Deutsche Märkte öffnen in 3 Stunden 59 Minuten

In welchen Bundesländern die Wirtschaft bereits schrumpft

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal geschrumpft – nun droht eine Rezession. Einige Bundesländer sind schon heute in den roten Zahlen, wie neue Statistiken zeigen.

Während der Bund noch versucht, die drohende Rezession abzuwenden, kommen solche Anstrengungen in drei Bundesländern fast zu spät: Hier liegt das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2019 bereits deutlich unter dem des Vorjahres. Das zeigt eine Auswertung des Münchner Ifo-Instituts. Dafür hat sich die Forschungseinrichtung Zahlen des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ sowie der statistischen Ämter des Bundes und der Länder genauer angesehen.

Daraus geht hervor, dass gerade Bundesländer mit einer stark ausgeprägten Industrie leiden: „Die weltwirtschaftliche Schwäche belastet vor allem Bundesländer, deren Unternehmen einen Großteil ihrer produzierten Güter exportieren“, sagt Robert Lehmann, Konjunktur-Experte am Ifo-Institut. Geschrumpft ist die Wirtschaft im Saarland (minus 0,4 Prozent), in Bremen (minus 0,4 Prozent) und am stärksten in Rheinland-Pfalz (minus 0,9 Prozent).

„Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Sachsen, die stark auf den Fahrzeugbau spezialisiert sind, wuchsen ebenfalls geringer als der deutsche Durchschnitt“, heißt es in der Ifo-Auswertung. Das passt zur derzeitigen Absatzkrise der Automobilbranche, die Herstellern und vor allem ihren Zulieferern zusetzt. Baden-Württemberg beispielsweise hat mit Stagnation zu kämpfen – das BIP wuchs im Vergleich zum Vorjahr nicht.

Autobauer wie Daimler oder Porsche haben hier ihren Sitz und produzieren einen großen Teil ihrer Fahrzeuge. Außerdem stammen Zulieferer wie Bosch, ZF Friedrichshafen oder Mahle aus Baden-Württemberg. Hat diese bedeutende Branche mit Problemen zu kämpfen, schlägt sich das deutlich in der Wirtschaftsleistung des gesamten Bundeslandes nieder. Auch der insolvente Zulieferer Eisenmann hat seinen Sitz im württembergischen Böblingen.

In Niedersachen ist kein geringeres Unternehmen als Volkswagen angesiedelt. Und auch Continental, das jüngst ein Sanierungsprogramm konkretisiert hat und mit Stellenabbau sowie Werksschließungen plant, sitzt in der Landeshauptstadt Hannover.

Bundesland Veränderung des BIP
gegenüber Vorjahr
(preisbereinigt)
Berlin 1,9%
Hamburg 1,6%
Mecklenburg-Vorpommern 1,5%
Schleswig-Holstein 0,9%
Bayern 0,9%
Hessen 0,7%
Thüringen 0,6%
Sachsen-Anhalt 0,6%
Deutschland 0,4%
Niedersachsen 0,4%
Brandenburg 0,2%
Nordrhein-Westfalen 0,1%
Baden-Württemberg 0,0%
Sachsen 0,0%
Saarland -0,4%
Bremen -0,4%
Rheinland-Pfalz -0,9%

Quelle: Arbeitskreis VGRdL; Statistische Ämter des Bundes und der Länder

In Bremen (minus 0,4 Prozent) wiederum sitzt zwar kein Autobauer, doch Daimler hat hier eines seiner größten Werke. Am meisten Probleme bereitet die Abhängigkeit des Stadtstaates vom Exportgeschäft. Zwar sind hier auch mehrere Windkraftunternehmen oder Luftfahrtgrößen wie Airbus ansässig. Mit der Hafenwirtschaft ist eine der größten Branchen allerdings untrennlich mit dem Export verbunden. Schwächelt das Exportgeschäft in Deutschland, schwächelt auch Bremen. Und viele Unternehmen anzuwerben, die nicht so sehr vom Exportgeschäft leben, dauert: Bremerhaven etwa „wies bis in die späten 70er Jahre eine homogene Wirtschaftsstruktur auf und lebte beinahe ausschließlich von der Fischindustrie, der Hafenwirtschaft und den Werften. Bis auf die Hafenwirtschaft haben diese Branchen große Krisen samt erheblichen Arbeitsplatzverlusten durchlebt. Die Belastungen dieses zähen Strukturwandels sind noch heute spürbar“, sagte Olaf Orb von der Handelskammer Bremen der WirtschaftsWoche im August.

Eine gute Nachricht beinhalten die Daten allerdings auch: Im Gegensatz zu den stagnierenden oder schrumpfenden Wirtschaften in einigen Ländern „spürten Bundesländer mit einer dienstleistungsintensiven Wirtschaftsstruktur wie Berlin, Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern die Schwäche der Weltwirtschaft bislang kaum“, ergänzt Ifo-Experte Lehmann. In Berlin wuchs die Wirtschaft mit 1,9 Prozent bundesweit am stärksten. Hamburg verzeichnete einen Zuwachs des BIP um 1,6 Prozent.

Ob die positive Entwicklung der Stadtstaaten genügt, um den Abwärtstrend der gesamten exportlastigen deutschen Wirtschaft abzuwenden, sei jedoch einmal dahingestellt.