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5 mögliche Überraschungen 2021: Was wird aus Corona, Bitcoin und dem Kanzleramt?

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 5 Min.

Das alte Jahr ist noch kaum verdaut, schon ist das neue da. Was bringt 2021? So ungewiss und noch ungeschrieben die Zukunft ist, steht zumindest fest: Nach furiosen zwölf Monaten 2020 haben Anleger in diesem Jahr einiges zu verlieren. Ein Blick auf mögliche Überraschungen.

Börse in Frankfurt
Börse in Frankfurt

“Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, pflegte der große amerikanische Schriftsteller Mark Twain einst zu sagen. Kaum anders geht es Analysten, Marktexperten und Journalisten, wenn sie zu Jahresbeginn in die Glaskugel blicken.

In der Finanzwelt hat der renommierte Investmentstratege Byron Wien in den 80er-Jahren mit seinen „10 Surprises“ einen neuen Prognose-Standard erschaffen: Ereignisse, die nach heutigem Konsens eine Überraschung wären, aber eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit besitzen. In dieser Tradition wage ich mit Denkanstößen einen Blick auf fünf mögliche Ereignisse, die in diesem Jahr eintreten könnten und das Potenzial besitzen, in der Finanzwelt Spuren zu hinterlassen.

1. Die Coronakrise endet (noch) nicht

„Es muss erst schlechter werden, bevor es besser werden kann“, lautet eine viel zitierte Politikerfloskel, die auch im Corona-Winter inflationär gebraucht wird. Die aktuelle Lage mit inzwischen 1000 Todesopfern am Tag ist höchst entmutigend: Immer deutlicher zeigt das Virus die Hilf- und Machtlosigkeit der Politik in der westlichen Welt auf, die es verpasst hat, die Virusverbreitung mit konsequenterem Handeln einzudämmen.

Die großen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Pandemie in diesem Jahr erfüllen sich durch die Impfstoffe (noch) nicht. Zu langsam ist die Einführung, zu schnell mutiert das Virus. Wie Hase und Igel läuft die Wissenschaft dem Virus hinterher, eine jährliche Corona-Impfung könnte zur Norm werden.

Doch das neue Normal entspricht nicht mehr dem Leben in der Prä-Corona-Zeit. Die 20er-Jahre drohen zu den neuen 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu werden. Die Wirtschaft leidet unter den Folgen der endlosen Coronakrise, Millionen Arbeitsplätze gehen für immer verloren, die Abwärtsspirale aus stagnierender Wirtschaftsleistung und Inflation (Stagflation) nimmt Fahrt auf. Die Folge: Nach zwei bemerkenswert starken Börsenjahren wird 2021 die Zeche zumindest teilweise zurückgezahlt. Die Leitindizes der westlichen Welt – Dow Jones, EuroStoxx, Dax – notieren zum Ende des Jahres zweistellig im Minus.

2. GAFAs werden zum großen Verlierer

Ausgerechnet die wertvollsten Konzerne der Welt könnten zum großen Verlierer des Börsenjahres 2021 werden. Jahrelang konnten Anleger mit den sogenannten GAFA-Aktien Traumrenditen einfahren, doch im Abwärtssog der Märkte werden die Indexschwergewichte Apple, Amazon, Alphabet und Facebook in die Tiefe gezogen.

Den Tech-Stars könnten ihre enormen Bewertungen zum Verhängnis werden: Gemeinsam bringen es die vier Zugpferde der Technologiebörse Nasdaq auf einen Börsenwert von fast sechs Billionen Dollar. Doch weil sich das Wachstum verlangsamt, könnten Anleger versucht sein, nach neuen Investmentalternativen zu suchen.

Über Big Tech hängt zudem das Damoklesschwert von Kartellrechtsprozessen, die durch einen nun durchgehend demokratisch dominierten Kongress und Senat wahrscheinlicher geworden sind.

3. Tesla wird zum Billionen-Dollar-Konzern – und bricht dann ein

Noch massiver unter Druck könnte unterdessen Börsenliebling Tesla kommen. Zuvor jedoch schickt sich der Elektroautopionier an, kurzzeitig wie Bewertungsmarke von einer Billion Dollar zu knacken. Die schier unwiderstehliche Rallye würde die Anteilsscheine des 17 Jahre alten US-Unternehmens über die magische 1000-Dollarschwelle treiben.

Tesla (Photo by Jeremy Moeller/Getty Images)
Tesla (Photo by Jeremy Moeller/Getty Images)

Danach jedoch droht auch Tesla das ewige Muster von Aufstieg und Fall einzuholen: Es folgt ein herber Ausverkauf. Weil Anleger nach den exorbitanten Kursgewinnen der vergangenen zwölf Monate so viel zu verlieren, könnte sich die Aktie in der Folge halbieren. Hedgefondsmanager Doug Kass rechnet gar mit Verlusten von zwei Dritteln.

4. Die Bitcoin-Hausse geht weiter

Es ist das Investment-Thema der Stunde: Die Kryptowährung Bitcoin haussiert, als gäbe es kein Morgen. Der Bitcoin liegt bereits nach nur einer Woche im neuen Jahr um 27 Prozent vorne und hat einen Monat nach seinem Durchbruch durch die 20.000-Punkte-Marke bereits kurzzeitig die Schwelle von 40.000 Dollar überschritten. Zur Erinnerung: Das entspricht einer Verzehnfachung gegenüber den Tiefstkursen von 2020.

Doch für Fürsprecher der Digitalwährung könnte es 2021 noch besser kommen: Marketing-Professor Scott Galloway prognostiziert etwa einen Anstieg auf eine Marke von 50.000 Dollar, während die Investmentbank JP Morgan zu Jahresbeginn gar das Fabelkursziel von 146.000 Dollar ausgab – allerdings langfristig.

Das alte Mantra der Börse könnte auch beim heiß gelaufenen Bitcoin gelten: Die Märkte laufen weiter als man denkt – die Hausse nährt die Hausse. Zur fundamentalen Einordnung: Bei einer Marke von rund 50.000 Dollar wird eine Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar erreicht, bei Kursen von über 100.000 Dollar wären es zwei Billionen Dollar. Zum Vergleich: Apple, der wertvollste Konzern der Welt, wird aktuell an den Kapitalmärkten mit 2,2 Billionen Dollar bewertet.

5. Markus Söder wird neuer Bundeskanzler

Die Ära Merkel endet nach 16 Jahren tatsächlich im September. Gegen Ende ihrer Regentschaft schien der ewigen Kanzlerin das Führungsgeschick in der Coronakrise zu verlassen: Die Ministerpräsidenten der Bundesländer hielt die inzwischen 66-Jährige nicht an der Leine, bei der zeitigen Beschaffung des Impfstoffs von Biontech patzte die Regierung Merkel folgenschwer.

Söder (Photo by Rainer Keuenhof-Pool/Getty Images)
Söder (Photo by Rainer Keuenhof-Pool/Getty Images)

Ihre vierte Amtszeit endet vergleichsweise geräusch- und glanzlos. Die Corona-müde Republik wählt Markus Söder zum neuen Bundeskanzler, der sich am geschicktesten als Krisenmanager in Szene zu setzen weiß. Weil die CDU über weite Strecken am Machtkampf um den Parteivorsitz und an internen Ränkespielen zu knabbern hat und keinen wirklich überzeugenden Kanzlerkandidaten präsentieren kann, nutzt Söder die Gunst der Stunde.

Dem 54-jährigen Franken gelingt damit eine faustdicke Überraschung: Er zieht als erster CSU-Politiker ins Kanzleramt ein. Als Koalitionspartner kehren die Grünen nach 16 Jahren wieder in die Regierungsverantwortung zurück. Die schwarze-grüne Koalition verschreibt sich neben der Überwindung der Corona-Krise zwei übergeordneten Zielen: dem Umgang mit dem Klimawandel und der Digitalisierung.