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Das sind die Dienstwagen der Minister – und ihre Umweltbilanz

Dienstwagen sollen klimafreundlicher werden, fordert die Bundesregierung. Doch geht sie mit gutem Beispiel voran? Diese Autos fahren die Minister.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, steigt aus seinem Audi A8 TDI. Foto: dpa

Alle reden über das Klima, doch wie vorbildlich ist die Politik selbst? Die Deutsche Umwelthilfe hat nachgerechnet und prüft die Dienstwagen des politischen Führungspersonals auf ihre Klimafreundlichkeit.

Auffällig ist im Ranking vor allem eins: Zahlreiche Ministerien stellen vom Diesel auf Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge um. Diese halbelektrischen Fahrzeuge stoßen auf dem Prüfstand deutlich weniger CO2 aus als vergleichbare reine Verbrenner und werden staatlich stark gefördert. Dienstwagenfahrer müssen nur 0,5 Prozent des Fahrzeugwertes als geldwerten Vorteil versteuern, darüber hinaus gibt es eine Kaufprämie und Elektro-Nummernschilder für Plug-in-Hybride.

Doch Umweltschützer schlagen Alarm: Real seien die Plug-in-Hybridmodelle nicht klimafreundlich, besonders wenn die Batterie nicht geladen werde. In den Ministerien werden die neuen Antriebe dagegen immer beliebter, zeigt der DUH-Vergleich.

Das Bundeskanzleramt kommt im Ranking nicht vor. Die Dienstwagen der Kanzlerin und deren Verbrauchswerte werden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Ein Vergleich wäre hier auch wenig sinnvoll. Aus Sicherheitsgründen sind die Kanzlerin, der Außen- und der Innenminister gepanzert unterwegs. Mit normalen Serienfahrzeugen lässt sich der CO2-Ausstoß dieser schwereren Fahrzeuge daher kaum vergleichen.

Ein weiteres Ergebnis: Die deutschen Minister bleiben der deutschen Autoindustrie treu. Minister und Staatssekretäre fahren fast durch die Bank Modelle der deutschen Premiumhersteller Audi, BMW oder Mercedes. Ein reines Elektroauto fährt niemand.

Bundesministerium der Gesundheit

Obwohl der Diesel im Verdacht steht, in Innenstädten für gesundheitsschädliche Stickoxid-Belastungen zu sorgen, setzt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) weiter auf den Selbstzünder. Sein Dienstwagen ist ein Audi A8 L 50 TDI Quattro, also die Langversion der Audi-Oberklasse-Limousine mit Allradantrieb. Mit rund 285 PS kommt das Modell auf einen CO2-Ausstoß von 152 Gramm pro Kilometer – zumindest auf dem Prüfstand.

Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe entspricht dieser Wert allerdings nicht dem realen Ausstoß. Sie beruft sich auf Statistiken des International Council on Clean Transportation und geht von einem realen CO2-Ausstoß von 225 Gramm CO2 pro Kilometer aus, da der Verbrauch auf der Straße deutlich höher sei. Von den EU-Flottenvorgaben von 95 Gramm, die ab dem Jahr 2021 für die Hersteller gelten, ist der Minister in jedem Fall weit entfernt.

Immerhin: Nimmt man die Staatssekretäre hinzu, die im wesentlichen auf halbelektrische Plug-in-Hybride von BMW setzen, ist Spahns Ministerium im Vergleich das sauberste.

Bundesministerium der Finanzen

Olaf Scholz (SPD) will elektrische Dienstwagen steuerlich entlasten. Welches Modell der Bundesfinanzminister selbst fährt, bleibt im Ranking unerwähnt. Aus Sicherheitsgründen wird der Dienstwagen des Ministers nicht genannt. In der DUH-Auflistung tauchen nur die Modelle der Staatssekretäre auf – und die sind nahezu durch die Bank mit dem BMW 740e iPerformance unterwegs, einer halbelektrischen Limousine, die auf einen Normausstoß von 56 Gramm kommt. Nur die heutige Justizministerin Christine Lambrecht fuhr, als sie noch Scholz’ Parlamentarische Staatssekretärin war, eine Mercedes E-Klasse mit Dieselmotor.

Allerdings rechnet die Deutsche Umwelthilfe auch hier nicht mit den Normverbräuchen, die – nach Ansicht der Umweltorganisation – weit entfernt von den realen Verbräuchen sind. Real kommt die größtenteils halbelektrische Flotte des Führungspersonals im Finanzministerium nach DUH-Berechnungen auf 215 Gramm CO2. Mit den Prüfstandswerten läge man unter den EU-Vorgaben, mit den DUH-Berechnungen deutlich darüber.

Auswärtiges Amt

Auch beim Außenministerium wird das Modell des Ministers Heiko Maas (SPD) nicht gesondert aufgeführt. In der Flotte des Ministerium dominiert der Diesel. Zwei Staatssekretäre fahren einen BMW 730d, also eine große Diesel-Limousine. Zwei weitere haben den Audi A8 50 TDI Quattro als Dienstwagen.

Nur Staatsminister Michael Roth tanzt hier aus der Reihe. Der fährt ein halbelektrisches Diesel-SUV von Audi – den Q7 3.0 TDI e-tron quattro. Zumindest auf dem Prüfstand ist das Modell mit einem CO2-Ausstoß von 50 Gramm eines der saubersten im Vergleich. Aber auch hier veranschlagt die DUH real deutlich höhere Werte: Im Schnitt kommt das Ministerium real auf 218 Gramm CO2 pro Kilometer.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Das Familienministerium fährt Diesel. Während die Ministerin Franziska Giffey (SPD) selbst in einem BMW 730Ld xDrive unterwegs ist, fahren die Staatssekretäre einen Audi A8 50 TDI quattro, also einen Allrad-Diesel.

Allerdings sind alle Modelle des Ministeriums selbst unter den idealen Bedingungen des Prüfstands deutlich klimaschädlicher als es die EU vorgibt. Hier stoßen die Dienstwagen des Familienministerium zwischen 145 und 152 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Real seien die Werte noch deutlich höher, rechnet die DUH vor. Sie kommt auf einen durchschnittlichen Ausstoß von 220 Gramm CO2 pro Kilometer für die Autos des Führungspersonal des Familienministeriums.

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Arme Länder betrifft der Klimawandel besonders stark. Grund genug für das Entwicklungsministerium beim Klimaschutz Vorreiter zu sein. Zumindest was die Prüfstandswerte betrifft, erfüllt das Ministerium diesen Anspruch auch. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fährt einen halbelektrischen BMW 740Le iPerformance mit rund 325 PS gesamter Motorleistung und einem Normausstoß von 52 Gramm.

Seine Staatssekretäre fahren die etwas kürzere Variante, den BMW 740e iPerformance mit gleicher Motorisierung und kommen auf 51 Gramm. Allein der Parlamentarische Staatssekretär Norbert Barthle fährt einen Audi A8 50 TDI quattro mit einem Normausstoß von 156 Gramm. Die DUH veranschlagt allerdings auch für die halbelektrischen Modelle unter realen Bedingungen einen mehr als vier Mal so hohen CO2-Ausstoß und kommt so auf einen Schnitt von 221 Gramm CO2 pro Kilometer.

Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz

Das Ministerium von Christine Lambrecht (SPD) fährt BMW und Mercedes. Die Ministerin selbst fährt einen BMW 745e Performance – also ein halbelektrisches Modell, das allerdings stärker motorisiert ist als fast alle Modelle ihrer Ministerkollegen. Die freundliche Berechnung des NEFZ-Prüfstandsmodells macht es möglich, dass das Auto der Ministerin auf dem Papier mit 50 Gramm CO2 das klimafreundlichste aller Minister ist.

Ihre Staatssekretäre sind ebenfalls halbelektrisch (BMW740e iPerformance, Mercedes E300e) oder mit einem Dieselmotor (BMW 730d, Mercedes S350d) unterwegs. Nach den DUH-Berechnungen stoßen die Fahrzeuge des Führungspersonals im Verbraucherschutzministerium damit 224 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

„Der Diesel-Skandal ärgert mich maßlos“, klagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zuletzt. Das verwundert nicht: Immerhin ist der Minister selbst mit einem Audi A8 L 50 TDI unterwegs – also der großen Diesel-Limousine aus Ingolstadt. Mit 156 Gramm CO2 pro Kilometer ist das Modell selbst auf dem Prüfstand weit über dem angestrebten Durchschnittsausstoß der EU.

Bei den Staatssekretären sieht es nicht besser aus. Vier fahren Diesel, nur zwei sind mit halbelektrischen Plug-in-Hybriden unterwegs: Staatssekretär Andreas Feicht fährt einen BMW 745e iPerformance, Staatssekretärin Claudia Dörr-Voß einen BMW 530e – zumindest auf dem Prüfstand eines der klimafreundlichsten Modelle im Ranking. Die Einschätzung der DUH ändert das nicht: Sie rechnen für die Flotte mit einem realen CO2-Ausstoß von im Schnitt 226 Gramm pro Kilometer.

Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur

Für Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) steht fest: „Der Diesel hat Zukunft“. Er selbst ist allerdings schon umgestiegen und fährt mittlerweile einen Plug-in-Hybrid, genauer: einen BMW 745Le xDrive. Alle Staatssekretäre sind laut Selbstauskunft ebenfalls halbelektrisch unterwegs. Auf dem Papier ist das Verkehrsministerium das sauberste Bundesministerium im Vergleich, kommt auf einen CO2-Ausstoß zwischen 49 und 57 Gramm pro Kilometer – und ist damit sogar besser als die EU-Vorgaben.

Das lässt die DUH allerdings nicht gelten. Die veranschlagt für die halbelektrischen Modelle real einen deutlich höheren CO2-Ausstoß. Nach ihrer Rechnung ist Verkehrsminister Scheuer sogar Schlusslicht im Klimavergleich. Die Begründung der DUH: „Praxistests zufolge werden Plug-in-Hybride vorwiegend im extrem ineffizienten Verbrennermodus betrieben.“ So landet das Verkehrsministerium nach DUH-Rechnung bei 226 Gramm CO2 pro Kilometer.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Kommt die Verkehrswende, drohen Entlassungen bei etlichen mittelständischen Zulieferern. Ob Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) deswegen dem Diesel treu bleibt? Sein Audi A8L 50 TDI ist mit seinem CO2-Ausstoß von 159 Gramm pro Kilometer nicht besonders klimafreundlich.

Gleiches gilt für fast alle Staatssekretäre, die entweder mit einer Mercedes S-Klasse oder einem Audi A8 unterwegs sind, die von einem Dieselmotor angetrieben werden. Allein Staatssekretär Rolf Schmachtenberg fährt eine Nummer kleiner: Sein Dienstwagen ist ein BMW 530e. Den Schnitt rettet das nicht: Real käme die Flotte auf einen Ausstoß von 228 Gramm CO2 pro Kilometer, rechnet die DUH vor.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) steht im Vergleich der Dienstwagen unter besonderer Beobachtung. Immerhin muss ihr Ministerium Vorreiter sein, um beim Klimaschutz ernstgenommen zu werden. Tatsächlich sind neben der Ministerin auch sämtliche Staatssekretäre halbelektrisch unterwegs. Sie alle fahren den BMW 740e iPerformance, der – je nach Ausstattung – zwischen 50 und 56 Gramm CO2 auf dem Prüfstand ausstößt.

Für die DUH reicht das aber nicht. Der reale Ausstoß der Dienstwagen im Umweltministerium liege im Schnitt bei 232 Gramm Gramm pro Kilometer, schreibt die Umweltorganisation in ihrem Vergleich.

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Das Ministerium von Horst Seehofer (CSU) ist das einzige im Ranking, das noch komplett auf den Verbrenner setzt. Der Minister selbst taucht im Vergleich aus Sicherheitsgründen nicht auf. Aber seine Staatssekretäre fahren durch die Bank Diesel – vom Audi Q7 über den BMW 740d bis zur Mercedes S-Klasse. Nur einer fällt aus dem Rahmen: Staatssekretär Markus Kerber fährt einen VW Arteon mit Benzinmotor – und damit das einzige Modell, das nicht von einem Premiumriesen kommt.

Laut DUH-Rechnung kommt das Innenministerium allerdings auf die zweitschlechteste Klimabilanz. Real liege der Ausstoß der Dienstwagen im Schnitt bei 236 Gramm CO2 pro Kilometer.

Bundesministerium der Verteidigung

Die Deutsche Umwelthilfe führe einen „Kreuzzug gegen den Diesel“ warf Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) der DUH zum Jahresanfang 2019 vor. Zumindest scheint ihr Ministerium im Glauben an den Diesel geeint. Die Ministerin selbst fehlt in der Auflistung aus Sicherheitsgründen. Doch alle Staatssekretäre fahren Diesel – vom Audi A8 über den 7er BMW bis zur Mercedes V-Klasse, mit der der Parlamentarische Staatssekretär Peter Tauber unterwegs ist.

Selbst unter den günstigen Prüfstandsbedingungen beträgt der Ausstoß der Dienstwagen zwischen 150 und 199 Gramm CO2. Real kommt das Ministerium von AKK nach Berechnungen der DUH auf 243 Gramm CO2 pro Kilometer und landet aus Sicht der Umweltorganisation auf dem letzten Platz.

Die Diesel-Limousine gehört zu den beliebtesten Dienstwagen deutscher Politiker - allerdings meist in schlichtem Schwarz. Foto: dpa
Publikumswirksam reist der Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gerne mal im Elektroauto (hier Audi E-tron) an. Sein Dienstwagen ist allerdings ein Plug-in-Hybrid von BMW. Foto: dpa
Peter Altmaier (CDU) fährt weiterhin einen Audi mit Dieselmotor. Foto: dpa
Der stark motorisierte Plug-in-Hybrid löst in vielen Ministerien den Diesel ab. Foto: dpa
In welchem Modell die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU, unterwegs ist, bleibt geheim. Foto: dpa