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Amerikanische Behörden haben sich offenbar mit USA-Plänen von Rudi Dutschke beschäftigt – und sahen in ihm einen "radikal-linken Agitator"

Robin Wille
·Lesedauer: 3 Min.
Rudi Dutschke während einer Rede
Rudi Dutschke während einer Rede

Auf der US-amerikanischen Non-Profit-Plattform „Muckrock“ wurden am 23. April Dokumente des FBI veröffentlicht, die zeigen, dass sich die Sicherheitsbehörde offenbar jahrelang mit Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 1960er-Jahren, beschäftigt hat. Business Insider hatte darüber bereits am Samstag berichtet. Einen Hinweis auf die Dokumente hatte es zuvor auf der Plattform „Reddit“ gegeben. Hier könnt Ihr Euch die Dokumente selbst ansehen.

Die Dokumente gehen offenbar auf eine Anfrage eines Rich Jones zurück, der diese bereits 2017 angefragt hatte. „Muckrock“, die Plattform, auf der die Dokumente hochgeladen wurden, ist eine Non-Profit-Organisation, die Menschen dabei hilft, im Rahmen des sogenannten „Freedom of Information Act“ Informationen von staatlichen Behörden anzufragen. „Muckrock“ ist Mitglied im „Global Investigative Journalism Network“.

Bei den veröffentlichten Dokumenten handelt es sich um mehrere Hundert Seiten, die nahelegen, dass sich das FBI jahrelang mit Dutschke beschäftigt hat. Die Dokumente wirken authentisch.

Rudi Dutschke war eine der einflussreichsten Personen und Wortführer der 1968er-Studentenbewegung und galt als einer der Anführer der sogenannten „Außerparlamentarischen Opposition“. Dutschke war auch entschiedener Gegner des Vietnamkriegs – so könnte er in das Visier der Amerikaner geraten sein.

In einem Schreiben, das auf den 21. März 1968 datiert ist und an den „Director, FBI“ adressiert ist, sind fünf Fotografien von Dutschke aus Westdeutschen Magazinen zu sehen, darunter das SPIEGEL-Cover vom 11. Dezember 1967, mit dem Titel: „Revolutionär Dutschke“. Auch eine Art Steckbrief findet sich in den Dokumenten. „Beruf: Student“, heißt es etwa. Auch die Größe („5 feet 7 inches“), das Gewicht („140 pounds“) und die Haare („Black or very dark brown, dirty and unkempt in appearance“) sind darin beschrieben. Ein Bild, so scheint es, konnten sich die Amerikaner also machen.

Dutschkes "beste Stunde"

Wie ernst die Amerikaner Dutschke offenbar nahmen, zeigt ein Schreiben aus dem November 1967. Absender: „USBER Berlin“. Empfänger: „SECSTATE WASHDC“. Das Telegram trägt im Briefkopf das Logo des „Department of State“, also des Außenministeriums mit Sitz in Washington D.C. In dem Schreiben werden die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution beschrieben. Rudi Dutschke wird darin als „FU Radical Leader“ bezeichnet, bei „FU“ dürfte es sich um die „Freie Universität Berlin“ handeln, an der Dutschke studierte. Dutschke, so heißt es in dem Schreiben, habe gesagt, es sei Zeit für „massive action“ gegen autoritäre und imperialistische Institutionen. In einem Kommentar am Ende des Schreibens heißt es, das Treffen sei das bislang emotionalste Treffen der „neuen Linken“ gewesen. Jede Vietnam-Erwähnung habe langen Applaus entfacht - zu dieser Zeit fand der Vietnamkrieg statt. Dutschke, so heißt es in dem Schreiben, hätte seine bislang „beste Stunde“ gehabt.

„Entweder in Berkely oder San Diego“

In einem anderen Telegramm schreibt „USBER Berlin“ an „SECSTATE WASHDC“, es geht wieder um „Subject: Rudolf Dutschke“. Man hätte unbestätigte Berichte von mehreren Quellen gehabt, dass der „lokale, radikale Studentenführer Rudi Dutschke“ plane, in die USA zu gehen, um dort in der nahen Zukunft zu studieren. „Entweder in Berkely oder San Diego“. Bislang habe er noch kein Visum beantragt. Es folgen Informationen, die, so heißt es, an die Behörden in Kalifornien gegeben werden könnten. Dutschke sei aktiv im sich zunehmend radikalisierenden Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und anerkannt als der „de facto Leader“ der Westberliner Organisation. Er sei der bekannteste radikal-linke Agitator an der Freien Universität und habe eine große Rolle im Anstacheln und Arrangieren von Demonstrationen gespielt.

Am 11. April verübte Josef Bachmann, der Kontakte in die Neonazi-Szene hatte, ein Attentat auf Rudi Dutschke. Am Berliner Kurfürstendamm schoss er drei Mal auf Dutschke und verletzte ihn lebensgefährlich. In einem Schreiben, datiert auf den 9. Mai 1968 und adressiert an „Director, FBI“, wird dieser darüber informiert, dass Dutschke zwar schwer verletzt war, sich jedoch erholt habe. Es lägen keine Informationen darüber vor, ob Dutschke die Pläne für eine Reise in die USA nach vollständiger Genesung wieder aufnehmen werde.

Heute weiß man, dass es Dutschke gut zwei Jahre später nach Cambridge, Großbritannien, zog.