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Zwei deutsche Standorte kämpfen um die milliardenschwere Chipfabrik von Intel — das sagen die Bewerber

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Der US-Chiphersteller Intel plant, einen Standort in Deutschland zu eröffnen und 80 Milliarden Euro zu investieren. (Symbolbild)
Der US-Chiphersteller Intel plant, einen Standort in Deutschland zu eröffnen und 80 Milliarden Euro zu investieren. (Symbolbild)

Intel-CEO Pat Gelsinger war, so scheint es, von Anfang an Fan von Deutschland. Nachdem er Mitte Februar dieses Jahres Chef des weltgrößten Chipherstellers wurde, führte ihn seine erste Auslandsreise nach Deutschland, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Dort soll Gelsinger bei hochrangigen Politikern um Unterstützung für sein Vorhaben geworben haben: eine große Chipfabrik in Europa. Der Zeitung sagte er damals: „Es spricht viel für Deutschland.“

Anfang September wurde Gelsinger gegenüber der „FAZ“ konkreter: 500 Hektar solle die „Mega-Fab“, wie Gelsinger sie nennt, groß sein. Zum Vergleich: Das ist eine Fläche von etwa 700 Fußballfeldern. Im ersten Schritt seien zwei Fabriken geplant, die jeweils zehn Milliarden Euro kosten. Sukzessive sollen dann sechs weitere Fabriken hinzukommen, die zusammen die Chipfabrik bilden sollen. „Wir investieren also 80 Milliarden Euro in Europa“, sagte Gelsinger. 70 Anfragen potenzieller Standorte habe er erhalten. Im September sagte Gelsinger, Intel habe die Anzahl der Kandidaten auf etwa zehn eingegrenzt. Die finale Entscheidung solle noch in diesem Jahr fallen.

"Sehr gut unterwegs"

Im Gespräch mit Business Insider sagte die Deutschland-Chefin von Intel, Christin Eisenschmid, man sei beim Auswahlprozess „sehr gut unterwegs“. Genaueres wollte sie dazu nicht sagen. Von Intel heißt es dazu offiziell auf Anfrage, man führe konstruktive Investitionsgespräche mit Regierungsvertretern in mehreren EU-Ländern. Die laufenden Verhandlungen seien noch vertraulich. „Wir planen, so bald wie möglich eine Ankündigung zu machen.“

Laut Medienberichten stehen die Chancen Deutschlands offenbar nicht schlecht. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtete Ende Oktober, dass sich Dresden als führender Standortkandidat herauskristallisiert habe. Anfang Dezember berichtete die französische Tageszeitung „Le Figaro“, Intel habe sich für Deutschland als Standort für seine Fabrik entschieden. Eine Sprecherin wollte das auf Anfrage von Business Insider nicht kommentieren.

Eine offizielle Entscheidung gibt es noch nicht. Neben Dresden soll laut mehreren Medienberichten auch noch die Gemeinde Penzing im oberbayerischen Landkreis Bayern im Rennen sein. Business Insider hat bei den beteiligten Standorten nachgefragt.

"Halbleiterstandort Nr. 1 in Europa"

„Wir sind der Halbleiterstandort Nr. 1 in Europa und damit die erste Adresse für alle Unternehmen, die in dieser Branche investieren wollen. Deshalb stellen wir uns selbstbewusst dem anspruchsvollen Standortwettbewerb“, hieß es aus dem sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft. Sachsen und die Region Dresden verfügten weltweit über eines der besten Innovations-Ökosysteme in der Mikroelektronik.

„Selbstverständlich sind wir seit langem in regelmäßigem Kontakt mit dem Unternehmen", teilte das Ministerium mit. Auf die Frage, ob Kenntnisse über eine Entscheidung hinsichtlich des Standorts vorliegen, antwortete das sächsische Wirtschaftsministerium nur ausweichend. Staatsminister Dulig begrüße das Interesse von Intel, in Europa einen weiteren Produktionsstandort für Halbleiter errichten zu wollen. Das Staatsministerium habe dem Unternehmen deshalb jede mögliche Unterstützung angeboten. Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten sowie der Wirtschaftsförderung Sachsen habe der Freistaat sich mit konkreten Standortangeboten an dem europaweiten Wettbewerb beteiligt. „Nähere Angaben können wir hierzu gegenwärtig nicht machen.“

"Position weiter ausbauen"

Ein Pressesprecher der Stadt Dresden antwortete auf Anfrage von Business Insider, Dresden zähle zu den „Top-Hochtechnologiestandorten weltweit und ist der führende europäische Mikroelektronikstandort“, jeder dritte Chip komme von hier. „Selbstverständlich möchten wir diese Position weiter ausbauen.“ Die notwendigen Fördermittel müssten jedoch von der EU und dem Bund kommen. „Als Kommune sind wir hier eher in der Rolle, die Infrastrukturvoraussetzungen zu schaffen.“ Der Strom- und Wasserverbrauch solcher Fabriken sei enorm, hier sei die Stadt Dresden mit seinen Partnern massiv gefordert. Wichtig sei nun „ein klares Bekenntnis zu den notwendigen Subventionen“. Die Entscheidung und deren Bekanntgabe liege ausschließlich bei den Herstellern.

Vom bayerischen Wirtschaftsministerium hieß es, Intel habe sein Auswahlverfahren aktuell noch nicht abgeschlossen. „Offizielle Absagen an einzelne Standorte, die sich für das Ansiedlungsprojekt beworben hatten, sind nach hiesiger Kenntnis bislang noch nicht erfolgt“, so ein Sprecher. „Damit ist auch Penzing weiter im Rennen.“ Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüße das Ansiedlungsvorhaben von Intel, eine Chipfabrik in Europa zu bauen. Im europäischen Wettbewerb um den Standort für diese Fabrik wäre der Freistaat Bayern eine hervorragende Option.

"Penzing weiter im Rennen"

„Die Staatsregierung hat den Standort Penzing in enger Abstimmung mit den beteiligten Kommunen und der Bundesregierung angeboten und intensiv als Standortoption für das Ansiedlungsprojekt beworben“, so der Sprecher. Eine staatliche Förderung, die mit dem EU-Beihilferecht konform wäre, würde von der Bundesregierung zugewendet werden. Das Bundesland, in welchem der Sitz der neuen Intel-Fabrik liegt, müsste sich an dieser Förderung gegebenenfalls anteilig finanziell beteiligen. „Hierzu wäre der Freistaat Bayern selbstverständlich bereit.“

Von der Stadt Landsberg am Lech hieß es, man habe gemeinsam mit der Gemeinde Penzing zugestimmt, „dass das Wirtschaftsministerium das Areal des Fliegerhorsts als Standort in einem europaweiten Standortwettbewerb vorschlägt“. Beide Kommunen sähen in einer möglichen Ansiedelung eine Investition in zukunftsfähige Arbeitsplätze für die Region. Der Standort Penzing sei infrastrukturell bestens an die Ballungsräume München und Augsburg angebunden. Die mögliche Ansiedelung von Intel unterliege strenger Vertraulichkeit. Intel habe sein Auswahlverfahren aktuell noch nicht abgeschlossen. „Uns liegen keine Informationen zu den Bewerbungen vor.“ Auch Peter Hammer, erster Bürgermeister der Gemeinde Penzing, konnte gegenüber Business Insider keine Einschätzung zu den Chancen Penzings und einer möglichen Entscheidung abgeben.

Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet. Wenn Intel-CEO Pat Gelsinger sein Wort halten und eine Entscheidung noch in diesem Jahr verkünden will, bleibt ihm nicht mehr viel Zeit.

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