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Ein Berg an Unterhaltung? - Das Interview zum Start von Paramount+

Der Italiener Marco Nobili, früher bei Netflix verantwortlich für den spanischen und lateinamerikanischen Mark, leitet den Streamingdienst Paramount+, was dessen Aktivitäten außerhalb Amerikas betrifft. In Deutschland, Österreich und der Schweiz startet das neue Angebot des Medienkonzerns Paramount Global am Donnerstag, 8. Dezember. (Bild: Paramount)
Der Italiener Marco Nobili, früher bei Netflix verantwortlich für den spanischen und lateinamerikanischen Mark, leitet den Streamingdienst Paramount+, was dessen Aktivitäten außerhalb Amerikas betrifft. In Deutschland, Österreich und der Schweiz startet das neue Angebot des Medienkonzerns Paramount Global am Donnerstag, 8. Dezember. (Bild: Paramount)

Am 8. Dezember startet der Streamingdienst Paramount+ in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Braucht man tatsächlich noch ein weiteres Abo für Filme und Serien? Das haben wir Marco Nobili, Chef von Paramount+ International, gefragt. Und: Was kostet das Ganze und wo kann man das Angebot buchen?

Hinter dem amerikanischen Unterhaltungskonzern Paramount Global steckt so manche Marke, die man auch in Deutschland kennt. Vor allem natürlich die berühmte Hollywoodschmiede Paramount Pictures. Außerdem Fernsehsender wie CBS und MTV, aber auch der bekannte Serienproduzent "Showtime" ("Homeland"). Nun startet mit Paramount+, das mit dem Slogan "A Mountain of Entertainment" wirbt, am Donnerstag, 8. Dezember, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein eigener Streamingdienst. Dort gibt es dann Blockbuster wie "Top Gun: Maverick" mit Tom Cruise, Serien wie "Yellowstone" mit Kevin Costner oder demnächst "Tulsa King" mit Sylvester Stallone" - und die "Star Trek"-Welt. Buchen kann man Paramount+ direkt im Netz, aber auch über Sky und als Extra-Channel bei Amazon. Doch ist neben Netflix, Amazon Prime, Disney+, Sky und Co. überhaupt noch Platz für einen weiteren Anbieter? Marco Nobili, Head of Paramount+ International, verrät, wie er den deutschsprachigen Markt erobern will und in welche Richtung sich der Streamingmarkt in den kommenden Jahren verändern könnte.

teleschau: Herr Nobili, braucht Deutschland tatsächlich noch einen weiteren Streaming-Dienst?

Marco Nobili: Ich liebe diese Frage. Unser Slogan lautet "A Mountain of Entertainment" - und das mit dem "Berg an Unterhaltung" meinen wir durchaus ernst. Wir glauben sogar, dass wir in der Qualität unseres Angebotes, seiner Vielfalt und dem, was man dafür ausgeben muss, schwer zu schlagen sind.

teleschau: Das sind mutige Worte. Wie wichtig sind heute bekannte Marken für einen neuen Anbieter?

Nobili: Ungeheuer wichtig. Bei uns finden Sie "Top Gun: Maverick", den größten Kino-Blockbuster des Jahres, "Tulsa King", die erste TV-Serie von Sylvester Stallone, aber auch das kompletteste Angebot der Star Trek-Welt, die renommierte Serienschmiede "Showtime" oder beliebte Charaktere wie SpongeBob. Es sollte für jeden etwas dabei sein - und das für nur 7,99 Euro pro Monat. Ich finde, das ist ein sehr guter Deal. Es gibt sogar ein besonderes Angebot fürs erste Jahr, bei dem sie umgerechnet nur 4,99 Euro pro Monat zahlen.

Tom Cruise in "Top Gun: Maverick". Der größte Kino-Blockbuster des Jahres - ein Produkt von Paramount Pictures - ist für Abonnenten bald auch "preisgünstig" bei Paramount+ zu sehen. (Bild: Paramount)
Tom Cruise in "Top Gun: Maverick". Der größte Kino-Blockbuster des Jahres - ein Produkt von Paramount Pictures - ist für Abonnenten bald auch "preisgünstig" bei Paramount+ zu sehen. (Bild: Paramount)

"Die Fußball-WM könnte sogar eine gute Plattform für uns sein"

teleschau: Möchten Sie anderen Streamingdiensten Kunden abluchsen, oder glauben Sie, dass der Markt weiter wächst?

Nobili: Man rechnet damit, dass sich der Streamingmarkt in den nächsten drei bis vier Jahren verdoppeln wird. Insofern kann man da von einem sehr deutlichen Wachstum sprechen. Wir haben natürlich auch Marktforschung betrieben und dabei herausgefunden: 60 Prozent der Streamingkunden sind bereit, über einen Wechsel ihres Anbieters nachzudenken oder einen weiteren Dienst dazu zu buchen. Der Streamingmarkt ist also immer noch sehr dynamisch und flexibel.

teleschau: Warum, glauben Sie, ist das so? Schon jetzt scheint das Angebot so groß, dass man kaum mehr überblicken kann, was an Serien und anderen Formate alles neu herauskommt ...

Nobili: Das stimmt, die Menschen sind immer noch dabei, sich zu orientieren. Insofern kommen wir nicht zu spät, denke ich. Außerdem wird es Bundle-Angebote geben. Wenn Sie zum Beispiel bei Sky das Paket "Cinema" gebucht haben, bekommen Sie Paramount+ ohne Zusatzkosten gratis. Im Endeffekt ist die Qualität des Produktes - also das, was gezeigt wird - nach wie vor das wichtigste Verkaufsargument.

teleschau: Sie starten Paramount+ in Deutschland am 8. Dezember inmitten der Fußball-WM. Sie wissen, dass die Deutschen gerne Fußball schauen ...

Nobili: Natürlich. Trotzdem muss das kein Nachteil sein. Schließlich suchen die Menschen gerade in dieser Zeit nach Unterhaltungs-Alternativen. Oder sie schalten überhaupt erst ihren Fernseher oder ihren Computer ein, um die Spiele zu verfolgen - und werden dann auch auf unser Angebot aufmerksam. Die Fußball-WM könnte sogar eine gute Plattform für uns sein, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Sylvester Stallone (rechts) in "Tulsa King", der ersten Serien-Hauptrolle seiner Karriere. Das melancholisch-skurrile Mobster-Epos soll 2023 im Angebot von Paramount+ starten. (Bild: Paramount)
Sylvester Stallone (rechts) in "Tulsa King", der ersten Serien-Hauptrolle seiner Karriere. Das melancholisch-skurrile Mobster-Epos soll 2023 im Angebot von Paramount+ starten. (Bild: Paramount)

"50 Prozent der Mediennutzung findet heute non-linear statt"

teleschau: Andere sehen das anders. Das lineare deutsche Fernsehen zeigt während der WM vorwiegend Wiederholungen.

Nobili: Im Winter hat bisher noch nie eine Fußball-WM stattgefunden. Deshalb kennt niemand so recht das Medien-Nutzungsverhalten der Menschen während eines solchen Events. Grundsätzlich ist die Zeit um die Feiertage eine sehr gute Zeit für Streaming. Außerdem ist am 8. Dezember spielfrei bei der WM. Darauf haben wir natürlich geachtet (lacht).

teleschau: Als Netflix 2014 nach Europa kam, gab es eine Woche lang Launch-Events in verschiedenen Ländern. Das verursachte damals einen gewissen Hype. Sie starten weit auseinanderliegend: im Juni im UK, im September in Italien, nun erst in Deutschland. Was ist die Idee dahinter?

Nobili: Ob geballter oder verteilter Start - auch da gibt es Vor- und Nachteile. Wenn man mit einem großen Knall überall beginnt, wird es medial für kurze Zeit sehr laut. Aber alles ist auch schnell wieder verpufft. Außerdem stellt jedes Land einen eigenen Markt dar und verdient eigene Aufmerksamkeit. Na klar, unser Content ist sehr international, aber wir wollen mit unserem Programm auch sehr deutlich auf die nationalen Märkte und Bedürfnisse eingehen.

teleschau: Netflix-Chef Reed Hastings sagte 2014 zu seinem Start, dass Deutschland der wohl schwierigste TV-Markt der Welt sei. Wegen der Stärke der öffentlich-rechtlichen Sender. Stimmen Sie ihm auch acht Jahre später zu?

Nobili: Ja und nein. Erst einmal ist Streaming mittlerweile auch in Deutschland etabliert: 50 Prozent der Mediennutzung findet heute non-linear statt. Trotzdem ist das lineare Fernsehen auch 2022 nach wie vor stark. Es gibt jedoch noch einen Unterschied zu ihrem Start. Ihr Angebot war für die Deutschen damals völlig neu. Wir sind mit unseren Marken dagegen schon lange im Markt etabliert: MTV, Nickelodeon, Comedy Central, Star Trek oder etliche Hollywood-Blockbuster. Hinter all diesen Angeboten stehen wir. Wir haben also viel Erfahrung, auf die wir aufbauen können und müssen unsere Marken und Inhalte den Leuten nicht mehr erklären. Wir haben bereits über Jahrzehnte mit deutschen Partnern zusammengearbeitet und deutschen Content produziert. Es ist auf jeden Fall ein Vorteil: Wir kennen Deutschland bereits und sind seit langer Zeit mit unseren Teams hier vertreten.

Paramount ist die Heimat des "Star Trek"-Franchises und bietet die größte Sammlung von Filmen und Serien zum Thema. Gleich zum Start am 8. Dezember gibt es bei Pramount+ die neue "Star Trek"-Serie "Strange New Worlds" mit Anson Mount als Captain Christopher Pike (Mitte), Rebecca Romijn als Nummer Eins und Ethan Peck als Spock.  (Bild: Paramount)
Paramount ist die Heimat des "Star Trek"-Franchises und bietet die größte Sammlung von Filmen und Serien zum Thema. Gleich zum Start am 8. Dezember gibt es bei Pramount+ die neue "Star Trek"-Serie "Strange New Worlds" mit Anson Mount als Captain Christopher Pike (Mitte), Rebecca Romijn als Nummer Eins und Ethan Peck als Spock. (Bild: Paramount)

"Früher war ja das gesamte Fernsehprogramm eine Art Bundle"

teleschau: Was glauben Sie: Werden wir in zehn Jahren mehr oder weniger Streamingdienste als heute haben?

Nobili: Das ist eine spannende Frage. Ich denke, die Zuschauer werden in zehn Jahren genauer wissen, was sie sehen wollen und was sie dafür benötigen. Es wird ein Konsolidierungsprozess beim Konsumenten stattfinden. Er wird möglicherweise aus der Wahl bestimmter Bundle-Angebote bestehen. Es werden Bundles sein, die auf individuelle Bedürfnisse oder die Bedürfnisse eines größeren Haushaltes zugeschnitten sind. Wir als Paramount+ sind ja selbst schon eine Art Bundle mit den Marken und Inhalten, die wir unter einem Dach zusammenbringen.

teleschau: Glauben Sie, die Leute haben Lust darauf, sich über solche Bundles den Kopf zu zerbrechen?

Nobili: In vielen Bereichen des Lebens treffen Konsumenten heute sehr komplexe Entscheidungen. Trotzdem muss eine solche Zusammenstellung überhaupt nicht kompliziert sein. Es kommt darauf an, wie anschaulich man das Angebot macht. Sehen Sie: Früher war ja das gesamte Fernsehprogramm eine Art "Bundle" - man hat von Programm zu Programm geschaltet, aber ganz einfach, am gleichen Gerät. Dann hat sich mit dem Streaming auf einmal alles geteilt, was den Kunden und Kundinnen aber auch mehr Entscheidungsfreiheit gegeben hat. Wir werden wieder mehr Möglichkeiten sehen, ein großes Gesamtpaket zu buchen, als eine Option, die manche vorziehen werden, aber am Ende wird es mehr Auswahlmöglichkeiten für alle geben.

Ab 8. Dezember verfügbar: Die Emmy-nominierte Serie "1883" folgt Familie Dutton, die in Amerikas gelobtem Land - Montana - eine bessere Zukunft sucht. "1883", der weltweit meistgesehene Titel auf Paramount+, geschaffen vom Oscar-nominierten Taylor Sheridan, markiert die Ursprungsgeschichte zur gefeierten Kevin Costner-Serie "Yellowstone". (Bild: Paramount)
Ab 8. Dezember verfügbar: Die Emmy-nominierte Serie "1883" folgt Familie Dutton, die in Amerikas gelobtem Land - Montana - eine bessere Zukunft sucht. "1883", der weltweit meistgesehene Titel auf Paramount+, geschaffen vom Oscar-nominierten Taylor Sheridan, markiert die Ursprungsgeschichte zur gefeierten Kevin Costner-Serie "Yellowstone". (Bild: Paramount)

Vier deutsche Paramount-Serien in den ersten Monaten

teleschau: Wie wichtig sind für einen großen amerikanischen Unterhaltungskonzern wie Paramount deutsche Eigenproduktionen?

Nobili: Man entscheidet so etwas immer danach, wie wichtig ein "lokales Produkt" in einem bestimmten Markt ist. Länder unterscheiden sich da ganz erheblich. In Deutschland ist es so, dass die Menschen sowohl gerne internationale Filme und Serien sehen als auch deutsche Inhalte. Wir haben angekündigt, dass wir bis 2025 150 neue, internationale Originals außerhalb der USA produzieren werden. Dazu gehören auch großartige deutsche Formate - und wir haben bereits einige fertig.

teleschau: Wie viele deutsche Eigenproduktionen kann man zum Start bei Paramount+ sehen?

Nobili: Vier neue, eigenproduzierte fiktionale Serien werden in den ersten Monaten nach dem Launch zu sehen sein: "Der Scheich" ist eine Serie des wunderbaren Filmemachers Dani Levy. Mit "Simon Becketts Die Chemie des Todes" kommt eine Thriller-Serie, die mich persönlich sehr begeistert, auch weil sie nach einem großartigen Buch entstanden ist. Die ersten Episoden haben mich total vom Hocker gerissen. Auch "A Thin Line" über zwei Hackerinnen ist eine super Serie. Die sechste Staffel von "Spotlight", der erfolgreichen Nickelodeon-Serie über die talentierten Schauspiel-, Tanz- und Gesangsschüler der Berlin "School of Art", wird auch bei uns laufen. Wir werden darüber hinaus im non-fiktionalen Bereich Angebote machen, mit gewagten Reality-Shows. Seien Sie sicher, es wird eine Menge deutscher Produktionen bei Paramount+ zu sehen geben.

Auch vier deutsche Serien von Paramount+ sollen in den ersten Monaten nach dem Start beim neuen Streamindienst zu sehen sein: Den Anfang macht am 22. Dezember die Satire "Der Scheich", geschrieben und inszeniert von Dani Levy ("Alles auf Zucker!"). (Bild: Paramount)
Auch vier deutsche Serien von Paramount+ sollen in den ersten Monaten nach dem Start beim neuen Streamindienst zu sehen sein: Den Anfang macht am 22. Dezember die Satire "Der Scheich", geschrieben und inszeniert von Dani Levy ("Alles auf Zucker!"). (Bild: Paramount)

Kosten und Verfügbarkeit von Paramount+ im Überblick

Der neue Streamingdienst Paramount+ kostet 7,99 Euro pro Monat und ist monatlich kündbar. Für 79,90 Euro gibt es das Jahresabo. Wer in den ersten vier Wochen zum Launch ein Jahresabo abschließt, bekommt das Jahresabo für 59,90 Euro. Sky-Kunden mit einem Cinema-Abo können Paramount+ gratis ohne Zusatzkosten streamen. Ein Paramount+ Kanal kann außerdem direkt bei Amazon Prime Video Channels gebucht werden. Paramount+ kann über eine App, Webbrowser sowie folgende Geräte gestreamt werden: Apple iOS iPhones & iPads ab iOS 13, Android Handys und -Tablets ab Android 5.0, Android TV, Amazon Fire TV, Apple TV ab OS 12, Apple AirPlay, Chromecast, Samsung Fernseher 2017 und neuer, Set Top Box/SKY (nur in Deutschland & Österreich) sowie Roku/Telstra ab Version 10.5 (nur in Deutschland). Übrigens: Auch Downloads von Programmen für den Offline-Modus sollen möglich sein.