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ZOOPLUS IM FOKUS: Positiver Corona-Effekt kann es allein nicht richten

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Mit roten Zahlen hat der Tierbedarfshändler Zooplus <DE0005111702> in den vergangenen Jahren die Investoren an der Börse verunsichert. Doch in der Corona-Krise mauserten sich die Papiere plötzlich zum vermeintlich sicheren Hafen für Anleger. Denn das Unternehmen, das seine Produkte über das Internet vertreibt, gehört zum erlauchten Kreis der Krisengewinner. Doch Vorsicht: Corona ist vielleicht eine Tritthilfe für Zooplus, aber die grundsätzlichen Probleme der im SDax gelisteten Firma sind damit wohl noch nicht überwunden.

LAGE DES UNTERNEHMENS:

Das erste Quartal 2020 lief gut für Zooplus. So gut, dass Vorstandschef Cornelius Patt flugs mal die Umsatz- und Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr erhöhte. Denn während des Corona-Lockdowns wichen viele Kunden ins Internet aus, um dort etwa Futter für ihre tierischen Schützlinge zu kaufen. Heimtierbedarf avancierte laut Patt zu einer der gefragtesten Produktgruppen im Online-Handel in der Corona-Pandemie.

Gute Nachrichten verbreiten - dazu hatte Patt zuletzt nicht häufig Gelegenheit. 2017 rutschte der Konzern unter dem Strich in die roten Zahlen und kam bislang nicht wieder heraus. Das hohe Wachstum und die Expansion ins Ausland ging zulasten der Profitabilität. Vor allem der Fang von Neukunden entwickelte sich als schwierige und für das Marketing teure Angelegenheit. Hinzu kam und kommt die Omnipräsenz des Internet-Händlers Amazon <US0231351067>, der der Tierbedarfs-Branche im Internet kräftig Konkurrenz macht. Patt feilte deshalb mehrfach an der Strategie.

Selbst das Wachstum des Unternehmens stellte Branchenkenner zuletzt nicht mehr so recht zufrieden. Dann kam Corona. Wegen der Pandemie hatte das Zooplus-Management noch Ende März sehr vorsichtig auf das Jahr 2020 geblickt. Ein Umsatzplus war zwar angepeilt, aber ein rückläufiges - wenn auch nicht negatives - operatives Ergebnis. Die Pandemie hat nun alles geändert. Jetzt rechnet Zooplus beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit einem Anstieg auf mindestens 20 Millionen Euro - nach einem Vorjahreswert von 11,8 Millionen.

Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken: Denn die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass sich der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Gesamtkonjunktur und die Lage des Konzerns im Laufe des Jahres nicht wesentlich ändert.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die starke Nachfrage nach Zooplus-Artikeln im ersten Quartal lässt sich nach Meinung einiger Experten nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen. Nach Einschätzung von Christian Salis von Hauck & Aufhäuser beispielsweise hat es sich lediglich um Vorzugseffekte gehandelt: Kunden hätten sich also in Erwartung größerer Corona-Beschränkungen vorzeitig eingedeckt. Von zusätzlicher Nachfrage könne hingegen keine Rede sein, so Salis. Dies sehen andere Experten ähnlich.

So erkennt etwa Tom Diedrich von der Privatbank Metzler in den neuen Unternehmenszielen eine deutlich abnehmende Wachstumsdynamik im weiteren Verlauf des Jahres. Die meisten Wettbewerber profitierten deutlich stärker von der Corona-Krise, gibt der Analyst zu bedenken. Auch Analystin Alvira Rao von der britischen Barclays <GB0031348658>-Bank räumt zwar ein, dass Zooplus derzeit von dem beschleunigten Wechsel vom stationären Handel hin zum Konsum im Internet profitiere. Dennoch seien wohl für 2020 nicht mehr als niedrige einstellige operative Margen drin, weshalb sich die Analystin in ihren Sorgen um die langfristige Profitabilität des Unternehmens auch weiterhin bestätigt sieht.

Hauck & Aufhäuser-Spezialist Salis bemängelt vor allem, dass trotz des Schubs durch Corona die strukturellen Probleme bei Zooplus nicht gelöst seien. Er sieht den Grund, dass der Konzern nur wenig Spielraum für die Verbesserung der Margen habe, vor allem in dem hohen Anteil variabler Kosten, dem stetigen Preiswettbewerb in dem Segment und in steigenden Marketingausgaben. Salis befürchtet deshalb, dass es Zooplus selbst mittelfristig nicht gelingen wird, ein profitables Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen.

James Letten von der Berenberg Bank glaubt, dass Zooplus sich Marktanteilsgewinne entgehen lasse, da der Konzern in in einer Zeit die Marketingausgaben zurückgefahren habe, in der der Markt für E-Commerce gewachsen sei.

Volker Bosse von der Baader Bank zeigt sich optimistischer. Er hatte den im März gegebenen ursprünglichen Ausblick ohnehin als zu vorsichtig empfunden. Das in den vergangenen Jahren verlangsamte Umsatzwachstum beschleunige sich nun wieder und sollte der unterbewerten Aktie Auftrieb geben, lobte der Experte. Mitte Mai sprach er deshalb sogar eine Kaufempfehlung für den Titel aus und hob sein Kursziel um satte 70 Prozent an.

Mit seiner Kaufempfehlung ist Bosse derzeit allerdings im dpa-AFX Analyser in der Minderheit. Von den dort seit Jahresbeginn erfassten acht Experten spricht sich mit JPMorgan <US46625H1005> nur noch ein weiteres Analysehaus für den Erwerb der Aktie aus. Jeweils drei Branchenkenner votieren für das Halten beziehungsweise den Verkauf der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit knapp 114 Euro etwa 16 Prozent unter dem aktuellen Kurs.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Der Corona-Crash war nur ein kurzer Schock für die Zooplus-Investoren. Nachdem das Papier zwischen Mitte Februar und Mitte März von rund 90 Euro bis auf 65 Euro gefallen war, drehte sich die Stimmung und der Kurs kletterte bis Mitte Mai auf 145 Euro Inzwischen ist das Papier wieder etwas zurückgekommen, kostet aber mit 141 Euro immer noch fast 60 Prozent mehr als Mitte Februar - damit liegt die Zooplus-Aktie im SDax <DE0009653386> in diesem Zeitraum hinter der Shop Apotheke <NL0012044747> auf Rang zwei.

Mit dieser Bewegung konnten die Zooplus-Anteile eine fast dreijährige Schwächephase beenden. In dieser Zeit sackte der Kurs wegen schwacher Zahlen und geplatzter Übernahmehoffnungen vom im Mai 2017 erreichten Rekordhoch bei 200 Euro peu a peu bis die 65 Euro Mitte März ab, bevor er sich vor dem Corona-Crash wieder etwas erholen konnte und sich dann in diesem zu einem der Gewinner am Aktienmarkt entpuppte.

Langfristig gesehen hat sich das Investment für Aktienanleger ohnehin ausgezahlt. Wer seit dem Börsengang im Mai 2008 investiert ist, kann sich über einen Kursgewinn von fast 900 Prozent freuen. Seit 2011 ist das Unternehmen im SDax gelistet. Mit einer Marktkapitalisierung von inzwischen wieder fast einer Milliarde Euro belegt die 1999 gegründete Firma in dieser Wertung einen Platz im Mittelfeld des Kleinwerteindex.

Das Internetunternehmen mit gerade mal etwas mehr als 700 Mitarbeitern kommt damit auf eine höhere Bewertung als zum Beispiel die Traditionskonzerne Bilfinger <DE0005909006> und Salzgitter <DE0006202005>. Seit dem Ausstieg des Burda-Verlags im Jahr 2015, der von Anfang an investiert war und zwischenzeitlich sogar mal die Mehrheit gehalten hatte, gibt es keinen dominanten Investor mehr.