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Ich war noch vor Elon Musk Mitarbeiter bei PayPal — und habe es verpasst, Multimillionär zu werden, weil ich meine Aktien zu früh verkaufte

·Lesedauer: 7 Min.
Dan Chan war früher PayPal-Mitarbeiter und arbeitet heute als Entertainer.
Dan Chan war früher PayPal-Mitarbeiter und arbeitet heute als Entertainer.

Ich kam im Herbst 1999 zu PayPal, bevor Confinity und X.com im Jahr 2000 fusionierten und Elon Musk ins Spiel kam. Genau genommen kam ich zunächst zu Confinity, die aber schon unter dem Namen PayPal Geschäfte machten. Die Fusion beider Unternehmen fand erst nach meinem Einstieg statt. So gesehen war ich also vor Musk bei PayPal.

Ich hatte gerade an der University of California einen Abschluss in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Finanzen erlangt. Während der Sommer im College arbeitete ich in drei Camps in Kalifornien als Rettungsschwimmer. Mein Traumjob war es, hauptberuflich Rettungsschwimmer zu werden – aber meine Mutter war nicht einverstanden. Sie glaubte nicht, dass ich mit diesem Gehalt eine Familie gründen könnte.

PayPal war eine der ersten Dot-Com-Chancen, die sich mir boten

Ich entdeckte PayPal ausgerechnet über eine Anzeige in der Print-Ausgabe einer Zeitung. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch in der Innenstadt von Palo Alto im Silicon Valley. Das Unternehmen entwickelte sich sehr schnell – schon eine Woche, nachdem ich dort angefangen hatte, zogen wir in ein großes Büro an der Embarcadero Road. Ich fing als Kundenberater an und verdiente 32.000 Dollar im Jahr plus Aktienoptionen. Für den Kundendienst war das ein sehr gutes Jahresgehalt und die Aussicht auf Aktienoptionen hat mich überzeugt.

Die beiden Brüder, die mich eingestellt haben, Damon und Jason Billian, waren super cool und freundlich. Sie haben mich sogar früher reingeholt. Ich sagte ihnen, ich müsse noch darüber nachdenken, und sie sagten, ich müsse den Vertrag in ein oder zwei Tagen unterschreiben, da die Optionen sonst neu bewertet würden.

Hätte ich auch nur eine Woche länger gewartet, wären die Optionen anders eingepreist worden

Grund dafür waren zusätzliche Finanzmittel, die das Unternehmen gerade eingeheimst hatte. Mir wurde von Damon Billian gesagt, dass ich einen größeren Anteil an der Firma bekommen würden, wenn ich sofort einsteige. In meinem Kopf spukten Geschichten von frühen Mitarbeitern und Sekretären bei Microsoft umher, die nach dem Börsengang zu Millionären wurden. Bei PayPal einzusteigen sollte gigantisch werden und ich war ein Teil davon.

Ich war etwa drei oder vier Monate im Kundenservice. Der größte Teil unseres Kundendienstes sollte nach Indien in ein neues Callcenter verlagert werden, also wechselte ich in die Finanzabteilung.

Damals schickten wir den Kunden zwei kleine Geldbeträge, um die Inhaberschaft des Bankkontos zu überprüfen.

Beide sollten insgesamt weniger als einen Dollar betragen. Die Kunden mussten diesen Betrag dann auf unserer Website eingeben und wenn ihre Zahlen mit den ausgezahlten Beträgen übereinstimmen, wurde das Bankkonto mit dem PayPal-Konto des Kunden verbunden.

Einige Kunden gingen manchmal aber fälschlicherweise davon aus, dass sie die minimalen Einzahlungsbeträge, mit denen wir die Inhaberschaft ihrer Bankkonten verifizieren wollten, zurückzahlen mussten. Sie schickten dann einen Scheck oder sogar Münzen per Post. Ein Kunde klebte die Münzen an einen Brief und bedankte sich dafür, dass wir ihm das Leben leichter machten.

Nun waren wir als Finanzinstitut gesetzlich verpflichtet, diese Gelder auf ihre Konten einzuzahlen. Meine Aufgabe war es also, täglich eine Tabelle mit allen Geldeingängen des Tages zu erstellen und diese manuell auf die PayPal-Konten einzuzahlen. Normalerweise fuhr ich nach dem Mittagessen zur Silicon Valley Bank, um eine Einzahlung vorzunehmen.

Zwar machten wir das Leben vieler Menschen einfacher, aber der Job war nicht so aufregend wie erhofft

Kurz nachdem ich dem Finanzteam beigetreten war, wollte ich das Unternehmen eigentlich schon wieder verlassen. PayPal selbst hatte angefangen, Leute zu entlassen und Jobs an billigere Standorte wie Omaha, Nebraska und später Indien auszulagern. Ich sagte sogar meiner Mutter, dass ich kündigen würde. Sie bestand darauf, dass ich aus Gründen der Arbeitsplatzsicherheit beim Unternehmen bleiben solle – und als „guter Junge“ folgte ich ihren Anweisungen.

Das unbegrenzte kostenlose Essen machte es etwas leichter. Die Automaten spuckten einen schier endlosen Vorrat an Limonaden und Snacks aus. Es gab jeden Morgen Frühstück, jeden Tag ein Mittagessen – und wenn ich lange genug arbeitete, gab es oft sogar Abendessen. Ich wusste, dass die Kollegen sich nicht nur für die Arbeit bedienten, sondern auch ihren Kindern etwas mitnahmen. Manchmal war der Automat schon zwei Tage nach dem Auffüllen wieder leer.

Wir haben alle Kool-Aid getrunken

Es war die typische Arbeitsatmosphäre der Dot-Com-Ära, mit kostenlosem Essen und Büros wie Videospielhallen. Bei einem All-Hands-Meeting der Firma sagte jemand, wenn wir ein Prozent aller an die US-Regierung gezahlten Steuern nähmen und sie über PayPal bezahlen ließen, würde das Hunderte Millionen Dollar an Einnahmen bedeuten.

Um uns stärker in das Unternehmen einzubinden, erhielten wir T-Shirts mit dem Slogan „New World Currency“. (Anmerkung der Redaktion: David Sacks, der von 1999 bis 2002 Chief Operating Officer von PayPal war, erwähnt die T-Shirts hier und sagt, dass „New World Currency“ die „ursprüngliche Vision“ und das „Mission Statement“ des Unternehmens war). Damon Billian erzählte mir: „Das Lustige ist, dass einige Leute dachten, das ‚New World Currency‘-Shirt sei das Zeichen des Teufels.“

Als der Film „X-Men“ herauskam – die Version aus dem Jahr 2000 – mieteten sie in der Eröffnungswoche ein ganzes Kino in Mountain View, Kalifornien, und schenkten uns „X-Men“-T-Shirts.

Zur gleichen Zeit wurde mir gesagt, dass wir 60.000 Dollar pro Monat verloren – aber das könnte nur in diesem Meeting gewesen sein. Denn laut Eric Jacksons Buch „PayPal Wars: Battles with eBay, the Media, the Mafia, and the Rest of Planet Earth“ verloren wir jeden Tag 150.000 Dollar nur durch den normalen Geschäftsbetrieb. Wir mussten also mehr Geld auftreiben oder das Geschäft aufgeben.

Einige Betrüger verkauften Artikel bei eBay, kassierten das Geld und lieferten die Ware nicht. Ich denke, das war einer der Gründe, warum eBay PayPal übernommen hat. Es gab russische Betrüger und Mafiosi, die das System ausnutzten. All das ist in „PayPal Wars“ dokumentiert, wo Jackson sagt: „Als die russische und nigerianische Mafia Online-Gebühren eintrieb, plünderten sie letztlich PayPal, nicht den Karteninhaber.“

Theoretisch sollten die Synergien beider Unternehmen – da der Deal auch dem Gewinn von eBay helfen sollte – es uns ermöglichen, uns mit eBay abzustimmen, um das Betrugsproblem in den Griff zu bekommen. Angesichts unserer Cash-Burn-Rate, über die wir regelmäßig informiert wurden, fühlte ich mich aber wie auf der Titanic.

Als ich das Unternehmen im Jahr 2000 verließ, hatte ich 13 Monate lang Aktienoptionen erhalten

Meine Aktien waren am Tag des Börsengangs von eBay 189.120 Dollar wert. Ich hätte viel später verkaufen sollen, als die Aktie weiter stieg. Aber als PayPal im Februar 2002 an die Börse ging und meine Lockup-Periode – eine Zeitspanne, in der frühe Investoren ihre Aktien nicht verkaufen können – ablief, machte ich den Fehler, alle meine Aktien für sicherere, konservativere Aktien abzustoßen.

Ich kaufte viele Wertpapiere, um mein Portfolio zu diversifizieren, darunter Honda, Disney, Airbnb und später Google. Meistens kaufte ich auch mindestens eine Aktie, wenn ein Unternehmen mich in meiner jetzigen Rolle als Firmen-Entertainer und Magier einstellte. Ich besitze immer noch einige dieser Disney-Aktien.

Seitdem wurde ich immer wieder darauf hingewiesen, dass ich mehrfacher Multimillionär geworden wäre, wenn ich an meinen PayPal-Aktien festgehalten hätte. Also stellte ich selbst einige Berechnungen an. Meinen Aufzeichnungen zufolge hatte ich 10.103 Stammaktien von X.com zu einem Preis von 0,074233 US-Dollar pro Aktie erworben. Die wurden dann in 3.940 Aktien von eBay umgewandelt. (Anmerkung der Redaktion: Bei der Fusion von PayPal und eBay erhielten die Aktionäre 0,39 eBay-Aktien für jede PayPal-Aktie). Und es gab zwei „2 für 1“-Aktiensplits in den Jahren 2003 und 2005.

Als Ergebnis hätte ich heute 15.760 Aktien gehabt. PayPal lag zum Börsenschluss am 23. Juni 2021 bei 288,12 Dollar und eBay bei 65,30 Dollar. Meinen Berechnungen zufolge wären meine Aktien heute etwa fünf Millionen Dollar wert gewesen.

„The Motley Fool“ hat es am besten formuliert: „Im Nachhinein betrachtet: Wie konnte jemand von uns übersehen, dass PayPal der Anführer eines aufkommenden Trends war? Als die Welt online ging, war es notwendig – unvermeidlich –, dass auch Finanztransaktionen digitalisiert werden würden. Und PayPal war im Jahr 2002 eindeutig führend. Aber beim Investieren geht es nicht um Rückblicke. Es geht darum, die Voraussicht zu entwickeln, die Angst, die Schlagzeilen und die konventionelle Weisheit zu durchschauen und diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die die Welt verändern.“

Es ist in Ordnung, Fehler zu machen, wenn man aus ihnen lernt. Ich habe den Fehler gemacht, alle meine PayPal-Aktien früh zu verkaufen. Den gleichen Fehler habe ich bei Airbnb nicht gemacht. Ich habe mir 200 Aktien von Airbnb zum IPO-Preis zuteilen lassen. Ich habe 20 Prozent davon verkauft und behalte die anderen 80 Prozent. Meine verbleibenden Airbnb-Aktien haben einen Wert von etwa 23.000 Dollar.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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