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Warren Buffetts größter Fehler war der Kauf einer Firma für zwölf Milliarden Dollar – das ging schief

Er trägt den Spitznamen "Orakel von Omaha", weil er grundsätzlich gute Investitionsentscheidungen trifft. Doch auch Warren Buffett liegt mal daneben. (Archivbild aus 2014) - Copyright: picture alliance / AP Photo | Nati Harnik
Er trägt den Spitznamen "Orakel von Omaha", weil er grundsätzlich gute Investitionsentscheidungen trifft. Doch auch Warren Buffett liegt mal daneben. (Archivbild aus 2014) - Copyright: picture alliance / AP Photo | Nati Harnik

Warren Buffetts größter Fehler war eigenen Angaben zufolge, Dexter Shoe im Jahre 1993 zu kaufen. Der Schuhhersteller aus dem US-Bundesstaat Maine wurde schnell wertlos, wohingegen allerdings die Aktien von Berkshire Hathaway um das 27-Fache, auf rund zwölf Milliarden US-Dollar (umgerechnet knapp elf Milliarden Euro), gestiegen sind.

Der renommierte Investor und CEO von Berkshire Hathaway erwarb Dexter für 25.203 Aktien der Klasse A, mit dem damaligen Wert von 433 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 398 Millionen Euro).

„Dexter, das kann ich Ihnen versichern, muss nicht saniert werden: Es ist eines der am besten geführten Unternehmen, das Charlie (Charlie Munger, Stellvertreter Buffetts bei Berkshire Hathaway, Anmerkung der Redaktion) und ich in unserem Geschäftsleben gesehen haben“, schrieb Buffett 1993 in seinem Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway. Dexter sei ein „Business-Juwel“, proklamierte er. Er erklärte auch, es sei eine „vernünftige Entscheidung“, für die Akquise des Schuhherstellers mit Berkshire-Aktien zu bezahlen.

Während Buffett sich in Bezug auf die Erfolgsaussichten von Dexter gewaltig irrte, erkannte er die Bedrohung, die das Unternehmen bald untergehen lassen würde: billige, importierte Schuhe aus Niedriglohnländern. Er scherzte jedoch, dass „jemand vergessen habe“, die Dexter-Manager und Angestellten vor der Herausforderung zu warnen. Schließlich blieb ihre Fabrik "gegen alle Konkurrenz sehr wettbewerbsfähig".

Der Milliardär sagte voraus, dass Dexter und H.H. Brown, Berkshires anderes Schuhgeschäft, 1994 einen Vorsteuergewinn von mehr als 85 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 77 Millionen Euro) einfahren werde. "Ich singe 'There's No Business Like Shoe Business', wenn ich zur Arbeit fahre", sagte Buttett seinen Investoren – in Anlehnung an das Lied "Thre's No Business Like Show Business" von Irving Berlin.

Konkurrenz aus Billiglohnländern wurde zum Problem für Dexter

Die Prognose bewahrheitete sich. Aber Buffett änderte seine Meinung, nachdem die Gewinne aus dem Schuhgeschäft der Investorengesellschaft in den nächsten Jahren allmählich schrumpften und bis 1999 auf 17 Millionen Dollar (umgerechnet knapp 16 Millionen Euro) einbrachen.

„Für einheimische Produzenten ist es extrem schwierig geworden, effektiv wettbewerbsfähig zu bleiben“, warnte der CEO von Berkshire seine Aktionäre. "Im Jahr 1999 kamen etwa 93 Prozent der 1,3 Milliarden Paar Schuhe, die hierzulande gekauft wurden, aus dem Ausland, wo extrem billige Arbeitskräfte die Regel sind."

Der US-amerikanische Unternehmer Warren Buffett gilt als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt.
Der US-amerikanische Unternehmer Warren Buffett gilt als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt.

Buffett reagierte auf den Trend, indem er international mehr Schuhe zukaufte, aber er konnte das Problem nicht beheben. „Ich habe meinen Fehler bei dem Kauf von Dexter später teuer bezahlt“, gestand Buffett in seinem Brief aus dem Jahr 2000 ein. "Und am allerschlimmsten war, dass ich Berkshire-Aktien als Zahlungsmittel benutzt habe."

Im Jahr 2001 verlor das Schuhgeschäft von Berkshire 46 Millionen Dollar (umgerechnet rund 42 Millionen Euro), da es „von Verlusten bei Dexter überschwemmt“ wurde, sagte Buffett zu Investoren. Da ihm die Optionen ausgingen, vertraute er darauf, dass die Chefs von H.H. Brown den angeschlagenen Schuhmacher wiederbelebten. Als die Gewinne aus dem Schuhgeschäft im Jahr 2002 wieder auf 24 Millionen Dollar stiegen, verkündete er, dass „die negative Entwicklung der Dexter-Operation abgewendet“ worden sei.

Buffett verglich Schuhhersteller mit durchnässtem Zigarrenstummel, in dem noch ein Zug steckt

Doch die Erholung war nur von kurzer Dauer, was dazu führte, dass Buffett seinen Fehler in einem Brief an die Aktionäre im Jahr 2007 erneut einräumte. „Ich habe 1,6 Prozent eines wunderbaren Unternehmens verschenkt – eines, das jetzt einen Wert von 220 Milliarden Dollar hat –, um ein wertloses Unternehmen zu kaufen“, schrieb er. Und weiter: "Bis heute ist Dexter das schlechteste Geschäft, das ich je gemacht habe."

In einem weiteren Brief im Jahr 2014 blickte Buffett auf seine größten Fehler zurück und führte dabei erneut auch den Schuhmacher auf. „Am grausamsten war Dexter Shoe“, sagte er. "Als wir das Unternehmen 1993 kauften, hatte es eine grandiose Bilanz und sah für mich keineswegs wie ein 'Zigarrenstummel' aus." Mit Zigarrenstummel, auf Englisch "cigar butt", bezeichnet Buffett Aktienkäufe zu einem sehr niedrigen Preis. Man hebe den Zigarrenstummel, im übertragenen Sinne die Aktien zu einem niedrigen Preis, von der Straße auf. Und da sei vielleicht noch ein Zug drin. Auch wenn der Stummel hässlich und durchnässt sei, wäre der eine Zug kostenlos. Nach dem Zug allerdings könne nichts mehr von der Kippe, also der Aktie, zu erwarten sein. Dann könne man die Aktie wieder verkaufen.

Den Kauf von Dexter bezeichnete der Investor "als finanzielle Katastrophe", die einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde verdient habe.

Und auch im Jahr 2015 in einem Brief an die Aktionäre unterstrich Buffett abermals die weitreichenderen Folgen von Dexters Zusammenbruch: "Unser einst florierender Dexter-Betrieb ging zu Ende, wodurch 1600 Mitarbeiter in einer kleinen Stadt in Maine arbeitslos wurden." Viele von ihnen hätten den Punkt im Leben überschritten, an dem sie einen anderen Beruf hätten erlernen können.

"Wir haben unsere gesamte Investition verloren, die wir uns leisten konnten, aber viele Arbeiter verloren eine Existenzgrundlage, die sie nicht ersetzen konnten."

Dieser Text wurde von Leonie Heß aus dem Englischen übersetzt. Das Original lest ihr hier.