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Vor 30 Jahren musstet ihr 79 Stunden für einen Fernseher arbeiten, heute nur 24 — so werden sich die Preise weiter entwickeln

·Lesedauer: 6 Min.

„Früher war alles billiger!“ Diesen Satz habt ihr bestimmt schon mal gehört oder auch selber gesagt. Das Kilo Brot kostete vor 30 Jahren durchschnittlich rund 2 Euro statt die heutigen 3 Euro, ein Sack Kartoffeln nur 1,50 Euro statt 4 Euro und auch ein Kinoticket kostete mal im Schnitt 5 Euro, und nicht wie heute 10 Euro – mindestens.

Konnten sich die Menschen 1991 also mehr leisten? War früher wirklich alles billiger?

„Man muss schauen, was man unter billiger versteht“, sagt Christoph Schröder, Ökonom vom IW-Institut in Köln im Gespräch zu Business Insider: „Billiger war es tatsächlich bei den allermeisten Sachen, was die absoluten Preise angeht. Aber in Relation zum Lohn und zum Einkommen ist es eben andersherum.“ Denn während die Preise zwischen 1991 und 2020 um 62 Prozent nach oben geklettert sind, stiegen die Löhne in derselben Zeit um 106 Prozent. Sie haben sich also mehr als verdoppelt.

Das bedeutet, dass man sich vom Lohn einer Stunde Arbeit heute 27,5 Prozent mehr leisten kann, als im Jahr 1991, erklärt Schröder. Heißt: Ein Warenkorb, für den man im Jahr 1991 noch 60 Minuten arbeiten musste, ist heute bereits nach 47 Minuten erarbeitet. „Es war früher billiger, aber es ist heute erschwinglicher“, sagt der Ökonom.

Welche Produkte wurden nun teuer und um wie viel? Und gibt es Produkte, die in den vergangenen 30 Jahren auch billiger wurden? Das IW-Institut hat in einer Studie die Preise von 1991 und 2019 verglichen. Da die „meiste Preisentwicklung relativ ruhig“ ist und 2020 es auch „keine starke Preisdynamik“ gegeben hat, kann man im „Groben die Preise von 2019 zu heute gleichsetzen“, erklärt der Wirtschaftsexperte.

So haben sich die Preise seit 1991 entwickelt

Fangen wir bei der Grundlage an: Für ein Kilo Brot hättet ihr 1991 durchschnittlich 1,82 bezahlt, das bedeutet – in Relation zum damaligen Lohn – 11 Minuten Arbeit. Heute kostet dasselbe Produkt 3,05 Euro, die Arbeitszeit beträgt 10 Minuten.

Für Butter müsst ihr heute, wie auch vor 30 Jahren, sechs Minuten arbeiten, die Preise sind aber unterschiedlich: 1,06 Euro kostete die Butter 1991, heute 1,79 Euro.

Anders sieht es bei Zucker aus: Lag der Preis vor 30 Jahren bei 97 Cent pro Kilo, liegt er heute nur bei 84 Cent. Für einen Liter Milch hättet ihr damals 66 Cent an der Kasse zahlen müssen, heute sind es 96 Cent. Aber dafür müsstet ihr heute eine Minute weniger arbeiten. Auch Eier wurden allein vom Preis her teurer. 1991 kosteten 10 Eier 1,41, heute zahlt ihr dafür 2,07, müsst aber auch im Vergleich dazu eine Minute weniger arbeiten.

Beim Fleisch hat sich der Preis fast verdoppelt: von 5,38 auf 9,20. Doch nehmt ihr die Lohnsteigerung hinzu, seht ihr, dass ihr dennoch sogar heute eine Minute weniger arbeiten müsst, als früher. Auch das Hähnchen wurde um knapp einen Euro teurer, aber dafür hat sich die Arbeitszeit, um es sich leisten zu können, um drei Minuten verringert.

Beim Fisch sieht es allerdings anders aus: Habt ihr für ein Kilo Kabeljau 1991 im Schnitt 9,67 Euro bezahlt, was umgerechnet 57 Arbeitsminuten sind, müsst ihr heute 23,05 Euro dafür zahlen und somit 1 Stunden und 13 Minuten arbeiten – also 16 Minuten mehr als früher. Heißt also: Der Fisch wurde nicht nur absolut teurer, sondern auch im Vergleich mit dem Lohn. Die steigenden Kosten hängen mit der Überfischung zusammen, da Fische generell seltener vorkommen als früher.

Für 500 Gramm Bohnenkaffee würde der Kassierer 1991 durchschnittlich 3,95 Euro verlangen, heute sind es 5,66 Euro. Ihr müsstet aber dafür nur 18 Minuten statt 23 arbeiten. Auch das Bier hat sich vom Preis her von 52 Cent auf 78 Cent verteuert, doch schuften müsst ihr heute nur zwei Minuten für ein frisch Gezapftes, anstatt drei Minuten damals.

1991 hättet ihr 53 Stunden für eine Waschmaschine arbeiten müssen – heute nur 20

Was aber wirklich teurer wurde: Strom. Für 200 kWh hättet ihr vor dreißig Jahren 3 Stunden und 10 Minuten arbeiten müssen, heute 3 Stunden und 33 Minuten. Der Preis ist von 32,36 Euro auf 67,21 geklettert. Bei Benzin sieht es ähnlich aus: Für einen Liter ackert ihr heute 5 Minuten, damals waren das 4. Der Preis hat sich von 68 Cent auf 1,43 Euro erhöht.

Bei technischen Geräten gab es aber „echte“ Preisrückgänge: Für einen Kühlschrank hättet ihr vor 30 Jahren 309, 33 Euro gezahlt, heute durchschnittlich 299, 77 Euro. Der Preis ist leicht gefallen, aber nimmt man die Lohnentwicklung dazu, müsstet ihr heute rund 16 Stunden für einen Kühlschrank arbeiten und 1991 mehr als 30 Stunden, also fast das doppelte. Auch eine Waschmaschine wurde über die Zeit billiger: 1991 lag der Preis bei 542,99 Euro, heute bei rund 397,25. Statt rund 53 Stunden dafür zu arbeiten, müsstet ihr heute nur 20 Stunden ran. Auch bei einem Fernseher lässt sich dieselbe Entwicklung beobachten: früher kostete er 803,24 Euro, heute knapp mehr als die Hälfte, 449 Euro. Also müsst ihr auch nicht mehr 78,5 Stunden für das TV-Gerät schuften, sondern nur noch 23 Stunden und 42 Minuten. Diese Preis-Entwicklungen machen den „technischen Fortschritt bemerkbar“, erklärt Schröder. Denn Prozesse konnten „billiger und schneller verbessert“ werden.

Im direkten Gegensatz dazu stehen die Dienstleistungen – denn diese wurden teurer. Beispielsweise Haare schneiden: Zahlte man 1991 im Schnitt 10,02 Euro, so ist der heutige Preis auf 21,31 Euro gestiegen. Nimmt man die Lohnsteigerung hinzu, macht das heute 1 Stunde und 8 Minuten arbeiten, anstatt früher nur 59 Minuten. Das liegt daran, dass es beim Haareschneiden „keine Möglichkeiten gibt, die Prozesse zu verbessern“, erklärt der IW-Ökonom: „Da braucht man im Grunde so lange dafür, wie vor 30 Jahren. Auf längere Sicht werden Dienstleistungen, die nicht anders gemacht werden können als früher, immer teurer.“

Höhere Löhne führen zu höheren Preisen

Die generell steigenden Preise führt Schröder auf die Entwicklung der Löhne zurück: „Die Personalkosten steigen permanent. Und mit der steigenden Kaufkraft, steigt die Zahlungsbereitschaft, von daher steigen die Preise.“ Da die Menschen immer mehr Geld verdienen, passt sich der Markt daran an und erhöht die Preise – ein Kreislauf. Zusätzlich werden Importe teurer, Energiekosten und Rohstoffkosten steigen und ein „gewisser Preisanstieg“ sei auch von der Europäischen Zentralbank „gewollt“, sagt Schröder. Denn die EZB verfolgt das Inflationsziel von knapp zwei Prozent, um Deflation zu vermeiden.

Der Ökonom denkt, dass es dieses Jahr noch eine „relativ starke Preissteigerung“ geben wird. Das hänge zum Teil an den Rohstoffen, denn der Rohölpreis sei beispielsweise stark gestiegen, dieses Jahr schon um 89 Prozent. Dann gebe es noch einen „gewissen Nachfragestau“ bezogen auf Restaurants, Reisen und andere Dinge, die von den Corona-Auflagen betroffen waren.

Zudem gebe es im zweiten Halbjahr einen „einmaligen Effekt“: „Dadurch, dass die Mehrwertsteuer im Vorjahr gesenkt worden ist, fällt das ja dann im zweiten Halbjahr dieses Jahres weg. Im Vergleich zum Vorjahr, wird das eben die Preise noch hochtreiben.“ Aber insgesamt rechnet der IW-Experte, dass sich die Preise 2022 „wieder beruhigen.“

In unserer Serie "Vor 30 Jahren" beleuchten wir verschiedene Aspekte der Wirtschaft, im Vergleich von 1991 bis heute. Dieser Text ist Teil davon.

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