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Deutsche Schulen bleiben trotz Corona vorerst offen – nur Bayern schert aus

Andere Staaten machen es schon. Doch die deutschen Kultusminister sind noch gegen flächendeckende Schulschließungen. In Bayern könnte es dennoch schon am Freitag dazu kommen.

Es war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der vorpreschte: Der Bayer schließt nun generelle Schulschließungen nicht mehr aus. Entscheiden will er darüber an diesem Freitag. Alle anderen Politiker scheuen den Schritt bislang.

Sowohl die Kultusminister der Länder als auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sehen die Zeit dafür noch nicht gekommen. Diverse andere europäische Staaten wie Italien, Österreich, Polen, Dänemark, Irland oder Norwegen haben ihre Schulen bereits geschlossen – obwohl sie zum Teil viel weniger Fälle haben als Deutschland.

Die Stadt Halle ordnete am Donnerstag als erste Großstadt an, sämtliche Kitas und Schulen dichtzumachen – vorerst bis zum 27. März. Sachsen-Anhalt war lange das einzige Bundesland ohne nachgewiesene Sars-CoV-2-Infektion. Mittlerweile sind sieben Fälle in Halle bekannt.

In der Kultusministerkonferenz sei man sich an diesem Donnerstag einig gewesen, noch keine flächendeckenden Schulschließungen anzuordnen, sagte KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) nach einer intensiven Debatte.

Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass es in Kürze zu flächendeckenden Schließungen komme. Die Lage könne sich binnen Tagen ändern, sagte der Sprecher der SPD-Minister, Hamburgs Schulminister Ties Rabe.

Normalität aufrechterhalten

Karliczek hatte sich am Morgen mit ihren europäischen Kollegen beraten. Viele Länder, die wie Dänemark oder Tschechien trotz geringer Infektionsrate die Schulen schließen, hätten argumentiert, sie wollten so dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

In Deutschland hingegen sei man dagegen der Meinung: „Je mehr Normalität wir aufrechterhalten, umso besser“, sagte Karliczek. Sie wiederholte das Argument von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, es sei nicht Sinn der Sache, Kinder statt in der Schule oder Kita zu Hause von Großeltern betreuen zu lassen, die schon wegen ihres Alters zur Risikogruppe gehören.

Der renommierte Virologe Alexander Kekulé hingegen hatte schon vor Tagen zweiwöchige Corona-Ferien gefordert. Ob und, wenn ja, wann doch noch flächendeckend Schulen und Kitas schließen, müssten die Gesundheitspolitiker entscheiden.

In Europa sind inzwischen die Schulen in Italien, Norwegen und Dänemark, Polen und Österreich, Irland, Tschechien, Slowenien, Griechenland und Litauen geschlossen. „Es wird enorme Konsequenzen haben, aber nach unserer Auffassung ist die Alternative noch schlimmer“, sagte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen.

In Spanien hat bisher die Region Madrid alle Kitas, Schulen und Hochschulen geschlossen. In Frankreich gilt das für zwei besonders betroffene Departments. In Stockholm hat die Schulbehörde die Schulen aufgefordert, einen Plan für möglichen Fernunterricht zu erarbeiten. 
Auch in Japan sind die Schulen dicht, in China ohnehin, dort geht der Unterricht nach offiziellen Angaben online weiter. Saudi-Arabien hatte die Schulen schon vergangene Woche geschlossen.

In den USA gibt es keine bundesweite Regelung zu Schulschließungen. In besonders betroffenen Gegenden wie etwa Seattle bleiben öffentliche Schulen mindestens zwei Wochen geschlossen. In New York gibt es bisher keine dementsprechende Anweisung.

Die städtische Universität CUNY hat auf Video-Vorlesungen umgestellt, die Elite-Uni Harvard in Cambridge nahe Boston hat ihre Studenten nach Hause geschickt, auch Yale verzichtet auf Vorlesungen mit Publikum. Den Beginn des Sommersemesters haben in Deutschland bisher nur Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und Bremen verschoben.