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Buchung von zwei Bahn-Sitzplätzen: Bahn widerspricht Innenministerium

·Lesedauer: 1 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Kann der Bund seinen Beamten auf Dienstreisen zwei Bahn-Sitzplätze buchen, um sie vor Corona zu schützen - auch wenn das den Beförderungsbedingungen widerspricht? Das Bundesinnenministerium hat dafür nach Angaben einer Sprecherin eine Zusage der Bahn. Doch das Unternehmen widerspricht. "Nach meinem Kenntnisstand gibt es eine mündliche Zusage von der Bahn, dass die Plätze nicht verfallen", sagte eine Sprecherin von Minister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch in Berlin. Ein DB-Sprecher teilte auf dpa-Anfrage aber mit: "Eine solche Zusage gibt es nicht."

Hintergrund ist ein Schreiben des Bundesinnenministeriums vom 12. November, in dem es heißt, für Bahnfahrten könne zunächst bis Ende März 2021 ein zusätzlicher Nachbarsitzplatz gebucht werden, "um so im Sinne des Infektionsschutzes einen größeren Abstand zu den Mitreisenden zu gewähren." Die Beförderungsbedingungen der Bahn sehen aber vor, dass der Anspruch auf einen bezahlten und reservierten Sitzplatz erlischt, wenn er 15 Minuten nach Abfahrt nicht eingenommen wird. Sonst könnte sich eine Person mit ausreichend Geld ja theoretisch auch vier oder noch mehr Plätze sichern.

Fragen warf das Schreiben auch auf, weil Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) immer wieder betont, dass die Bahn kein Hotspot für Corona-Infektionen sei. Er lehnt auch eine Reservierungspflicht zur Verhinderung voller Züge ab - ebenso wie die Bahn. Nach einer YouGov-Umfrage wären 63 Prozent der Menschen in Deutschland für eine solche Pflicht in der Corona-Krise, und nur 18 Prozent sind dagegen.

Die Bahn verwies am Mittwoch erneut darauf, dass für die Buchung von Sitzplatzreservierungen Fensterplätze voreingestellt seien, so dass der Gangplatz frei bleibe. Zurzeit seien die Fernverkehrszüge zu 20 bis 25 Prozent ausgelastet. "Eine Sitzplatzwahl mit viel Abstand und Platz ist fast immer gut möglich", sagte ein Sprecher.