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Altmaier will heimische Chipindustrie zu Investitionen in Milliardenhöhe bewegen

Hoppe, Till Hofer, Joachim
·Lesedauer: 3 Min.

Der Wirtschaftsminister sieht bei Halbleitern eine gefährliche Abhängigkeit vom Ausland. Er ruft die europäische Industrie auf, Investitionspläne aufzustellen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will die Abhängigkeit der Industrie von ausländischen Halbleiterherstellern verringen. Der CDU-Politiker treibt ein europäisches Förderprogramm voran, das mit Milliarden Euro aus Steuergeldern Entwicklung, Design und Produktion von Chips anschieben soll. Sein Ministerium hat nach Handelsblatt-Informationen nun interessierte Unternehmen aufgerufen, bis Anfang März förderfähige Investitionspläne einzureichen.

Altmaier sieht die Dominanz asiatischer und US-amerikanischer Konzerne in der Chipindustrie als Problem. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Autohersteller ihre Produktion in den deutschen Werken herunterfahren müssen, weil es nicht mehr genügend elektronische Bauteile für die Autos gibt. Sie hatten nicht mit einer so schnellen Erholung der Nachfrage gerechnet und zu wenig bei Chipherstellern wie TSMC aus Taiwan bestellt.

Altmaier sah sich deshalb gezwungen, per Brief die taiwanesische Regierung um Unterstützung zu bitten. Derartige Abhängigkeitsverhältnisse will er über das Förderprogramm mittelfristig verringern: „Unsere Unternehmen brauchen sichere Lieferketten und eine leistungsstarke und breit aufgestellte Mikroelektronikbranche mit Patenten, Entwicklungen und Fertigungsstätten in Deutschland und in der EU.“

Gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Bruno Le Maire und EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton will Altmaier die europäische Halbleiterindustrie dazu bewegen, in Bereiche zu investieren, in denen Europa kaum noch präsent ist.

Fokus auf Mobilfunktechnologie

Dazu zählen insbesondere Prozessoren und Speicherbausteine für Funknetze: „Ich rufe die Unternehmen auf, mutige und zukunftsweisende Investitionsentscheidungen zu treffen, um Europa bei Zukunftstechnologien wie 5G, 6G und Open RAN stark aufzustellen“, so Altmaier. Wegen der zunehmenden Vernetzung der Industrie ist die Abhängigkeit etwa von chinesischen Herstellern wie Huawei in dem Bereich aus Sicht der Bundesregierung besonders problematisch.

Der Minister ist bereit, die Unternehmen dabei mit einer Milliardensumme aus dem Staatshaushalt zu unterstützen. Die Aktivitäten sollen in einem sogenannten Projekt von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI) gebündelt werden, was hohe staatliche Beihilfen ermöglicht. Anfang Dezember hatten 18 EU-Staaten eine Erklärung unterzeichnet, in der sie die Bedeutung der Industrie betonen und sich zu finanzieller Unterstützung bekennen.

Zu den Interessenten in der Industrie zählt etwa Globalfoundries: Der Hersteller will die Produktionskapazität in seinen Chipfabriken in Dresden bis 2025 mehr als verdoppeln und Halbleiter für neue Anwendungen wie Künstliche Intelligenz fertigen. Das Unternehmen will dafür auch den IPCEI-Rahmen nutzen.

„Die Nachfrage ist enorm momentan“

„Die Nachfrage ist enorm momentan“, sagte Geschäftsführer Manfred Horstmann dem Handelsblatt. Lange sei der Standort an der Elbe unterausgelastet gewesen, seit dem vergangenen Quartal liefen die Maschinen jedoch unter Volllast. Das werde auf absehbare Zeit auch so bleiben.

Bleibt es bei den Ausbauplänen, wird Globalfoundries anbauen müssen. Experten gehen davon aus, dass der Konzern insgesamt mehr als eine Milliarde Euro in die Hand nehmen wird. Im Rahmen des ersten Mikroelektronik-IPCEI 2018 habe das Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag erhalten, sagte ein Sprecher. Eine genaue Summe nannte das Unternehmen nicht.

Auch Deutschlands größter Chiphersteller, Infineon, will vom IPCEI profitieren. „Wir begrüßen die Bemühungen von Bundesminister Altmaier“, teilte der Dax-Konzern auf Anfrage mit. Die Mikroelektronik sei der Schlüssel für die Bewältigung von Klimawandel und digitaler Transformation. „Daher benötigt die deutsche und europäische Wirtschaft eine leistungsstarke und breit aufgestellte Mikroelektronikindustrie mit Entwicklungs-, Design- und auch Fertigungskapazitäten vor Ort“, sagte eine Sprecherin.

Wichtig sei aus Sicht von Infineon ein schnelles, einheitliches Vorgehen der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung des zweiten IPCEI-Programms für die Mikroelektronik. „Denn es kann wesentlich dazu beitragen, Wettbewerbsfähigkeit und die geopolitische Resilienz Europas zu steigern“, so die Sprecherin.

Das IPCEI-Instrument erfreut sich inzwischen großer Beliebtheit. Ende 2018 hatte die EU-Kommission ein erstes Vorhaben in der Mikroelektronik beihilferechtlich genehmigt.

Inzwischen haben die EU-Wettbewerbshüter grünes Licht für die Förderung von zwei Batterie-Konsortien gegeben. Altmaier arbeitet überdies auch an einem europäischen Wasserstoff- und einem Cloud-Projekt.

Mehr: Kommentar: Europa braucht eine eigene Mega-Chipfabrik.