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Nato-Mitglied Polen kauft Kampfjets in Südkorea, nicht in den USA und Europa – das steckt hinter dem Milliarden-Deal

Eine FA-50 über dem Luftwaffenstützpunkt Clark auf den Philippinen am 28. November 2015. - Copyright: TED ALJIBE/AFP via Getty Images
Eine FA-50 über dem Luftwaffenstützpunkt Clark auf den Philippinen am 28. November 2015. - Copyright: TED ALJIBE/AFP via Getty Images

Als Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch Russland macht Polen bei der Modernisierung seines Militärs Tempo. Ende Juli unterzeichnete die Regierung den bisher größten Rüstungsauftrag für die Bestellung von Artillerie, Panzern und Flugzeugen. Geschäftspartner des Nato-Mitglieds Polen sind aber keine Unternehmen in den USA oder Europa, sondern die Konzerne der aufstrebenden Rüstungsindustrie Südkoreas.

Das Geschäft mit Südkorea im Wert von 14,5 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 14,3 Milliarden Euro) ist auch der bisher größte Deal für die südkoreanische Rüstungsbranche. Er umfasst 1000 Black-Panther-Panzer des Typs K2, fast 700 Panzerhaubitzen des Typs K9 und 48 leichte Kampfflugzeuge des Typs FA-50.

Die Entscheidung der Regierung in Warschau, in diesem Umfang von einem aufstrebenden Militärexporteur zu kaufen, werfen auch ein Schlaglicht auf die angespannte Situation in Europa und innerhalb der Nato.

„Der kriminelle Angriff Russlands auf die Ukraine und die Unberechenbarkeit Putins bedeuten, dass wir die Modernisierung der Ausrüstung noch weiter beschleunigen müssen", sagte Polens Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak dem polnischen Sender Defense 24.

Schneller, besser, sicherer

Die Modernisierung der Luftwaffe hat für Warschau Priorität. Polen will seine alten Flugzeuge sowjetischer Bauart ersetzen, die 23 MiG-29 und 18 Su-22.

Polen verfügt bereits über 36 F-16 aus US-amerikanischer Produktion und hat bei den USA 32 F-35A-Tarnkappenjets bestellt. Polen ist eines von nur drei Nato-Ländern mit MiG-29-Jets und das einzige europäische Land, das noch die Su-22 einsetzt.

Die 48 Flugzeuge des Typs FA-50 aus Südkorea sollen Warschau helfen, die Modernisierung voranzutreiben.

Die FA-50 ist ein leichtes Kampfflugzeug. Sie kann Überschallgeschwindigkeiten von Mach 1,5 erreichen und verschiedene Bomben sowie Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen tragen. Polen wird laut Błaszczak das verbesserte Block-20-Modell erhalten, das mit Nato-Systemen kompatibel ist.

Polen entschied sich für die FA-50 jedoch nicht nur wegen ihrer Kampffähigkeit, sondern auch wegen der Schnelligkeit, mit der sie beschafft werden konnte. Warschau hat auch andere Flugzeuge in Betracht gezogen, darunter F-16, aber keines konnte schnell genug geliefert werden.

"Es ist von entscheidender Bedeutung, das Sicherheitsniveau in Polen so schnell wie möglich zu erhöhen", sagte der polnische Verteidigungsminister. Die polnischen Luftstreitkräfte sollen die ersten zwölf FA-50 bis Mitte 2023 erhalten.

Polnische MiG-29 und eine F-15 der US-Luftwaffe neben einem US-Bomber B-52H am 24. Februar 2022. Foto: US Air Force/Airman 1st Class Zachary Wright

Außerdem basiert die FA-50 auf dem südkoreanischen Trainings- und leichten Kampfflugzeug T-50, das Korea Aerospace Industries in Zusammenarbeit mit Lockheed Martin, dem Hersteller der F-16, entwickelt hat.

Daher hat die FA-50 einige gleiche Konstruktionselemente und Komponenten wie die F-16, was die Wartung und Pilotenausbildung vereinfacht.

"Ein Pilot, der am FA-50 ausgebildet wurde, braucht nur wenige Stunden, um die F-16 selbständig zu fliegen", sagte Błaszczak zu Defense 24. "Die Kosten für die Ausbildung als solche sind viel geringer, und so können wir mehr Piloten ausbilden."

Gemäß dem Vertrag mit Südkorea wird bis 2026 auch eine FA-50-Wartungs- und Serviceeinrichtung in Polen eingerichtet. Mit dieser Vereinbarung hofft Warschau, die Probleme in der Lieferkette und bei der Wartung seiner MiG-29 und Su-22 zu vermeiden.

"Dank dieser Beschaffung erhalten wir eine neue Option für Ersatzteile, was besonders bei Konflikten mit hoher Intensität wichtig ist, wenn eine der Lieferketten unterbrochen werden könnte", so Błaszczak. "Dies würde es ermöglichen, die Einsatzbereitschaft von Kampfflugzeugen in Polen auf höchstem Niveau zu halten."

Zeit für eine Erneuerung

Eine FA-50 auf der Clark Air Base, nördlich von Manila, am 4. Juli 2017. Foto: REUTERS/Romeo Ranoco

Polen hat seine in die Jahre gekommenen Jets aus der Sowjet-Ära mehrfach aufgerüstet, um ihre Systeme Nato-kompatibel zu halten. Es fällt aber zunehmend schwer, sie auch kampftauglich zu halten – zumal eine schrumpfende Nutzerbasis und Sanktionen gegen Russland die Verfügbarkeit von Ersatzteilen einschränken.

"Wir müssten [Ersatzteile] in Russland beschaffen, und das muss aus offensichtlichen Gründen ausgeschlossen werden", sagte Błaszczak.

Die Polska Grupa Zbrojeniowa stellt MiG-29-Komponenten im eigenen Land her und wartet die polnischen MiG-20 und Su-22. Allerdings kann das Unternehmen keine MiG-29-Triebwerke herstellen. Außerdem wurden im Inland hergestellte Komponenten mit einem tödlichen MiG-29-Absturz im Jahr 2018 in Verbindung gebracht, der zur vorübergehenden Stilllegung der polnischen MiG-29-Flotte führte, so Błaszczak.

Polnische Su-22 am 21. September 2017. Foto: Agencja Gazeta/Cezary Aszkielowicz via REUTERS

Die FA-50 werden die polnische Luftwaffe weiter modernisieren, aber sie werden nicht der "letzte Schritt" sein, sagte der Verteidigungsminister.

"Wir haben die Auslieferung der F-35 beschleunigt. Langfristig planen wir, weitere F-35 oder F-15 zu beschaffen, und wir beobachten aufmerksam die Fortschritte unserer südkoreanischen Partner bei der Arbeit an der KF-21 Boramae", sagte Błaszczak. Er bezog sich damit auf das neue Mehrzweckkampfflugzeug, das Südkorea als billigere Alternative zur F-35 vermarkten will.

Konstantin Atlamazoglou arbeitet im Bereich transatlantische und europäische Sicherheit. Er hat einen Master-Abschluss in Sicherheitsstudien und europäischen Angelegenheiten von der Fletcher School of Law and Diplomacy. Sie können ihn auf LinkedIn kontaktieren.

Der Artikel erschien zuerst bei Business Insider in den USA. Das Original findet ihr hier.