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Mit Wasser zum Superreichen: Der „Anti-Jack-Ma“

Petring, Jörn
·Lesedauer: 3 Min.

Jack Ma hatte im vergangenen Jahr nicht nur viel Ärger mit den Behörden. Er verlor auch den Titel als reichster Mann Chinas. Sein Nachfolger tickt anders – er ist ein Milliardär ganz nach Pekings Geschmack.

Wäre 2020 für Jack Ma alles nach Plan gelaufen, dann hätte er gute Aussichten gehabt, erneut zum reichsten Mann Chinas gekürt zu werden. Nach einigen Schätzungen hätte sein Vermögen mit einem erfolgreichen Börsengang der Ant Group, der Finanztochter des von ihm gegründeten Internet-Riesen Alibaba, die Marke von 80 Milliarden Dollar durchbrechen können.

Wie bekannt, kam alles ganz anders. Ma hielt Ende Oktober eine Rede, in der er die Finanzpolitik der chinesischen Regierung scharf kritisierte. Die Antwort der Regulatoren ließ nicht lange auf sich warten: Der Börsengang von Ant wurde auf Eis gelegt, gegen Alibaba ermittelt nun die chinesische Kartellbehörde. Ma selbst tauchte ab und war nach mehr als zwei Monaten vergangene Woche erstmals wieder in einer Video-Grußbotschaft zu sehen.

Das Desaster-Jahr für Chinas bekanntesten Unternehmer schlägt sich auch im Milliardärs-Ranking der Volksrepublik nieder, das nicht mehr von Ma, sondern vom 66-jährigen Zhong Shanshan angeführt wird. Das Vermögen des zumindest im Ausland bislang weitestgehend unbekannten Chinesen wuchs im vergangenen Jahr um mehr als 70 Milliarden auf geschätzt 77,8 Milliarden US-Dollar. Damit ist Zhong Shanshan nicht nur der wohlhabendste Chinese, sondern auch der reichste Mann Asiens.

Die Quellen für sein Vermögen haben wie sonst in China oft üblich nichts mit einem riesigen Tech- oder Immobilienimperium zu tun. Zhong hat seinen Reichtum zu einem großen Teil mit dem Verkauf von Wasser angehäuft. Ihm gehört Nongfu Spring, der bekannteste Wasserhersteller der Volksrepublik. An jeder Straßenecke gibt es die Plastikflaschen mit der roten Banderole und dem weißen Firmenschriftzug zu kaufen. 0,5 Liter kosten am Kiosk 2 Yuan (etwa 25 Cent), im Supermarkt sogar nur 1,5 Yuan.

Der plötzliche Sprung von Zhongs Vermögen hängt mit zwei großen Börsengängen in diesem Jahr zusammen. Neben Nongfu Spring gehört ihm auch der Pekinger Pharmakonzern Wantai Biological, den er im April an die Börse brachte. Später folgte die Ankündigung, dass Wantai an einem Corona-Impfstoff arbeite, der als Nasenspray verabreicht werden kann. Zwar ist das Unternehmen noch in der Testphase, bei Investoren löste die Nachricht dennoch Kursphantasien aus. Seit dem Börsengang ging es um über 2300 Prozent nach oben.

Noch wichtiger für Zhong war jedoch der ungleich größere Börsengang von Nongfu Spring, das im September sein Debüt auf dem Hongkonger Parkett gab und dort – statt wie geplant die Ant Group – zum heißesten Börsengang des Jahres wurde.

Zhong wurde 1954 wie Jack Ma in der ostchinesischen Stadt Hangzhou geboren. Sowohl Alibaba als auch Nongfu Spring haben dort heute ihren Hauptsitz.

Bevor er damit begann, ein Vermögen zu machen, brach Zhong die Schule ab und verbrachte einige Zeit als Bauarbeiter. Dann fand er in den Achtzigerjahren eine Anstellung als Zeitungsreporter. Nach fünf Jahren in der Redaktion der Zhejiang Daily begann er damit, sich selbst als Unternehmer zu versuchen. Zhong startete mit einer eigenen Zeitung. Später gründete er das Pharmaunternehmen Yangshengtang, das heute die Holdinggesellschaft von Wantai Biological ist. 1996 gründete Zhong schließlich Nongfu Spring und formte es zum größten Wasserverkäufer der Nation.

Weder Ma noch Zhong wären heute dort, wo sie sind, wenn sie und ihre Unternehmen nicht über ausgezeichnete Kontakte zur Regierung verfügen würden. Was Peking aber am neuen reichsten Mann des Landes gefallen dürfte, ist sein äußerst zurückhaltendes Auftreten.

Zhong hat den Ruf eines einsamen Wolfes, der sich anders als Ma, der große Entertainer-Qualitäten besitzt, nicht gerne im Rampenlicht zeigt. Auch über einen extravaganten Lebensstil Zhongs ist nichts bekannt. Das Motto seiner Firma Nongfu Spring könnte demütiger nicht sein; „Wir stellen kein Wasser her, wir sind nur die Lieferanten“, lautet der in China überall bekannte Werbeslogan.

Mehr zum Thema: Über Monate war der Milliardär Jack Ma abgetaucht. Jetzt ist der 56-Jährige mit einer Video-Botschaft wieder aufgetaucht.