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Dax gibt dritten Tag in Folge nach – Teamviewer verliert nach Börsenstart vier Prozent

Verluste beim Börsengang von Teamviewer, Ermittlungen bei der Deutschen Bank und die Ukraine-Affäre verunsichern die Anleger. Der Dax verliert den dritten Tag in Folge.

Der Dax versucht, die Verluste vom Vortag wieder wettzumachen. Foto: dpa

Am Mittwoch ist der Dax unter die psychologisch wichtige Marke von 12.300 Punkten gefallen. Auch im weiteren Tagesverlauf konnte sich der deutsche Leitindex nicht mehr positiv entwickeln. Erst im Späthandel machte der Dax einige seiner Tagesverluste wett und schloss bei 12.234 Punkten etwa 0,6 Prozent im Minus.

Damit hat der deutsche Leitindex erneut die am Montag gerissene Kurslücke (12.460 zu 12.442 Punkte) nicht schließen können. Der Tageshöchstwert lag wieder einmal unterhalb des niedrigsten Wert des Vortages. Das ist ein charttechnisches Indiz für eine weitere Bewegung in Richtung Auswärtstrend.

Bei Anlegern stand am Mittwoch die Deutsche Bank im Fokus. Wegen der früheren Geschäftsbeziehungen zur Danske Bank ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen das deutsche Geldinstitut. Es könnte Beihilfe zur Geldwäsche bei der estnischen Filiale der Danske Bank geleistet haben.

Schlagzeilen machte derweil auch ein Börsengang: Die Aktie von Teamviewer, einem Hersteller von Software zur Computer-Fernwartung und Videokonferenzen, legte einen durchwachsenen Start hin. Zuerst noch solide beim Ausgabepreis von 26,25 Euro gestartet, gerieten die Papiere schnell unter Druck und verloren bis zu 5 Prozent. Auch zum Handelsschluss lag die Aktie knapp 4 Prozent im Minus.

Geschürt wurden am Mittwoch erneut Ängste vor einer Rezession: Das Barometer für die Exporterwartungen der Industrie fiel im September um 2,9 auf minus 5,2 Punkte, wie das Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner monatlichen Umfrage unter 2300 Betrieben mitteilte. Im August hatte es noch einen kleinen Anstieg gegeben.

„Ein möglicher harter Brexit wirft seine Schatten voraus“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Im Moment gibt es von der Weltwirtschaft kaum positive Signale für die deutschen Exporteure.“

Blick auf die Einzelwerte

Thyssen-Krupp: Der Personalausschuss des Aufsichtsrats hat dem Gremium empfohlen, sich von Vorstandschef Guido Kerkhoff zu trennen. Dieser war erst seit Mitte 2018 auf dem Posten. Nach mehreren Strategiewechseln und Prognosesenkungen hatte er zuletzt immer mehr an Vertrauen im Markt verloren. Anstelle von Kerkhoff soll Aufsichtsratschefin Martina Merz für bis zu zwölf Monate als Vorstandschefin einspringen. Die Aktie legte rund 0,3 Prozent zu.

Continental: Der Autozulieferer hat Details zu seinem Sparprogramm veröffentlicht. Bis zu 20.000 Arbeitsplätze will Continental abbauen, davon alleine 7000 in Deutschland. Mehrere Standorte sollen geschlossen werden. Der Titel gab nur kurzzeitig nach und veränderte sich danach kaum noch.

Deutsche Bank: Die Staatsanwaltschaft ermittelt bei dem Geldinstitut im Zusammenhang mit dem Geldwäscheskandal der Danske Bank. Das Papier der Deutschen Bank gewann überraschend 0,5 Prozent.

Wirecard: Nachdem die UBS ihre Kaufempfehlung für die Aktien des Zahlungsdienstleisters aufgab, sackten sie unter den größten Indexverlierern um mehr als zwei Prozent ab.

Pfeiffer Vacuum: Weil der Vakuumpumpenspezialist noch pessimistischer auf das laufende Jahr blickt, rauschten die Aktien um mehr als 21 Prozent in die Tiefe. Mitte Juli war Pfeiffer Vacuum schon einmal beim Umsatzziel zurückgerudert.

Puma: Für Puma ging es im MDax um 1,3 Prozent bergab. Kursmäßig erwies es sich somit als kontraproduktiv für das Papier, dass der US-Konkurrent Nike den Markt mit seinen jüngsten Geschäftszahlen überzeugte. Adidas entwickelten sich im Mittelfeld des Dax mit einem Abschlag von knapp einem Prozent recht unauffällig.

Was die Charttechnik sagt

Der bisherige Wochenverlauf steht laut den Experten von HSBC unter keinem guten Stern: Das Eingangs beschriebene Abwärtsgap hat unverändert Bestand, zudem steht die Schlüsselmarke von 12.300 Punkten wieder zur Disposition. Kurzfristig sei deshalb die Gefahr eines klassischen Doppeltops, welches durch die jüngsten beiden Kursspitzen bei 12.494/91 Punkten definiert wird, nicht von der Hand zu weisen. Bei einem Doppeltop kann der Kurs zweimal einen Widerstand im Chart nicht überwinden. Die Formation signalisiert eine Trendumkehr zum Abwärtstrend.

Ein nachhaltiges Abgleiten unter die Signalmarke würde die Topbildung abschließen. Aufgrund der schwächeren Vorgaben steht laut den HSBC-Experten am Mittwoch eine negative Weichenstellung unmittelbar zur Disposition. Rein rechnerisch ergebe sich dann ein kalkulatorisches Abschlagspotential von knapp 200 Punkten.

Handelsblatt-Analystencheck: Independent Research setzt auf Tui

Die Experten von Independent Research gehen davon aus, dass der Touristikkonzern Tui von der Insolvenz des Konkurrenten Thomas Cook profitieren wird. Zur Begründung wird auf voraussichtlich steigende Marktanteile sowie nachlassenden Preisdruck verwiesen. Zu den Herausforderungen zählten unter anderem die Unsicherheit bezüglich des Brexits. Das Anlagevotum bleibt bei „halten“.
Mit Agenturmaterial.

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