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Ich war frustriert im Job und hätte fast gekündigt – diese vier Tipps habe ich für euch, wenn es euch ähnlich geht

Wie in einer Liebesbeziehung sind offene Gespräche auch im Beruf wichtig. Shana Lebowitz hätte ohne ein Gespräch mit ihrer Führungskraft wohl kündigt. - Copyright: Shana Lebowitz
Wie in einer Liebesbeziehung sind offene Gespräche auch im Beruf wichtig. Shana Lebowitz hätte ohne ein Gespräch mit ihrer Führungskraft wohl kündigt. - Copyright: Shana Lebowitz

Vor einigen Jahren hätte ich meinen Job bei Business Insider fast aufgegeben. Im Nachhinein ist es einfach zu sagen, dass das eine lächerliche Idee war. Mich an all die wunderbaren Aspekte meiner damaligen Arbeitserfahrung zu erinnern, half aber auch nicht dagegen, dass ich mich damals frustriert, verwirrt und festgefahren fühlte.

Damals schrieb ich über Selbstverbesserung, insbesondere in Bezug auf die Arbeit und Karriere. Im Großen und Ganzen war meine Arbeit interessant und machte mir viel Spaß. Ich las Bücher über Produktivität und Zeitmanagement und fasste die interessantesten Erkenntnisse in kurzen Artikeln zusammen. Ich schrieb über meine Erfahrungen mit den täglichen Routinen erfolgreicher und mächtiger Menschen wie Tim Ferris und Donald Trump. (Spoiler: Um 5 Uhr morgens aufzuwachen, um die Nachrichten zu sehen, so wie Trump es tut, ist definitiv nichts für mich. Aber um 11 Uhr morgens zur Arbeit zu gehen, nachdem man langsam Tee getrunken und meditiert hat, wie Ferris, könnte wirklich etwas für mich sein.)

Zudem veröffentlichte ich Themen wie "Zeichen dafür, dass ihr sympathisch seid" oder "dass eure Beziehungen stark sind." Business Insider hat viele Artikel in dieser Richtung veröffentlicht; sie waren clever und haben bei unseren Leserinnen und Leser viel Anklang gefunden. Jedoch waren es nicht meine Lieblingsgeschichten und irgendwann hat wohl auch unsere Leserschaft das Interesse an ihnen verloren.

Die Redaktionsleitung war jedoch weiterhin der Meinung, dass diese Geschichten wertvoll seien – und gab sie weiterhin in Auftrag. Ich akzeptierte zähneknirschend, auch wenn ich wusste, dass ich lieber tiefer gehende Geschichten schreiben würde. Ich hätte lieber Features geschrieben über Unternehmertum oder Analysen neuer Forschungsergebnisse zur Geschlechterdynamik am Arbeitsplatz – eben Geschichten, die meine eigene Neugier erwecken. Immerhin möchte ich mit meinen Texten Leserinnen und Leser dazu zu bringen, anders über ihre Karrieren nachzudenken.

All dies geschah, kurz nachdem ich geheiratet hatte. Nun, da die hektischen Monate der Auswahl von Caterern, Bands und Blumensträußen hinter mir lagen, hatte ich etwas mehr Energie und Platz in meinem Kalender. Also bewarb ich mich bei anderen Stellen und verabredete mich mit Bekannten, die bei Unternehmen arbeiteten, für die ich gerne schreiben würde. Daraus wurde nichts – zum Glück, denn zu dieser Zeit änderten sich die Dinge für mich auf der Arbeit.

 - Copyright: McGraw Hill
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Eine Reporterin aus meinem Team interviewte eine Führungskraft zu ihren Lieblingsinterviewfragen. Eine davon war: "Was ist das Beste und das Schlimmste an Ihrem derzeitigen Job?" Meine damalige Chefin ist eine außergewöhnlich neugierige und mitfühlende Person. Nachdem sie die Geschichte der Reporterin veröffentlicht hatte, schickte sie eine Nachricht an alle, die ihr unterstellt waren, und bat jeden von uns, das Beste und das Schlimmste an unserem Job bei Business Insider zu beschreiben.

Es war leicht, ihr die besten Seiten meines Jobs zu schildern, aber ich erinnere mich, dass meine Hände über der Tastatur schwebten und ich mich fragte, wie ehrlich ich mit dem Rest sein sollte. Schließlich schrieb ich, dass es mir nicht immer Spaß machte, diese "Zeichen dafür …"-Listicals zu veröffentlichen, weil sie aus meiner Sicht wichtige Themen nur oberflächlich behandelten, und dass die Leser vielleicht auch nicht gerade begeistert davon waren.

Meine Redakteurin schrieb fast sofort zurück: Sie würde diese Kommentare bei der Vergabe von Aufträgen berücksichtigen. Danach habe ich nie wieder einen solchen Text schreiben müssen.

Die ganze Situation hätte ganz anders aussehen können

Vielleicht hätte ich eine der Stellen, auf die ich mich beworben hatte, bekommen, bevor meine Lektorin überhaupt die Gelegenheit hatte, diese Fragen zu stellen. Oder wenn ich eine andere Art von Führungskraft gehabt hätte, hätte sie diese Fragen vielleicht gar nicht gestellt. Ich hätte meine Bedenken womöglich nie geäußert und wäre bis heute noch verärgert und frustriert. Oder vielleicht wären die Aufträge, gegen die ich mich wehrte, entscheidend für meine Arbeit gewesen, und ich hätte mich entscheiden müssen, sie zu erledigen oder zu gehen.

In vielerlei Hinsicht hatte ich Glück. Aber was mir jetzt klar ist: Es gibt so viele produktivere Möglichkeiten, wie ich mit meiner Unzufriedenheit hätte umgehen können. Hier sind vier Dinge, die ich damals schon hätte ändern können.

1. Ich hätte die Unternehmenskultur von Anfang an beurteilen können

Das bedeutet, dass ihr euch fragen müsst: „Habe ich eine Vorgesetzte, die aufgeschlossen wäre und mich sogar unterstützen würde, wenn ich ihr sage, dass mir ein Teil meiner Arbeit nicht gefällt?“ Manche Menschen könnten sich jetzt sofort denken: absolut nicht! In diesem Fall ist völlige Offenheit vielleicht nicht der beste Ansatz.

In meinem Fall lautete die Antwort jedoch "Ja" – was bedeutet, dass hinter meinem Widerwillen, offen zu sein, etwas anderes steckte als die Angst, sie zu verärgern. Ich vermute, dass ich auf einer gewissen Ebene befürchtete, dass die Redaktionsleitung mich nicht mehr für fähig genug halten würde, mehr von diesen Beiträgen zu schreiben. Es war wohl einfacher, sich darüber zu beklagen, dass ich nicht die nötige Unterstützung und Ermutigung bekam.

2. Ich hätte erklären können, wie ein anderer Ansatz dem gesamten Unternehmen nützen würde


Eine weitere Sache, die mir gelungen ist, die ich aber trotzdem hätte besser machen können, ist: Meinen Wunsch, etwas anderes zu machen, besser zu kommunizieren. In meiner E-Mail an meine Redakteurin habe ich gesagt, dass die Artikel bei den Leserinnen und Lesern nicht besonders gut ankommen. Ich hätte aber darüber hinaus weitere Ideen einbringen können.

Ich hätte Statistiken finden können, dass einige Artikel gefloppt waren und andere deutlich besser ankamen. Dann hätte man die jeweiligen Artikel vergleichen können, um zu sehen, was wir anders machen. Vielleicht hätte ich für dasselbe Thema eine bessere Story vorschlagen können, da ich ja eigentlich wusste, dass die andere Texte mehr gelesen werden.

Was ich damit meine: Wenn ihr eurem Chef oder eurer Chefin sagen wollt, dass ihr einige eurer Verantwortungen aufgeben wollt, solltet ihr auch begründen können, warum und vielleicht neue Ansätze vorschlagen. Es ist ein Zeichen dafür, dass ihr euch eurer Rolle bewusst seid – was übrigens bei Vorgesetzten immer gut ankommt. Und wenn ihr dann auch noch mit Statistiken und alternativen Ideen ankommt, können eure Vorgesetzten diese weiterleiten und euch bei euren Wünschen entgegenkommen.

3. Ich hätte nicht davon ausgehen sollen, dass meine Chefin weiß, wie ich mich fühle


Oder besser gesagt: Ich hätte wissen müssen, dass egal wie einfühlsam und sympathisch meine Chefin auch sein mag, sie keine Gedanken lesen kann. Wenn ich ihr nicht sage, wie es mir bei meinen Aufgaben geht, ist klar, dass sie das auch nicht wissen kann.

4. Ich hätte mich nach Möglichkeiten umsehen sollen


Es ist nicht schlimm, wenn ihr euch nach neuen Möglichkeiten und Alternativen umseht. Ihr solltet stets einen Vergleich zu eurem aktuellen Job haben. Interessanterweise ermutigt Netflix seine Angestellten zum Beispiel, Vorstellungsgespräche bei anderen Unternehmen zu haben und dann mit ihren Vorgesetzten über diese Informationen zu reden. Mit Leuten zu reden, die nicht eure Vorgesetzten sind, kann euch dabei helfen, zu sehen, was ihr euch eventuell bei eurem Job wünscht.

Doch den Job zu wechseln, sollte nicht der einzige Ausweg sein. Es gibt auch andere Lösungswege, ihr könnt beispielsweise mit euren Vorgesetzten reden und gemeinsam nach Änderungen suchen.

Ich glaube sogar, dass wenn ich eine dieser anderen Stellen angenommen hätte, ich wieder an dem Punkt wäre, an dem mir meine Aufgaben und Verantwortungen nicht gefallen – ich dazu aber nichts sage. Was ich damit versuche zu sagen: Auch wenn ihr einen neuen Job annehmt, solltet ihr herausfinden, was euch wichtig ist, damit ihr explizit danach suchen könnt.

Ausschnitt aus dem Buch Don't Call It Quits: Turn the Job You Have into the Job You Love von Shana Lebowitz Gaynor. Copyright 2022, McGraw Hill.

Dieser Artikel wurde von Meltem Sertatas aus dem Englischen übersetzt. Den Originaltext findet ihr hier.