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Zwei Szeneköpfe setzen auf Immobilienfinanzierungen für Reiche

·Lesedauer: 3 Min.
Aufsichtsratmitgleid Christian Vollmann und größter Anteilseigner Alexander Samwer glauben an das Geschäftsmodell.
Aufsichtsratmitgleid Christian Vollmann und größter Anteilseigner Alexander Samwer glauben an das Geschäftsmodell.

Wer bauen möchte, braucht Geld – und je nach Projektgröße eine Menge Eigenkapital. Hier will das Startup Linus Digital, das seit vergangener Woche an der Börse gelistet ist, aushelfen. Das 2016 von David Neuhoff gegründete Proptech hat prominente Unterstützer wie Alexander Samwer und Christian Vollmann. Doch was macht das Geschäftsmodell so besonders?

Das Berliner Startup will Finanzierungslücken schließen, indem es den Bau von Immobilienprojekten vorfinanziert – und zwar mit Geldern aus einem selbst verwalteten Fonds. All das geschieht über die Immobilienfinanzierungsplattform des Startups. Anleger, die einen Teil ihres Geldes in Immobilien investieren wollen, können sich als „Co-Investor“ ab einer Mindesteinlage von 200.000 Euro Kapital beteiligen. Angesprochen werden also vermögende Privatpersonen, Family Offices oder institutionelle Anleger. Insgesamt vergibt das Proptech Darlehen in Höhe von drei bis 100 Millionen Euro, die zurzeit überwiegend in deutschen und britischen Großstädten investiert werden.

Das Startup beteiligt sich als Ankerinvestor

Besonders an dem Geschäftsmodell ist, dass Linus Digital bei all seinen Investments als Ankerinvestor mitinvestiert und nicht nur die Vermittlerrolle einnimmt – anders als andere Crowdinvestment-Anbieter wie Zinsland oder Exporo. Für Christian Vollmann sei das der entscheidende Grund gewesen, sich als Business Angel an dem Startup zu beteiligen. Denn so liege es im eigenen Interesse der Firma, die Deals vorab genauestens zu prüfen und einer sorgfältigen Due Diligence zu unterwerfen.

Vollmann beschreibt es als „eine Art Alignment of Interests,“ also eine größtmögliche Interessensgleichstellung zwischen der Firma und den Co-Investoren. „Wenn ein Projekt schief gehen würde, würde Linus mehr Geld verlieren, als sie über die Vermittlungsprovision damit verdienen.“ Deshalb seien die Projekte, an denen das Startup beteiligt ist, besser gesichert, so Vollmann.

Er führt ein weiteres Argument an, das ihm am Geschäftsmodell des Startups zusagt: die Geschwindigkeit. Demnach sollen Empfänger der Investments, in diesem Fall also Projektentwickler und Immobilienunternehmer, nach einer sorgfältigen Due Diligence innerhalb von vier Wochen das Geld auf dem Konto haben. Und das alles digital. Banken tun sich im Vergleich schwerer mit der Vergabe von Darlehen, so Vollmann. Der Angel Investor und Unternehmer sitzt als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat des börsennotierten Proptechs.

Ein Samwer hat seine Hände im Spiel

Linus-Gründer David Neuhoff hat Rechtswissenschaft studiert und arbeitete vor seiner Gründung bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Bryan Cave Leighton Paisner. Mit beim Aufbau beteiligt gewesen ist der jüngste der drei Rocket-Internet-Brüder Alexander Samwer. „Er ist den gesamten Weg mitgegangen“, so Neuhoff. Eine operative Rolle habe er jedoch nie eingenommen, das sei für die Zukunft auch nicht angestrebt. Zurzeit hält Samwer laut Wertpapierprospekt knapp 62 Prozent der Anteile an Linus Digital.

Samwers Investment in das Proptech scheint zahlenmäßig Früchte getragen zu haben: Linus Digital sei seit drei Jahren profitabel und hat im letzten Jahr rund 8,9 Millionen Euro umgesetzt. Zudem habe das Startup seit seiner Gründung 2016 insgesamt etwa 600 Millionen Euro in Immobilienprojekte wie beispielsweise in den Bau von Apartmentkomplexen oder Eigentumswohnungen gesteckt. Die Arbeit dahinter erledigen die mittlerweile 50 Mitarbeiter im Unternehmen.

Erst einmal kein Geld trotz Börsengang

Linus Digital ist nicht den klassischen Weg aufs Börsenparkett gegangen. Bei dem Börsengang handelt es sich nämlich um ein sogenanntes „Direct Listing.“ Bei einem solchen findet kein öffentliches Angebot von Aktien statt, wie bei einem üblichen Börsengang. Stattdessen werden nur die bestehenden Aktien von Gründern, Mitarbeitern und Investorenaktien an der Börse gelistet. Dafür hat Linus vorab eine Kapitalerhöhung durchgeführt sowie Mitarbeiter zum Preis von 25,23 Euro je Aktie beteiligt.

Das entspricht etwa einem Unternehmenswert von 152 Millionen Euro. Da das Listing nicht mit einer Kapitalaufnahme gepaart sei, hat das Proptech zunächst also kein neues Geld bekommen. Für zukünftige Projekte solle die Kapitalbeschaffung dann allerdings umso schneller gehen. Spätestens dann, wenn das Startup weiter ins europäische Ausland expandiert – das streben Neuhoff und sein Team nämlich an.