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„Wirtschaftsführer wissen, was sie bekommen“ – CEOs positionieren sich für Biden-Präsidentschaft

·Lesedauer: 4 Min.

Von Amazon-Chef Bezos bis zu JP-Morgen-CEO Dimon: Die US-Topmanager erwarten von Joe Biden vor allem Stabilität. Doch in einer Branche ist die Stimmung schlecht.

Einer der ersten Gratulanten aus der Business-Welt war Walmart-CEO Doug McMillon Bereits drei Stunden nach der Verkündung des Siegers durch die größten US-Medien hat McMillon in seiner Funktion als Vorsitzender der einflussreichen Organisation Business Roundtable, der fast alle großen US-Unternehmen angehören, Joe Biden und Kamala Harris zu ihrer Wahl gratuliert. „Wir freuen uns darauf, mit der künftigen Biden-Administration und allen Bundes- und Staatspolitikern zu arbeiten.“

Auch die US-Handelskammer gratulierte der neuen Führung in Washington rasch. Dabei machte der Vorsitzende Thomas Donohue gleich klar, wo die Prioritäten seiner Mitglieder liegen. „Der Job Nummer eins ist das Stimulus-Paket für die Pandemie“, sagte er. Die kleinen US-Unternehmen könnten keine drei Monate abwarten, bis der Kongress sich bewegt. Außerdem seien Investitionen in die Infrastruktur wichtig, sagte er im Hinblick auf Bidens billionenschweren Infrastrukturplan.

Für die Vereinigung der verarbeitenden Industrie, die „National Association of Manufacturers“, zeigt das knappe Wahlergebnis vor allem eins: „Die Amerikaner sind nicht an extremer Politik von einer Seite interessiert. Sie wollen eine smarte, stabile und lösungsorientierte Führung.“

Stabilität und Planbarkeit, das sind die Wünsche, die schon vor der Wahl ganz oben auf der Liste der CEOs standen. Sie hoffen, dass Biden nun etwas mehr Beständigkeit in ihre Planung bringt. Schließlich müssen Investitionen etwa in neue Werke über mehrere Jahre im Voraus entschieden werden.

„Es wird einfacher sein, weil es stabiler sein wird“, sagte Peter Anthony, der Chef des Automobilzulieferers UGN Inc. dem „Wall Street Journal“. Er lobte, dass Biden ein Kandidat der Mitte sei. „Wirtschaftsführer werden wissen, was sie bekommen, wenn sie ihn treffen. Wenn man die Spielregeln kennt, kann man das Spiel spielen“, erklärt er.

Wunsch nach Einheit

Viele Vorstandsvorsitzende appellieren, das Land wieder zu einen. „Jetzt ist die Zeit für Einheit. Wir müssen die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahlen respektieren und, wie wir es mit jeder Wahl getan haben, die Meinung der Wähler honorieren und einen friedlichen Übergang der Macht unterstützen“, sagte etwa der Vorstandsvorsitzende der größten US-Bank JP Morgan Chase, Jamie Dimon.

„Wir sind als Land stärker, wenn wir uns gegenseitig mit Würde behandeln“, mahnte Dimon und rief seine Mitbürger auf: „Egal, welche politischen Ansichten wir haben, lasst uns zusammenkommen und dieses außerordentliche Land stärken.“

Der Amazon-CEO Jeff Bezos, der auch als Besitzer der Trump-kritischen „Washington Post“ ein schwieriges Verhältnis zum US-Präsidenten hatte, ließ keinen Zweifel an seiner Freude: Der Sieg von Joe Biden und Harris habe gezeigt, dass „Einheit, Empathie und Anstand nicht die Eigenschaften einer vergangenen Ära sind“.

Der CEO und Chairman des Hollywood-Studios Paramount Pictures, Jim Gianopulos, der Biden schon früh als Kandidaten unterstützt hat, glaubt, dass Biden auch dann der richtige US-Präsident sei, wenn der Senat von den Republikanern unter Mitch McConnell kontrolliert werden sollte: „Wenn es jemanden gibt, der bewiesen hat, dass er etwas mit Mitch McConnell erreichen kann, dann ist es Joe“, meint Gianopulos.

Auch John Leger, der ehemalige CEO der Telekom-Tochter T-Mobile, der mehr als sechs Millionen Follower auf Twitter hat, gratulierte Biden und Harris zu ihrem „historischen Gewinn“ und Trump zu einer harten und kämpferischen Kampagne. Auch er ruft zur Einheit auf: „Nun lasst uns dieses Land USA einen, das großartigste Land auf der Erde … Wir haben viel zu tun. ZUSAMMEN.“

„Wenn wir uns als Nation vorwärts bewegen wollen, müssen wir neue Brücken bauen, um die Gräben zu schließen, die uns trennen“, schrieb der Microsoft-Präsident Brad Smith in seinem Blog. Er wies auch darauf hin, dass Unternehmen auf „die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt angewiesen sind“.

Der Microsoft-Gründer Bill Gates, der Trump wegen seines Corona-Managements oft kritisiert hatte, sagte, er freue sich darauf, „mit der neuen Administration und den Anführern auf beiden Seiten des Kongresses zusammenzuarbeiten, um die wachsende Pandemie unter Kontrolle zu bringen“.

Mehr zum Thema:

  • Joe Biden konnte 279 Wahlmänner auf sich vereinen. Ein Fakt, den Trump nicht akzeptiert. Was er jetzt vor hat – und was ihm noch bevorsteht. Das haben wir in einer neuen Folge „Handelsblatt Today“ besprochen.

Der Cisco-CEO Chuck Robbins twitterte, sein Unternehmen teile den Glauben von Biden und Harris, dass eine einende Zukunft für alle zu bauen sei. AOL-Gründer und Revolution-CEO Steve Case sagte, er sei erfreut, dass Biden zum 46. Präsidenten der USA gewählt wurde.

Schlechte Stimmung bei Ölfirmen

Schlechter sieht die Stimmung bei den Energieunternehmen aus. So sagte etwa der CEO von Marathon Oil, Lee Tillman, bereits vergangene Woche bei der Vorstellung der Quartalszahlen, dass sein Geschäft schwieriger wird, wenn Ölbohrungen auf öffentlichem Land wieder verboten werden.

Scott Sheffield, CEO von Pioneer Natural Resources, sagte, ein solches Verbot würde „New Mexico, Wyoming und den Golf von Mexiko in öffentlichen Gewässern treffen“. Auch Chevron wäre davon betroffen, da zehn Prozent seiner Bohrungen im Permian-Becken im Südwesten der USA auf öffentlichem Land sind. Conoco-Phillips-CFO William Bullock warnte zudem, dass höhere Unternehmensteuern dem Konzern schaden könnten.