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WOCHENAUSBLICK: Experten erwarten im Dax deutliche Schwankungen und Rücksetzer

FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts der beeindruckenden Erholungsrally nach dem Corona-Crash dürften die Anleger zu Beginn des neuen Börsenmonats Mai wieder vorsichtiger werden. Zwar sollten die Lockerungen der Wirtschaftseinschränkungen mit sinkenden Infektionszahlen weiter voranschreiten, doch in der neuen Woche werden auch wieder frische Konjunkturdaten die Märkte erreichen.

Insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten für April dürften Beachtung finden und einen in der jüngeren Geschichte beispiellosen Einbruch widerspiegeln. In Deutschland wird vor allem die Industrieproduktion im März zeigen, wie stark dieser wichtige Wirtschaftszweig unter den virusbedingten Einschränkungen gelitten hat. Zudem läuft die Berichtssaison auf ihren Höhepunkt zu, was zusätzlich Unsicherheit für die Anleger mit sich bringt.

"Der Markt wird weiterhin extrem schwankungsanfällig bleiben", erwartet nicht nur Ludwig Donnert, Portfoliomanager beim Investmenthaus Alpha Sherpa Capital. "Die meisten Unternehmen geben für 2020 keine Prognose mehr ab und sind extrem vorsichtig", kommentiert er die wegen der Covid-19-Krise zahlreich zurückgezogenen Ausblicke und Kürzungen oder sogar Streichungen von Dividenden und Aktienrückkäufen. Die Rally der letzten Tage sei zudem von "geringer Qualität" gewesen. Die Börsenumsätze seien nicht besonders hoch gewesen, und die Marktteilnehmer stünden eher nervös an der Seitenlinie und "warten auf die nächste Korrektur".

Nachdem der Dax <DE0008469008> in einer rasanten Talfahrt Ende Februar bis Mitte März rund 40 Prozent eingebüßt hatte, erlebt er seither eine ähnlich beeindruckende Erholung. Seit seinem Tief bei rund 8250 Punkten ist das deutsche Börsenbarometer in nur sechs Wochen bereits wieder um ein Drittel oder 2750 Punkte gestiegen.

Damit jedoch habe sich der Leitindex von den realen Wirtschaftsdaten abgekoppelt, warnt Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research. Zugleich verweist er ebenfalls darauf, dass "etliche Investoren an der Seitenlinie" abwarten. Und diejenigen, die investieren, so schreibt er, "blenden negative Nachrichten momentan völlig aus". Kurzfristig rechnet Saurenz daher mit einer Pause dieser vor allem geld- und finanzmarktpolitisch getriebenen Rally.

Geschäftsführer Uwe Eilers von FV Frankfurter Vermögen hält "einen Rücksetzer" nach dem steilen Wiederanstieg für "überfällig". Charttechnisch gesehen schließt er einen Rückfall im Dax zunächst bis auf 10 700 Punkte nicht aus.

Ob es soweit kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine der größten Gefahren in der Covid-19-Krise sind einerseits erneut steigende Zahlen von Infektionen oder gar eine zweite Infektionswelle. Dies könnte der vorsichtigen Wiederbelebung der Wirtschaft einen weiteren herben Stoß versetzen. Immerhin wird in Europa zunehmend darauf gehofft, dass die für Mai geplante vollständige Aufhebung der Abschottungsmaßnahmen in Österreich eine Blaupause für andere Euro-Staaten sein kann.

Sollte sich andererseits die akute Coronavirus-Krise weiter entschärfen, desto mehr dürften die Folgen in den Fokus rücken, wie Helaba-Analyst Christian Apelt schreibt. Die spiegeln sich zunehmend in "Schrecken verbreitenden Konjunkturdaten" sowie den Unternehmensberichten wider. "Die Stimmungsindikatoren sind im freien Fall, nun folgen die harten Daten", so Apelt.

Zu den wichtigsten Daten zählt hier der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht für April. "Nirgendwo wird die Dramatik der aktuellen Situation klarer als am US-Arbeitsmarkt. Die Ökonomen, die sonst über eine Veränderung der Beschäftigtenzahl um 100 000 oder 150 000 diskutieren, erwarten für April einen Rückgang der Stellenzahl um über 20 Millionen gegenüber dem Vormonat", präzisiert Helaba-Kollege Patrick Franke. Da seien Nerven aus Stahl gefragt. Ein erstes Bild über das Ausmaß könnte der Bericht des privaten US-Arbeitsmarktdienstleisters ADP am Mittwoch liefern.

Hierzulande dürften die Auftragseingänge aus der Industrie im März und die Industrieproduktion selbst im Fokus stehen, die laut Franke ebenfalls "ziemlich schlecht" ausfallen dürften.

Unternehmensseitig geht es mit wahrscheinlich überwiegend wegen der Krise desaströsen Quartalsberichten und den nächsten Ausblickstreichungen weiter. Vor allem Unternehmen aus der zweiten Reihe wie die VW <DE0007664039>-Tochter Traton <DE000TRAT0N7> am Montag oder Fraport <DE0005773303> am Mittwoch werden berichten. Auch einige Dax-Unternehmen stehen im Blick: Am Dienstag Vonovia <DE000A1ML7J1>, am Mittwoch Fresenius samt Tochter FMC <DE0005785802> und BMW <DE0005190003>, am Donnerstag Munich Re <DE0008430026> und HeidelbergCement <DE0006047004> und am Freitag Siemens <DE0007236101>./ck/jsl/he

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---