Werbung
Deutsche Märkte öffnen in 7 Stunden 51 Minuten
  • Nikkei 225

    41.097,69
    -93,01 (-0,23%)
     
  • Dow Jones 30

    41.198,08
    +243,60 (+0,59%)
     
  • Bitcoin EUR

    58.631,26
    -531,23 (-0,90%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.331,15
    -11,18 (-0,83%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.996,92
    -512,42 (-2,77%)
     
  • S&P 500

    5.588,27
    -78,93 (-1,39%)
     

Das ist Deutschlands Hanfkönigin: die Gründerin der Mary-Jane-Hanfmesse

Mit einem Startkapital von 17.000 Euro gründete Nhung Nguyen mit ihrem Freund in ihrem 20 Quadratmeter großen WG-Zimmer 2015 die „Mary Jane“, die erste Hanfmesse in Deutschland. - Copyright: Mary Jane Berlin
Mit einem Startkapital von 17.000 Euro gründete Nhung Nguyen mit ihrem Freund in ihrem 20 Quadratmeter großen WG-Zimmer 2015 die „Mary Jane“, die erste Hanfmesse in Deutschland. - Copyright: Mary Jane Berlin

Dies ist kein Plädoyer für Cannabis und schon gar keine Anleitung zum Kiffen. Dies ist die Geschichte einer cleveren jungen Frau, die mit einer Idee großen wirtschaftlichen Erfolg hat. Nhung Nguyen ist keine Ideologin, sie hat nicht mit 16 in dunklen Räumen gehockt und sich heimlich benebelt. Vielmehr hat sie in dem Alter die Liebe ihres Lebens kennengelernt und gemeinsam mit ihrem Freund etwas aufgebaut, das in der Szene einzigartig ist. Denn die 32-Jährige ist heute Deutschlands Hanfkönigin.

Überfliegerin in der Schule

Nhung Nguyen ist in Berlin geboren. Ihre Eltern kamen über ein Losverfahren aus Vietnam in die DDR, ursprünglich für ein paar Jahre, aber sie entschieden sich zu bleiben. Nguyen ging in Treptow in die Grundschule, sie hatte sehr gute Noten. „Bildung ist etwas, das in der asiatischen Kultur sehr großgeschrieben wird“, sagt sie. „Meine Eltern haben sehr darauf geachtet.“

WERBUNG

Im Gymnasium kam Nguyen in eine sogenannte Schnellläufer-Klasse für Hochbegabte, sie übersprang das siebte Schuljahr. Nach dem Abi studierte sie in Darmstadt Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau. Für den Master kehrte sie zurück nach Berlin und beendete ihr Studium mit einem Notenschnitt von 1,3.

Immer an ihrer Seite: Duc Anh Dang. Die beiden sind seit ihrem 16. Lebensjahr ein Paar. Sie haben einen vierjährigen Sohn und passen nicht nur privat, sondern auch beruflich perfekt zueinander. Duc kommt aus Erfurt und stammt aus einer Unternehmerfamilie, er nahm sein gutes Gespür für Trends mit der Muttermilch auf. Duc hat sich frühzeitig selbstständig gemacht, zunächst mit Bubble Tea. Das ist ein taiwanesisches Eisgetränk, bestehend aus grünem oder schwarzem Tee, der mit Kondensmilch und Sirup oder Honig schaumig geschlagen wird – und häufig mit kleinen Kügelchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen serviert wird. Nach einer Meldung, der neue, hippe Genuss könne krebserregend sein, brach der Hype jedoch ein, und Duc zog sich zurück.

Hanfmesse gegründet im WG-Zimmer

Nach einem Auslandssemester in den USA kehrte er mit einer neuen Idee heim: „Er sprach nur noch von Hanf“, sagt Nguyen. „Cannabis war in Nordamerika bereits so halblegal, und Duc war überzeugt, der Trend zur Legalisierung würde eines Tages auch nach Deutschland herüberschwappen.“ Nguyen war begeistert. Mit einem Startkapital von 17.000 Euro gründeten die beiden in ihrem 20 Quadratmeter großen WG-Zimmer 2015 die „Mary Jane“, die erste Hanfmesse in Deutschland.

Am Postbahnhof, einer schrägen kleinen Partylocation in Berlin-Friedrichshain, ging es 2016 los. „Duc unterschrieb den Vertrag, obwohl der Postbahnhof viel zu teuer war“, erinnert sich Nguyen. „Wir mussten richtig viele Stände verkaufen, um das Geld wieder reinzuholen.“ Das war nicht einfach, aber die Rechnung ging auf: Rund 80 Aussteller präsentierten ihre Produkte, und 8000 Besucher wollten sie sehen, ein Erfolg.

„Damals haben wir auf unserer Messe mehr die Szene abgebildet“, sagt Nguyen. Inzwischen kommen die Aussteller von überall und ganz von allein. In diesem Jahr wird die „Mary Jane“ die „Spannabis“ in Spanien als größte Hanfmesse Europas ablösen. Sie ist dafür in die großen Messehallen unter dem Funkturm gezogen. Niemand hat jetzt mehr Aussteller, mehr Besucher oder eine größere Fläche.

Die Warteliste für die Erlebnismesse platzte

Am 14. Juni eröffnet die „Mary Jane“ für drei Tage als eine Art Erlebnismesse, bestehend aus Konferenz, Festival, Aufklärung und Unterhaltung. Mehr als 400 Aussteller sind es mittlerweile. DJs machen Musik. Es gibt eine Chill-out-Area im Freien. Täglich werden Expertenvorträge gehalten, auch Politiker verschiedener Parteien sind als Gast-Redner tätig. Die Cannabis-Legalisierung durch die Ampelregierung hat Deutschland „zum internationalen Hotspot für die Cannabis-Branche gemacht“, sagt Nguyen. Start-ups gründen sich, neue Produkte nutzen die veränderte Gesetzeslage. „Der Markt hier ist derzeit der spannendste.“

Der Andrang auf die „Mary Jane“ ist enorm. Nachdem der Bundestag mehrheitlich Cannabis legalisiert hatte, platzte die Warteliste der „Mary Jane“, und der Druck der Aussteller wurde gewaltig. Duc buchte eine weitere Halle hinzu. „Dieses Vertrauen geht mit einer hohen Verantwortung einher“, weiß Nguyen und erzählt die Geschichte einer Frau, die spontan ihr Auto verkaufte, um einen Stand buchen zu können.

Das Thema „Hanfanbau“ ist aktuell besonders gefragt

Der kleinste kostet übrigens 1200 Euro, größere deutlich mehr. Viele Firmen sind auf der „Mary Jane“ am Start, darunter auch „Tyson Holistics“, das Unternehmen des ehemaligen Schwergewichtsboxers Mike Tyson. Er ist so etwas wie der Cannabis-Papst Kaliforniens. Mit dem Verkauf von Hanfsamen verdient Tyson rund sechs Millionen Dollar im Jahr. „Mike Tyson hat für 2025 seinen Besuch auf der Messe angekündigt“, verrät Nguyen. In diesem Jahr ging das nicht wegen seines Kampfes am 20. Juli.

Auf der Messe treibt es den Besucher durch alle drei Arten des Hanfs: den Nutzhanf (Lebensmittel, Kleidung, Kosmetika), den medizinischen Hanf, also sogenannte CBD-Produkte (Medikamente, Öle). Und den Lifestyle-Hanf (Rauch- und Anpflanzungsgeräte). Das Thema Anbau ist aktuell besonders gefragt, und so wird auch der Vortrag „Vom Samen bis zur Ernte in 100 Tagen“ vermutlich sehr gut besucht sein.

Zutritt erst ab 18 Jahren gestattet

In Deutschland herrscht seit der Gesetzesänderung eine Art Goldgräberstimmung. Social Clubs für gemeinschaftlichen Anbau sprießen aus dem Boden. Es gibt unterirdische Anbaustätten, an denen man sich genossenschaftlich beteiligen kann. Sogar ein Dachverband hat sich bereits gegründet.

Die Menschen seien inzwischen deutlich aufgeklärter, sagt Nguyen, warnt dabei aber: „Wer psychisch nicht stabil ist, sollte die Finger vom Cannabis lassen.“ Das gelte vor allem für Jugendliche. Der Zutritt zur Messe ist deshalb auch erst ab 18 Jahren gestattet. Das Cannabis-Gesetz verbietet Erwachsenen in Gegenwart von Kindern den Konsum. Die Weitergabe ist sogar eine Straftat. Nguyen macht von ihrem Hausrecht Gebrauch: Cannabis darf nur an einem speziellen Ort im Freien konsumiert werden, in den Hallen ist Kiffen tabu.

Sie selbst macht sich eh nichts daraus, Nguyen ist Nichtraucherin und trinkt auch keinen Alkohol. „Das ist nicht meine Welt.“ Sie liebt die heilende Wirkung der Pflanze, Öle für eine schönere Haut und Spray zur Beruhigung. Aufregung hat Nhung Nguyen durch die „Mary Jane“ genug.