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Berlin vermutet Sabotage bei russischen Ostseepipelines

(Bloomberg) -- Die Bundesregierung vermutet, dass die Beschädigung des Nord-Stream-Pipelinesystems für russisches Gas auf einen Sabotageakt zurückzuführen ist. Auch wenn unklar ist, von wem die Sabotage ausging, könnte das den Energiekonflikt zwischen Russland und Europa weiter verschärfen.

Die Beweise deuteten eher auf einen Gewaltakt als auf ein technisches Problem hin, erfuhr Bloomberg News von einem hochrangigen deutschen Beamten, der nicht namentlich genannt werden wollte. Schwedische Seismologen registrierten am Montag zwei Explosionen in dem Ostseegebiet, als fast gleichzeitig mehrere Lecks auftraten.

Unabhängig von weiteren Erkenntnissen ist mit den Schäden an den beiden Nord-Stream-Strängen das Aus für die russischen Gaslieferungen über die einstige Hauptverbindung für diesen Winter wohl endgültig. Die Pipelines waren zwar bereits faktisch außer Betrieb, aber nun zerschlagen sich auch hypothetische Hoffnungen, dass Moskau die Hähne wieder aufdreht. Die Gaspreise in Europa stiegen sprunghaft an.

“Es ist schwer vorstellbar, dass es sich hierbei um Zufälle handelt”, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Dienstag gegenüber Reportern. “Wir können Sabotage nicht ausschließen.”

Oberhalb der Lecks an den Pipelines hat sich ein Gebiet mit Gasblasen an der Meeresoberfläche gebildet, wie Fotos und ein von der dänischen Armee auf ihrer Website veröffentlichtes Video zeigen.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, dass es vor den Ergebnissen einer Untersuchung “verfrüht” sei, darüber zu spekulieren, ob der Schaden mit Sabotage zu tun habe.

Seit Beginn des von Wladimir Putin befohlenen Einmarschs in die Ukraine stehen alle Entwicklungen um die russischen Gaslieferungen stets auch unter Verdacht, ein Teil der Kriegstaktik zu sein. Berlin und Brüssel werfen Moskau vor, sie als Waffe im Krieg einzusetzen. Kremlinsider haben solche Überlegungen bestätigt und vorhergesagt, Putin würde versuchen, Europa mit seiner Lieferpolitik unter Druck zu setzen.

Deutschland und die anderen stark auf russisches Gas angewiesenen europäischen Länder reagierten darauf mit der Auffüllung ihrer Gasspeicher und der Erschließung neuer Lieferquellen. Derzeit sieht es so aus, als könne man damit durch diesen Winter kommen. Vor dem Krieg bezog die Europäische Union 40% ihres Gases über russische Pipelines, jetzt sind es noch etwa 9%.

Deutsche, dänische und schwedische Behörden untersuchen die Lecks in den Röhren, die so groß sind, dass sie auf dem Radar von Schiffen in der Umgebung zu sehen waren. Die dänische Marine hat eine Fregatte, ein ziviles Forschungsschiff und einen Helikopter in das Gebiet entsandt. Die Untersuchung sei auch deshalb schwierig, weil die Lecks sich unter Wasser befinden, so der deutsche Beamte. Möglicherweise sei ein U-Boot erforderlich.

Der Pipelinebetreiber Nord Stream, eine Tochter des staatlichen russischen Gaskonzerns Gazprom, sagte am Dienstag, er könne keine Aussagen zur Wiederaufnahme des Betriebs treffen.

“Die gleichzeitige Beschädigung der drei Offshore-Pipelines des Nord Stream-Systems an einem einzigen Tag ist beispiellos”, teilte die Betreibergesellschaft Nord Stream mit. “Es ist noch nicht möglich, einen Zeitrahmen für die Wiederherstellung der Gasinfrastruktur abzuschätzen.”

Die europäischen Benchmark-Gaspreise kletterten am Dienstag um bis zu 12%, nachdem sie vier Tage in Folge gesunken waren.

“Die Preise steigen auch aufgrund von Spekulationen, dass es sich um Sabotage handelte, auch wenn das sehr spekulativ bleibt”, sagte James Huckstepp, Gasanalyst bei S&P Global Commodity Insights. Huckstepp geht davon aus, dass die russischen Gaslieferungen nach Europa bis zum Ende des Jahres auf Null sinken werden.

Die Lecks stellten auch ein Umwelt- und Sicherheitsrisiko dar. Schon am Montag riet die dänische Schifffahrtsbehörde Schiffen, die Gebiete südlich und südöstlich der Insel Bornholm zu meiden.

“Lecks in Gaspipelines kommen äußerst selten vor, deshalb erhöhen wir die Bereitschaft”, sagte Kristoffer Bottzauw, der Leiter der dänischen Energiebehörde. Die schwedische Schifffahrtsbehörde verbot Schiffen die Einfahrt in ein Gebiet innerhalb von fünf Seemeilen um Nord Stream 1 und Nord Stream 2 und verwies auf Schäden, Leckagen und “explosives Gas in der Nähe”.

Überschrift des Artikels im Original:

Nord Stream Says Damage to Gas Pipeline to Germany Unprecedented

(Neu: Seismografische Daten deuten auf Explosionen)

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