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Wall Street beendet Handelswoche im Plus

Die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China haben die Anleger verschreckt. Nach einer Berg- und Talfahrt hat der Dow noch 0,3 Prozent zugelegt.

In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange. Foto: dpa

Die US-Börsen haben am Freitag nach einer Berg- und Talfahrt mit leichten Kursgewinnen geschlossen. Zunehmende Spannungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie trübten die Stimmung bei Anlegern in den USA zum Wochenschluss. Unterstützt wurde die Wall Street von der Hoffnung auf eine baldige Wiederbelebung der Konjunktur. Der Dow Jones schloss 0,3 Prozent höher auf 23.685 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 0,8 Prozent auf 9014 Stellen vor. Der breit gefasste S & P 500 legte 0,4 Prozent auf 2863 Zähler zu.

In Frankfurt war der Dax 1,2 Prozent fester bei 10.465,17 Punkten aus dem Handel gegangen – auf Wochensicht bleibt damit ein Minus von vier Prozent.

Für Gesprächsstoff sorgte der Einbruch der Einzelhandelsumsätze, die einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsleistung in den USA darstellen. Sie sanken im April um 16,4 Prozent, das ist das stärkste Minus seit Beginn der Datenerhebung 1992. „Von schlecht zu schlechter zu am schlechtesten – die US-Wirtschaft befindet sich mitten im freien Fall“, sagte Marktanalyst Christopher Vecchio vom Informationsdienst Dailyfx.com. „Auch wenn die Zinskurve etwas anderes signalisiert – nämlich eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 20 Prozent für eine Rezession binnen zwölf Monaten – ist es offensichtlich, dass die Furcht vor einem größeren wirtschaftlichen Rückgang gut begründet ist.“

Für Ernüchterung sorgte eine US-Entscheidung, den chinesischen Netzwerkausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei von der Belieferung mit US-Chips abzuschneiden. China reagierte und kündigte einem Zeitungsbericht zufolge an, US-Firmen auf eine Schwarze Liste zu setzen. Zu den Firmen, die dem Bericht zufolge von chinesischen Vergeltungsmaßnahmen betroffen sein könnten, zählten unter anderem Apple, Cisco, Qualcomm oder Boeing.

Die Aktien des Flugzeugbauers gaben rund zwei Prozent nach, Apple 0,6 Prozent. Qualcomm verloren mehr als fünf Prozent. Der Chiphersteller dürfte direkt unter dem Vorgehen der US-Regierung leiden.

Insgesamt gaben acht der elf wichtigen Branchenindizes im S & P nach. Die stärksten Kursverluste verzeichneten der Immobilien- und der Versorgerindex. Aufwärts ging es dagegen für den Gesundheits-, Verbrauchsgüter- und Energiebereich. Letzterer profitierte vom Anstieg des Ölpreises: Der Preis für US-Leichtöl stieg um 6,3 Prozent auf 29,30 Dollar je Barrel (159 Liter). Er profitierte von Anzeichen für eine steigende Nachfrage.

Blick auf die Einzelwerte

Zu den Gewinnern zählten dagegen General Motors mit einem Aufschlag von 1,4 Prozent. Der Autobauer hatte zuvor berichtet, dass die Branche Anfang Mai erste positive Zeichen beim Absatz gesehen habe.

Nike erwartet eine Belastung der Finanzergebnisse im laufenden Geschäftsquartal durch die coronabedingten Filialschließungen rund um den Globus. Das teilte der Adidas- und Puma-Konkurrent am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Der US-Sportartikelhersteller fährt zwar sein E-Commerce-Geschäft hoch, um die gestiegenen Internetbestellungen stemmen zu können. Aber je nach Land sind nach Angaben des Managements derzeit nur fünf bis 40 Prozent der Nike-Filialen offen. In mehr als 15 Ländern hat das Unternehmen nach den Schließungen im Zuge der Viruskrise wieder Geschäfte geöffnet, darunter Deutschland, Frankreich, Brasilien und die USA. Nachdem die Papiere zunächst um 0,3 Prozent nachgaben, schlossen sie mit einem Plus von 0,5 Prozent.

Einen deutlichen Anstieg verzeichneten die Papiere von Office Depot: Sie legten um 6,5 Prozent zu. Das Unternehmen kündigt die Streichung von rund 13.100 Arbeitsplätzen und die Schließung von Filialen an. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2023 umgesetzt werden und zu Nettoeinsparungen von 860 Millionen Dollar führen, wie das Management bekanntgab. Zugleich werden durch den Abbau Belastungen von bis zu 543 Millionen Dollar erwartet. Der US-Büroartikelhersteller will sich künftig stärker auf sein Geschäft mit IT-Dienstleistungen konzentrieren.

Unter den Einzelwerten schossen Sorrento Therapeutics mit einem Kursgewinn von 158 Prozent den Vogel ab. Das Biotech-Unternehmen soll Medienberichten zufolge einen Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt haben.

Die Papiere von J.C. Penney schnellten um mehr als 21 Prozent nach oben. Zuvor hatte die von der Insolvenz bedrohte Warenhauskette mitgeteilt, bereits am 7. Mai eine fällige Zinszahlung geleistet zu haben.

Die Papiere von Abbott Laboratories fielen dagegen um gut 2 Prozent. Der Medizintechnik-und Pharmakonzern hatte im März einen Corona-Schnelltest per Notfallzulassung auf den Markt gebracht, der nun aber in der Kritik steht. Die Arzneimittelbehörde FDA meldete unter Verweis auf mehrere Studien Zweifel an der Zuverlässigkeit negativer Testergebnisse an.

Der US-Hersteller von Vans-Schuhen und Timberland-Stiefeln VF Corp rechnet wegen der durch das Coronavirus verursachten Ladenschließungen im laufenden Quartal mit Umsatzeinbußen von mehr als der Hälfte. Die Anleger strafen dies mit Verkäufen ab, die Titel verloren 6,28 Prozent.

„In den ersten zehn Monaten des Fiskaljahres 2019/2020 hat unser Unternehmen Ergebnisse erzielt, die über unseren langfristigen Wachstumszielen liegen. Dann veränderte sich die Welt für uns alle wegen COVID-19“, sagte VF-Corp-Chef Steve Rendle.

Davon seien auch die Lieferanten betroffen, ferner würden viele Werke mit reduzierter Kapazität arbeiten. Für das im März beendete vierte Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 meldete das in Denver, Colorado, ansässige Unternehmen einen Nettoverlust von 483,8 Millionen Dollar, verglichen mit einem Gewinn von 128,8 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.

Der Nettoumsatz sank um etwa zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar und lag damit unter den Analysten-Schätzung von 2,28 Milliarden Dollar. VF-Corp gab keinen Ausblick auf das aktuelle Geschäftsjahr 2020/2021.