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Arbeitsfreundschaften sind wichtig – aber diese Dinge solltet ihr unbedingt beachten

In den meisten Fällen sind Freundschaften bei der Arbeit eine gute Sache – aber es gibt auch Ausnahmen. - Copyright: Klaus Vedfelt / Getty Images
In den meisten Fällen sind Freundschaften bei der Arbeit eine gute Sache – aber es gibt auch Ausnahmen. - Copyright: Klaus Vedfelt / Getty Images

Kann man über Zoom Freundschaft schließen? „Für mich war es ein instant Match“, sagt Katharina Wirtz über ihre Kollegin Melissa Ortler. Wirtz ist Partnermanagerin beim Lern-Startup Cleverly, Ortler ist Marketing Managerin. Begegnet sind sie sich zum ersten Mal bei einem größeren Team-Meeting im Videocall. Während Ortlers Onboarding bei Cleverly tauschten sie sich regelmäßig aus, Ortler von Berlin aus, Wirtz aus der Nähe von Bonn. Bald trafen sie sich in Berlin, die Freundschaft festigte sich.

„Wir sind im besten Sinne ein Team“, sagt Wirtz. „Wenn wir an etwas gemeinsam arbeiten, wird es immer besser, als wenn einer von uns das alleine gemacht hätte.“ Und das wirke sich auch auf die Firma aus. Ortler sagt: „Die Arbeit in einem Startup ist herausfordernd, wir probieren viel aus und lernen viel.“ Das bedeutet: Manche Dinge funktionieren besser, andere weniger. „Wenn Selbstzweifel oder Frustration aufkommen, sind das nicht unbedingt Dinge, die man mit Kolleginnen oder Kollegen bespricht – mit einer Freundin schon. Wir bauen einander auf. Und davon profitieren wir, das Team und letztendlich auch das Unternehmen.“

Arbeitsfreundschaften halten gesund, glücklich und engagiert

Fast die Hälfte ihrer wachen Zeit verbringen Erwerbstätige am Arbeitsplatz. Das macht die Beziehungen zu den Kolleginnen und Kollegen so bedeutsam. Zwischen Ausbildung und Rente verlieren wir die meisten Freundschaften.

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Arbeitsfreundschaften können dies auffangen – und gut fürs Team sind sie auch. Wer mindestens einen engen Freund, eine enge Freundin bei der Arbeit hat, ist engagierter, glücklicher und gesünder. Das berichtet Dr. Robert Waldinger, Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School in seinem Buch „The Good Life“. Er bezieht sich dabei auf Daten aus der Harvard Study of Adult Development, die seit 75 Jahren läuft.

Umgekehrt berichtet das Meinungsforschungsinstitut Gallup, dass Menschen, die keine guten Freundschaften bei der Arbeit unterhielten, sich während der Corona-Pandemie im Homeoffice häufiger isoliert fühlten. Gleichzeitig schweißte die Krise zusammen: In Unternehmen, die von ihren Mitarbeitenden als gute Arbeitsplätze empfohlen wurden, nahm die Zahl der Freundschaften während der Zeit von Homeoffice und Betreuungsschwierigkeiten zu. Und diese Freundschaften machten schneller, effektiver und innovativer – und mehr Spaß hatten die Menschen laut Gallup auch.

Sind Arbeitsfreundschaften freiwillig?

Es spricht also alles für die gute Freundschaft am Arbeitsplatz. Wäre da nicht die Frage: Was passiert, wenn eine Person befördert wird und die andere nicht? „Das Arbeitsleben verfolgt hauptsächlich instrumentelle Ziele, oft geht es um das Geldverdienen“, schreibt Verhaltensforscherin Marissa King in ihrem Buch Social Chemistry: Decoding the Patterns of Human Connection. „Unsere Freundschaften hingegen drehen sich um Gefühle – Liebe, Freude, geteiltes Leid.“ Dazu komme, dass viele Menschen keinen Einfluss darauf hätten, mit wem sie arbeiten.

Kommt dann noch die Konkurrenz um Führungspositionen dazu, könnte es mit der Freundschaft schwierig werden. Grundlage für eine entstehende Arbeitsfreundschaft ist also mindestens eine Kultur, die auf Kooperation wert legt, statt auf Konkurrenz.

Zwei Methoden helfen, um Freundschaften entstehen zu lassen: Führungskräfte können Raum schaffen, in dem Menschen von sich selbst erzählen können. Und alle Beteiligten können auf Ähnlichkeiten untereinander achten.

Freundschaftliche Nähe im Team bringt aber auch ein Risiko mit sich, schreiben die Management-Forscherinnen Julianna Pillemer und Nancy Rothbard von der Universität Wharton: Insbesondere Cliquen könnten dazu führen, dass Kolleginnen und Kollegen ausgegrenzt werden. Wenn Gruppenzugehörigkeit zwingend ist, um beruflich erfolgreich zu sein, fehlt die Freiwilligkeit. Diese ist Forscherinnen zufolge aber eine zwingende Bedingung für echte Freundschaft.

Freundschaft ist ein Leadership-Thema

Umgekehrt können bestehende Freundschaften den Gründungsprozess erleichtern. Im Jahr 2020, zwischen zwei Lockdowns gründeten Fabian Rang und Thorsten Heilig Paretos, eine KI-basierte Plattform für datengetriebene Entscheidungsprozesse. „Wir haben in einem Zimmer gearbeitet, teilweise auch zusammen gewohnt“, erinnert sich Rang. So sind sie auch privat zusammengewachsen – inklusive der Partnerinnen und Familien. „Beruflich und privat gab es immer mal Drawbacks“, sagt Rang. „Das hat uns extrem zusammengeschweißt.“

Als Führungskräfte bieten sie die Kernelemente ihrer Freundschaft auch den Mitgliedern ihres Teams an. Dies könne auch ein Kulturschock sein: „Die schonungslose Ehrlichkeit nach innen, gepaart mit einem positiven Menschenbild ist für viele erst mal ungewohnt“, sagt Heilig. „Das macht uns aber als Team und am Ende auch das Produkt besser.“ Die Freundschaft helfe den Gründern auch dabei, geschlossen aufzutreten, sagt Rang. „Unsere Mission ist sehr ehrgeizig. Da tut es gut, zu zweit zu sein und jemanden zu haben, der einen wieder hochzieht, wenn man mal schwächelt.“

Thorsten Heilig und Fabian Rang haben zusammen ein Unternehmen gegründet – und so zu engen Freunden geworden. - Copyright: Paretos
Thorsten Heilig und Fabian Rang haben zusammen ein Unternehmen gegründet – und so zu engen Freunden geworden. - Copyright: Paretos

So kann die Freundschaft in Krisenzeiten wie ein Band wirken, das die Kolleginnen und Kollegen bei Uneinigkeit zusammenhält. „Bei Unstimmigkeiten nehmen wir uns immer direkt Zeit, darüber zu sprechen – egal, wie und wann“, sagt Rang. Das Ergebnis könne aber auch „disagree and commit“ sein – sie werden sich nicht einig, aber sie legen sich auf eine Strategie fest.

Freunde können mit Konflikten umgehen

Freundschaften im Unternehmen können aber auch zu Problemen führen, berichten gleich mehrere Studien. Streiten sich befreundete Mitglieder eines Teams, kann die Leistung darunter leiden. Umgekehrt ließen Konflikte in Teams ohne freundschaftliche Verbindung die Leistung sogar steigen.

Ist es also ein Fehler, neue Mitarbeitende auch gezielt über freundschaftliche Verbindungen zu Team-Mitgliedern zu suchen?

Nicht unbedingt, berichten Startup-Mitarbeitende. Es hängt vom Umgang ab. Der Co-Gründer von Ampeers Energy, Gerrit Ellerwald, sagt über seine Freundschaft zu Mitgründer Karsten Schmidt: „Wir sind die beste Mischung aus ‚Gegensätze ziehen sich an‘ und ‚gleich und gleich gesellt sich gerne‘.“ Ihre Fähigkeiten seien unterschiedlich, ihr Mindset dagegen ähnlich. Und wenn sie sich doch uneinig sind? „Wir versuchen, alle Argumente für beide Seiten zu finden und objektiv zu beurteilen. Falls das nicht ausreicht, fragen wir den dritten Gründer Tobias Müller“, sagt Ellerwald. Auch eine strikte Trennung von Beruflichem und Privatem helfe.

Gerrit Ellerwald und Karsten Schmidt sind Co-Gründer. Um ihre Freundschaft nicht zu gefährden, trennen sie Berufliches und Privates strikt. - Copyright: AMPEERS ENERGY
Gerrit Ellerwald und Karsten Schmidt sind Co-Gründer. Um ihre Freundschaft nicht zu gefährden, trennen sie Berufliches und Privates strikt. - Copyright: AMPEERS ENERGY

Katharina Wirtz und Melissa Ortler lösen Konflikte ebenfalls auf der Sachebene. „Am Ende hat der das letzte Wort, der für die Aufgabe jeweils die Verantwortung trägt“, sagt Wirtz. So weit komme es aber nur selten. „Wir reden miteinander“, sagt Ortler. „Wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, dann können wir dies einander erklären und begründen.“ Der entscheidende Schritt folge danach: „Die Bedenken oder Prioritäten des anderen einzubeziehen und eine Lösung zu finden, mit der wir beide mitgehen können.“

Es gehe um die menschliche Reife, haben die Wharton-Forscherinnen Rothbard und Pillemer in ihrer Krisen-Studie beobachtet. Freundschaften im professionellen Kontext verlangen eine professionelle Lösung von Konflikten – auf Augenhöhe. Und vielleicht ist das genau das der Faktor, der sie so stark und so wertvoll macht.