die noch nicht vermieden werden können, sollten Startups in CO2-Zertifikate aus hochqualitativen Klimaschutzprojekten investieren. Bei naturbasierten Projekten kann ein Effekt über CO2-Einsparung hinaus geschaffen werden, zum Beispiel durch positiven Einfluss auf Biodiversität und die lokale Bevölkerung. Wird jährlich in mehr Zertifikate investiert als unvermeidbare Emissionen pro Jahr entstehen, kann ein Klima-positiv-Status erreicht werden.

Startups, die in der Regel nicht von den Berichtspflichten der EU betroffen sind, sollten ihre Nachhaltigkeitsziele und ihren Fortschritt diesbezüglich veröffentlichen. Das Reporting schafft Transparenz für Stakeholder, egal ob Mitarbeiter, Kunden, Investoren oder die Öffentlichkeit. Mit gutem Beispiel voranzugehen, kann einen Einfluss auf die gesamte Startup-Szene auslösen – und die ist ja in ihrem Einfluss schon längst nicht mehr zu unterschätzen.