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Die Sorge um den Coronavirus lastet auf der Wall Street

Trotzpositiver Arbeitsmarktdaten in den USA beenden die US-Indizes die Handelswoche im Minus. Grund bleibt die Unsicherheit über die Folgen des Coronavirus.

Sorgen über die Ausbreitung des neuen Coronavirus haben der Rekordjagd an der Wall Street zunächst ein Ende gesetzt. Zum Wochenausklang zeigten sich die wichtigsten Indizes schwächer ungeachtet positiv aufgenommener Arbeitsmarktdaten.

„Investoren sollten auf die Folgen des Coronavirus für die globalen Lieferketten achten“, sagte John Veil von Nikko Asset Management. Rick Meckler von Cherry Lane Investments verwies auf die Nachrichten aus China, die auf größere Auswirkungen der Epidemie auf die Volksrepublik hindeuteten „als was sich die Leute vorgestellt haben“.

Der Dow Jones verlor 0,9 Prozent auf 29.102,5 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 0,5 Prozent auf 9520,5 Punkte nach und der breit gefasste S & P 500 büßte ebenfalls 0,5 Prozent auf 3327 Zähler ein.

Die Hoffnung auf eine rasche Eindämmung des Coronavirus hatte den Index zuvor vier Tage in Folge steigen lassen. Für die Gesamtwoche legte der Dow daher trotzdem drei Prozent, die Nasdaq etwa vier Prozent und der S & P 500 3,2 Prozent zu. Der Dax war am Freitag um 0,5 Prozent auf 13.514 Punkte gefallen, der EuroStoxx50 lag 0,2 Prozent niedriger.

Der US-Arbeitsmarkt präsentierte sich in robuster Verfassung. Im Januar entstanden 225.000 neue Jobs und damit mehr als die von Volkswirten erwarteten 160.000. Allerdings wurden zwischen April 2018 und März 2019 514.000 Arbeitsplätze weniger geschaffen als ursprünglich geschätzt. Auf dem derzeitigen Kursniveau seien zu starke Wirtschaftsdaten gar nicht gewollt, da sie höhere Zinssätze nach sich ziehen könnten, sagte Stratege Rick Meckler vom Vermögensverwalter Cherry Lane Investments.

Einzelwerte im Fokus

Die Aktien von US-Kreuzfahrt-Anbietern gerieten wegen der Erkrankungen von Passagieren an Bord unter Druck. Die Papiere von Royal Caribbean, Carnival und Norwegian verloren jeweils zwischen etwa 3,6 und 4,7 Prozent.

Aktien von Ebay fielen um 4,7 Prozent, nachdem der Börsenbetreiber Intercontinental Exchange (ICE) von einer möglichen Übernahmeofferte für das Online-Auktionshaus abrückte.

Ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft brockte Take-Two einen Kursrutsch ein. Die Aktien des Anbieters von Videospielen wie „Grand Theft Auto“ sackten um fast zwölf Prozent ab.

Gefragt waren hingegen die Aktien von Uber, die 9,5 Prozent zulegten. Der US-Fahrdienstvermittler will dank starker Kundennachfrage ein Jahr früher erste Gewinne präsentieren als bislang geplant.

Apple-Aktien verloren 1,6 Prozent. Der iPhone-Hersteller verlängert die Schließung von Filialen in China wegen des Coronavirus um einige Tage. Analyst Timothy Arcuri von der Bank UBS sieht in der Epidemie Risiken für das erste Quartal von Apple.

T-Mobile US meldete für das vierte Quartal einen Gewinnsprung und ein starkes Kundenwachstum. Die Papiere der Tochter der Deutschen Telekom legten um 3,2 Prozent zu.

Pinterest schnellten um fast zehn Prozent hoch. Das soziale Netzwerk erreichte im vierten Quartal beim Umsatz erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar. Auch das Nutzerwachstum kam gut an. Um neun Prozent aufwärts ging es nach einem starken vierten Quartal für den Fahrdienstanbieter Uber.

Ebay fielen um 4,7 Prozent. Die Betreiberin der New Yorker Börse, die Intercontinental Exchange (ICE), hat die Pläne zum Kauf des Online-Marktplatzes ad acta gelegt. Ebay hatte kein Interesse an einer Übernahme gezeigt und Analysten zudem die Logik eines solchen Deals angezweifelt. Die ICE-Aktien gewannen 2,8 Prozent.

Größter Gewinner im Nasdaq 100 waren die Aktien von Norton Lifelock, die um zwölf Prozent nach oben schnellten. Der Spezialist für Sicherheitssoftware für Privatnutzer verdiente im vierten Quartal 2019 drei mal soviel, als Analysten im Konsens erwartet hatten.

Der Eurokurs rutschte nach den starken US-Arbeitsmarktdaten auf den niedrigsten Stand seit etwa vier Monaten. Zuletzt notierte er mit 1,0947 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0969 US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9117 Euro gekostet. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen legten um 17/32 Punkte auf 101 16/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 1,58 Prozent.