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Unfairer Fan-Vorteil? Lex Leipzig für Watzke notwendiges Übel

SID
·Lesedauer: 4 Min.

RB Leipzig als "Dosenöffner" für die Fans!

Ausgerechnet der von vielen Anhängern als Retortenklub verspottete Bundesligist will den Weg für eine Zuschauer-Rückkehr ebnen. Die Sachsen planen für ihren Liga-Auftakt am 20. September gegen den FSV Mainz 05 mit 8500 Besuchern und haben für ihr Konzept bereits die Freigabe des Gesundheitsamtes erhalten.

Durch dieses Vorpreschen erhöht RB vor der virtuellen Versammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Donnerstag (ab 11 Uhr) den Entscheidungsdruck.

Da der Plan laut den Leipzigern "von der DFL" sowie "anderen Vereinen" unterstützt wird und auch weitere Klubs über eine Zuschauer-Rückkehr je nach den regionalen Verordnungen nachdenken, scheint ein Beschluss der 36 Profivereine über ein Ende der Geisterspiele trotz der Corona-Pandemie unausweichlich.

Bekannt sind die Vorhaben von Eintracht Frankfurt, dem VfL Wolfsburg, Hertha BSC, Union Berlin und dem VfL Osnabrück.

DFL hofft nach Leipzig-Entscheidung

Für die DFL ist das Leipziger Modell deshalb nur ein erster Schritt. "Das Konzept von RB Leipzig hat offensichtlich überzeugt", ließ der Ligaverband wissen: "Unabhängig davon ist die DFL selbstverständlich weiterhin bereit, mit der Politik verbindliche Gespräche über abgestimmte Lösungen auf Bundesebene zu führen."

"Wir sind sehr glücklich, dass wir mit dieser Entscheidung einen Schritt hin zu mehr Normalität gehen können", sagte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff: "Wir wissen um den großen Vertrauensvorschuss, der uns seitens der Politik und der Behörden entgegengebracht wird und werden äußerst verantwortungsvoll und umsichtig damit umgehen."

Trainer Julian Nagelsmann zeigte sich begeistert: "Dies ist in erster Linie ein tolles Signal an die Menschen, dass es eine positive Entwicklung für Spiele mit Fans gibt."

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Watzke und Lauterbach sehen Wettbewerbsverzerrung

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht den Vorstoß allerdings kritisch. "Wenn Leipzig vor 8400 Zuschauern spielt, ist das unsportlich und epidemiologisch falsch", twitterte Lauterbach: "Unsportlich, weil andere Vereine ohne Genehmigung im Nachteil sind. Und am Beginn der zweiten Welle sendet es das völlig falsche Signal, die Gefahr der Pandemie sei gebannt."

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund begrüßt die Teilzulassung von Zuschauern bei RB im Gespräch mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe als "mutigen, aber gleichzeitig sehr besonnenen Schritt" und ist in Sachen Wettberwerbsverzerrung gespalten.

Die Unterstützung der Fans verschaffe den Sachsen "natürlich einen kleinen Wettbewerbsvorteil", merkte Watzke an, diesen müsse man allerdings "in Kauf nehmen, wenn man möchte, dass sich - immer auf Basis des jeweiligen Infektionsgeschehens und eines durchdachten, verantwortungsbewussten Konzeptes - etwas bewegt."

Fans auch im DFB-Pokal wieder erlaubt?

Schon im Pokal sollen erste Fakten geschaffen werden. Nach dem grünen Licht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereiten einige Klubs ein Besucher-Comeback für die 1. Hauptrunde (11. bis 14. September) vor und befinden sich deshalb in Gesprächen mit den zuständigen Behörden. So möchten unter anderem Mainz sowie die Drittligisten Dynamo Dresden und Hansa Rostock bei ihren Partien eine gewisse Anzahl von Fans zulassen.

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Die Vereine reagieren damit auf die DFB-Entscheidung vom Montag. Der Verband hatte beschlossen, dass sich im Pokal, der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga "Zulassung und Zahl" der Zuschauer "nach den regionalen Verfügungslagen" richten müssen und "von jedem Klub mit den zuständigen Gesundheitsbehörden individuell vor Ort abgestimmt" werden sollen.

Ob ein Plan wie der Leipziger von der Mehrheit der Profiklubs unterstützt wird, ist offen. Der Wolfsburger Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke warnt bereits vor Wettbewerbsverzerrungen. "Es ist schon ein Unterschied, ob ein Verein 10.000 oder 15.000 Zuschauer im Stadion hat und andere Klubs 500. Dann ist eine Wettbewerbsgleichheit nicht mehr so gegeben", sagte Schmadtke dem Sportbuzzer. Daher sei es wichtig, "darüber mit der DFL im Verbund" zu sprechen: "Wir reden immer davon, dass der Wettbewerb geschützt werden muss."

Bundesliga darf auf Sonderregelung hoffen

Am vergangenen Donnerstag hatten der Bund und die Länder beschlossen, bis mindestens Ende Oktober keine Zuschauer im Profisport zu erlauben. Großveranstaltungen, bei denen die Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich sind, bleiben sogar mindestens bis Jahresende untersagt.

Von diesem Beschluss wurden die Bundesliga und alle weiteren bundesweiten Sportveranstaltungen allerdings ausgenommen.

Diese Entscheidung ohne konkrete Regelung ermöglicht einen großen Interpretations-Spielraum. Da die DFL Pläne zur Kontaktverfolgung und Hygieneregelungen erarbeitet hat, sieht der Ligaverband eine Chance für die Zuschauer-Rückkehr.

Obwohl eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien ihren endgültigen Vorschlag erst Ende Oktober präsentieren soll, könnten deshalb tatsächlich vorher wieder Besucher zu den Liga-Spielen kommen.

Der Profifußball sieht sich jedenfalls gerüstet. Das Zuschauer-Protokoll sieht keine Stehplätze und keinen Alkohol bis Ende Oktober, den Verzicht auf Gästefans bis Jahresende und die Sammlung sämtlicher Kontaktdaten vor. Auch das überarbeitete Hygienekonzept rund um den Spielbetrieb, das eine Gliederung in drei Stufen der Pandemie-Aktivität vorsieht, muss nur noch von den Vereinen am Donnerstag abgesegnet werden.