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Dax schließt im Plus – Deutsche-Bank-Aktie gewinnt leicht

Der Deutsche Aktienindex fand kurz vor Weihnachten keine klare Richtung. Als Ausreißer nach oben zeigte sich die Aktie von Delivery Hero.

Am letzten Handelstag vor Weihnachten verlor der Dax erst deutlich, holte die Verluste am Nachmittag aber wieder auf. Er schloss 0,2 Prozent höher als am Vortrag bei 10.609 Punkten.

Die Schwankungen waren für Börsenbeobachter keine Überraschung, denn heute ein sogenannter „Hexensabbat“. An diesen Tagen verfallen wichtige Terminkontrakte. Das betraf heute Futures und Optionen auf Stoxx-Produkte des gleichnamigen Indexanbieters, außerdem Papiere auf Basis von Dax, TecDax und MDax, darüber hinaus auch Optionen auf Einzelaktien.

Börsianer warnen regelmäßig vor abrupten Kursbewegungen an Tagen wie diesen. Großanleger, so heißt es, wollten Kurse in die für sie günstige Richtung bewegen, um mit ihren Futures und Optionen mehr zu gewinnen – oder nicht zu viel zu verlieren.

Inzwischen haben zwar ganze Generationen von Ökonomen den sogenannten „Witching Day“ erforscht. Doch die Ergebnisse sind uneinheitlich. Als ausgemacht gilt, dass am Hexensabbat mehr Aktien gehandelt werden als sonst. Doch ob die Kurse dann auch stärker schwanken, bleibt umstritten.

Trotz den leichten Gewinnen heute ist die Stimmung an der Börse insgesamt schlecht. Der Dax hat rund 22 Prozent seit seinem Allzeithoch Anfang des Jahres mit 13.596 Punkten verloren und ist damit nach klassischer Definition in einem Bärenmarkt. Dieser gilt als erreicht, wenn der Index mehr als 20 Prozent verloren hat. Die einzige Hoffnung für Anleger: Bärenmärkte dauern nicht so lange wie Bullenmärkte. Das zeigt eine Handelsblatt-Analyse.

Innerhalb weniger Tage hat der Dollar deutlich nachgegeben, der Euro ist im Gegenzug seit Freitag vergangener Woche von 1,13 auf 1,14 Dollar gestiegen. Es spricht einiges dafür, dass diese Entwicklung so weitergeht. Denn ein Blick auf die USA offenbart die Probleme.

Rezessionsängste mit schwächelnden US-Renditen, massive Verluste an den Aktienmärkten, Sorgen vor einem Finanzierungsengpass der US-Regierung, der heute drohen könnte – und mit Verteidigungsminister James Mattis der nächste Minister, der die Regierung Trumps verlässt. „Der Dollar wird deshalb wohl angeschlagen in die Weihnachtsfeiertage starten“, meinen die Devisenanalysten der Commerzbank.

Blick auf deutsche Einzelwerte


Delivery Hero: Der Lieferdienst Delivery Hero verkauft sein Deutschland-Geschäft für knapp eine Milliarde Euro an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com. Delivery Hero werde dabei seine deutschen Lieferdienste Lieferheld, Pizza.de und Foodora abgeben und im Gegenzug Bargeld und Aktien der Takeaway.com im Volumen von 930 Millionen Euro erhalten, teilte das im MDax gelistete Unternehmen in der Nacht zum Freitag mit. Die Aktie schoss über 10 Prozent in die Höhe.

Deutsche Bank: Die Aktie der Deutschen Bank verlor am Donnerstag sieben Prozent. Auch am Freitag gab es zunächst keine Aussicht auf Besserung. Die Aktie verlor im Tagesverlauf, konnte gegen Ende aber wieder aufholen und schloss leicht im Plus.

Lufthansa: Der Chef der Tochter Eurowings peilt für das kommende Jahr einen Gewinn an. „Nach der Einmalinvestition für die Integration der ehemaligen Air-Berlin-Kapazitäten wollen wir 2019 wieder profitabel fliegen“, sagte Thorsten Dirks der „Börsen-Zeitung“. Gradmesser sei Konkurrent Easyjet, der Margen im hohen einstelligen Prozentbereich erreiche. Die Aktie des Unternehmens liegt 2,9 Prozent höher und gehört damit zu den Gewinnern im Dax.

Was die Charttechnik sagt

Seit Jahresbeginn befindet sich der Dax in einem mittelfristigen Abwärtstrend, der sich zuletzt Anfang Dezember verschärfte. Am gestrigen Handelstag gab es ein erneutes Jahrestief mit 10.563 Punkten. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass die Kursverluste gestoppt werden könnten. „Angesichts der auf allen Zeitebenen vorherrschenden Abwärtstrends sind die Risiken deutlich höher zu gewichten“, schreiben die Helaba-Experten.

Hoffnung auf eine Trendwende zum Besseren können die Anleger zu den Akten legen. Solch ein Szenario wäre erst mit einem Sprung über die Marken rund um 11.000 Zähler erreicht – und davon ist der Index nun deutlich entfernt. Bei 11.051 Punkten lag das Tief des vergangenen Oktobers, bei 11.009 das November-Tief dieses Jahres.

Blick auf die Märkte USA und Asien

An der Wall Street legte der US-Standardwerteindex Dow Jones dank positiv gewerteter Konjunkturdaten in der Spitze knapp zwei Prozent zu. Außerdem dämpfte US-Notenbanker John Williams die Konjunktursorgen. Er betonte, dass die Wirtschaft weiter stark sei. Außerdem werde die Fed die Entwicklung der Konjunktur und der Börsen bei ihren geldpolitischen Entscheidungen stets im Blick behalten.


An den Nerven der Investoren zehre allerdings der drohende Regierungsstillstand in den USA, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. US-Präsident Donald Trump weigert sich, Haushaltsmittel freizugeben, bis der Kongress fünf Milliarden Dollar für den geplanten Bau der Grenzmauer zu Mexiko bewilligt. Damit könnten ab Samstag zahlreiche US-Staatsbedienstete in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt werden.

Die Anleger an den asiatischen Märkten haben auch zum Wochenschluss einen großen Bogen um Aktien gemacht. Die Sorgen um den Zustand der US-Wirtschaft lasteten auf der Stimmung. Vor allem die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen in den USA machten die Börsianer unruhig. Der Nikkei-Index fiel mit 20.006 Zählern zeitweise auf den tiefsten Stand seit 15 Monaten - aus dem Handel ging er 1,1 Prozent schwächer bei 20.166 Punkten. Das Börsenbarometer steuerte damit auf sein schlechtestes Quartal seit globalen Finanzkrise 2008 zu. Der breiter gefasste Topix-Index gab am Freitag 1,9 Prozent nach.

Der Anstieg der Verbraucherpreise in Japan hat sich im November abgeschwächt. Im November stieg die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,9 Prozent, wie Regierungsdaten am Freitag zeigten. Im Oktober waren es noch 1,0 Prozent, dies hatten Volkswirte auch für November erwartet. Experten zufolge dürfte vor allem der sinkende Ölpreis zu der Entwicklung beigetragen haben.

Für die japanische Notenbank ist dies ein Problem. Sie stützt die Konjunktur mit fördernden Maßnahmen. Um mit dem Ausstieg daraus zu beginnen, will sie aber eine Inflationsrate nahe ihrer Zielmarke von zwei Prozent sehen.

Analystencheck: Credit Suisse hält National Grid Aktie auf „neutral“

Die Schweizer Bank Credit Suisse hat die Einstufung für National Grid auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 850 Pence belassen. Der Plan der britischen Regulierungsbehörde Ofgem, die Netzgebühren für Gas und Strom senken zu wollen, könnte viele Geschäftsbereiche des Versorgers hart treffen, geht aus einer am Donnerstag vorliegenden Studie des Instituts hervor. Die Analysten verwiesen dabei auch auf die steigende Nettoverschuldung des Unternehmens und die noch hohen Dividendenzahlungen.

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