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Apple-Keynote: Nach dem iPhone ist vor dem iPhone

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Faszinosum Steve Jobs Theater: Wieder lädt Apple zur Keynote (Foto: © Apple)

Dem wahrscheinlich langweiligsten iPhone-Launch der jüngeren Geschichte geht die Indifferenz der Wall Street voraus. Anders als in den Vorjahren scheint es der Börse relativ egal zu sein, was Apple in der kommenden Woche präsentieren wird. Apple-Fans erwarten drei marginale iPhone-Updates.

Die Einladungen sind verschickt, es ist offiziell: Apple wird wie erwartet am 10. September im Steve Jobs Theater die wichtigste Keynote des Jahres abhalten – wieder einmal stehen dabei neue iPhones im Vordergrund.

Doch im Gegensatz zu den Vorjahren hält sich die Begeisterung sowohl der Branchenpresse als auch der Wall Street in Grenzen. Traditionell legte die Apple-Aktie in den vergangenen Jahren in Erwartung neuer Modelle in den Monaten vor der September-Keynote signifikant zu.

Impulslose Wall Street-Performance

Nicht so in diesem Jahr: Bei aktuell 208 Dollar notieren Anteilsscheine des Kultkonzerns aus Cupertino Ende August praktisch auf dem gleichen Niveau wie im Vormonat – und sogar leicht schwächer als noch Anfang Mai. Die klassische Sommerrally in Vorwegnahme der iPhone-Keynote fiel in diesem Jahr komplett aus.

Die Aktie des Kultkonzerns entwickelte sich 2019 praktisch synchron zur Technologiebörse Nasdaq und geriet als Tech-Unternehmen mit einem hohen Produktionsanteil in China in Sippenhaft des Handelsstreits zwischen der Trump-Administration und dem Reich der Mitte.

iPhone-Enttäuschungen in den vergangenen Jahren

Tatsächlich dürften die neuen iPhone-Modelle, die in der nächsten Woche vorgestellt werden, kaum für große Begeisterungsstürme sorgen, zu träge ist Apples iPhone-Produktionszyklus, in dem inzwischen nur noch alle drei Jahre ein generalüberholtes Modell präsentiert wird.

Eine echte Innovation präsentierte der Tech-Pionier zuletzt 2017 zum zehnjährigen Jubiläum des Kultsmartphones mit dem iPhone X, das jedoch für den hohen Preis jenseits der 1000-Dollar-/Euro-Marke kritisiert wurde. Im vergangenen Jahr diversifizierte Apple das neue Design mit dem iPhone XS, iPhone XS max und iPhone XR in drei Modellen, die jedoch weitgehend hinter den Erwartungen zurückblieben, was Apple am Ende dazu bewog, sich erstmals seit der frühen Ära von Steve Jobs über Stückzahlenverkäufe auszuschweigen.

iPhone 11: Drei neue Modelle, eine neue Nomenklatur

Ob der Trend in diesem Jahr wieder nach oben geht, wird angesichts des noch kleineren Updates von vielen Analysten bezweifelt. Apple dürfte anno 2019 seiner Produktlinie aus dem Vorjahr, bestehend aus drei Modellen, treu bleiben und bei den Nachfolgemodellen nur marginal unter der Oberfläche nachbesseren.

Die auffälligste Veränderung könnte dann noch die Nomenklatur sein. So wird nach zahlreichen Presseberichten damit gerechnet, dass Apples neue Smartphone-Serie als iPhone 11 (bzw. iPhone XI) auf den Markt kommt, obwohl es sich tatsächlich bereits um die 13. Generation handelt. So wird kolportiert, dass Apple die drei neuen Modelle als iPhone 11 (Nachfolger des iPhone XR), iPhone 11 Pro (Nachfolger des iPhone XS) und iPhone 11 Pro max (Nachfolger des iPhone XS max) auf den Markt bringen dürfte.

Das neue Kamerasystem steht im Fokus

Die Blaupause des Vorjahres verwendet der aktuell zweitwertvollste Konzern der Welt offenbar erneut: Wie das iPhone XR dürfte nun das iPhone 11 als Einsteigermodell mit dem günstigsten Preisschild daherkommen, das näher bei 750 Dollar bzw. 850 Euro starten könnte. Der iPhone XR-Nachfolger dürfte wie das aktuelle Modell mit LCD-Display in 6,1 Zoll und Aluminiumgehäuse daherkommen, aber durch den schnelleren A13-Chip und verbesserter Batterie- und Kameraleistung aufgewertet werden.

Optisch sticht bei allen drei neuen iPhone-Modellen das quadratische Kamerasystem ins Auge, in das gleich drei Linsen integriert sein sollen. Bei den Highend-Modellen iPhone 11 Pro Max und Pro Max, die erneut mit OLED-Displays in den Varianten 5,8 und 6,5 Zoll ausgeliefert werden sollen, wird kolportiert, dass Apple zusätzlich zur regulären Haupt- und Selfie-Kamera noch ein Ultraweitwinkel-Objektiv ergänzt. Dafür dürften die Premiummodelle erneut mit einem stolzen Preis von deutlich nordwärts der 1000-Euro-Marke in den Handel kommen. Gerechnet wird mit einem Verkaufsstart aller drei neuen iPhones am 20. September.

Weiterhin große Abhängigkeit

Obwohl der 43 Jahre alte Tech-Pionier im Juni-Quartal erstmals seit 2012 mit dem iPhone wieder weniger als 50 Prozent seiner Konzernumsätze generierte, täuscht das vielfach kolportierte Narrativ von der schwindenden Abhängigkeit vom Kultsmartphone. In den kommenden Quartalen dürften die iPhone-Absätze, saisonal bedingt, wieder deutlich anziehen – und mit ihnen der Umsatzanteil der Smartphone-Sparte.

Entsprechend schwer würde auf Apple eine enttäuschende Aufnahme der neuen Modelle lasten, die Kunden inzwischen in erster Linie nur erneuern, wenn sie nach Ablauf der Vertragszeit dazu die Chance bekommen. Doch die lassen sie immer öfter aus, wie der Marktforscher Strategy Analytics zuletzt herausgefunden hat.

Allein: Selbst wenn die neuen iPhones die Wall Street und Kunden kalt lassen, bedeutet das nicht zwangsläufig die Rückkehr der Kassandra-Rufe für den seit jeher kontrovers diskutierten Tech-Pionier. Im nächsten Jahr nämlich rechnet Ming-Chi Kuo mit einer großen Auffrischung der iPhone-Produktlinie mit durchgängig 5G-fähigen Modellen. Nach dem neuen iPhone ist eben immer wieder vor dem nächsten iPhone…