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Wahlprogramm im Check: Das versprechen die Grünen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

·Lesedauer: 6 Min.
Die Grünen wollen mehr Flexibilität beim mobilen Arbeiten ermöglichen
Die Grünen wollen mehr Flexibilität beim mobilen Arbeiten ermöglichen

Die Corona-Pandemie hat Familien nochmal besonders gefordert: Kitas und Schulen waren wochenlang geschlossen, Eltern mussten ihre Kinder zu Hause unterrichten und zeitgleich arbeiten. Für viele war es schwierig, Familie und Beruf zu vereinen. Auch mit Blick auf die Bundestagswahl hat das Theme viele Wählerinnen und Wähler beschäftigt. In einer Civey-Studie für Business Insider gaben 27 Prozent der Befragten an, dass Vereinbarkeit für Familie und Beruf für ihre Wahl eine entscheidende Rolle spiele.

Doch was planen die Parteien, um Familien bei der Vereinbarkeit mit dem Beruf zu unterstützen? Business Insider hat sich das Wahlprogramm der Grünen angesehen.

Zeit für die Familie

Elternzeit und Elterngeld: Die Grünen wollen das Elterngeld unter dem Namen „KinderZeit Plus" auf 24 Monate ausweiten: Beide Elternteile sollen sich dabei jeweils acht Monate Elternzeit nehmen können. Weitere acht Monate können flexibel untereinander aufgeteilt werden. Bislang stehen den Eltern gemeinsam regulär nur 14 Monate Elterngeld zu, wenn beide die Kinder betreuen und den Eltern damit Einkommen entgeht. Davon muss ein Elternteil (häufig der Vater) jedoch mindestens zwei Monate in Elternzeit gehen, sonst bekommen beide Elternteile nur zwölf Monate lang Elterngeld.

Auch für Eltern, die während der Elternzeit wieder in Teilzeit arbeiten möchten, haben die Grünen ein Modell: das sogenannte "KinderZeit Plus Teilzeit". Eltern können dieses Modell bis zum 14. Geburtstag des Kindes in Anspruch nehmen. Dabei sollen auch Familien von Kindern mit Behinderung besonders berücksichtigt werden. Aktuell beträgt das Elterngeld maximal 1800 Euro.

Elternschaftszeit: Für die Zeit nach der Geburt wollen die Grünen auch dem zweiten Elternteil eine zweiwöchige Freistellung vom Job ermöglichen. Außerdem sollen die Mutterschutzregelungen auch nach einer Totgeburt ab der 20. Schwangerschaftswoche möglich sein.

Kinderkrankengeld: Den Anspruch auf Kinderkrankengeld wollen die Grünen auf 15 Tage statt bislang 10 Tage im Jahr pro Kind und Elternteil anheben. Alleinerziehende sollen statt 20 nun 30 Tage Kinderkrankengeld bekommen. In der Corona-Pandemie war der Anspruch auf Kinderkrankengeld zwischenzeitlich schon angehoben worden. Auch hier gilt der Anspruch bis zu einer Altersgrenze von 14 Jahren. Ein ärztliches Attest wird erst ab dem vierten Erkrankungstag des Kindes verpflichtend.

Unterstützung für Alleinerziehende: Der Mindestunterhalt für Kinder und Jugendliche soll neu ermittelt werden, damit steigt auch der Mindestunterhalt für Alleinerziehende. Außerdem wollen die Grünen bei getrennt erziehenden Eltern auch zusätzliche Kosten für die Betreuung der Kinder mit einberechnen. Das soll auch für diejenigen gelten, die Grundsicherung erhalten. Wenn die Eltern krank werden, sollen eine ergänzende Kinderbetreuung oder Unterstützung im Haushalt übernommen werden.

Flexible Arbeitszeiten für Eltern und Recht auf mobiles Arbeiten: Die Grünen wollen es allen Arbeitnehmern erleichtern, selbst flexibler über die eigene Arbeitszeit zu bestimmen, damit sich Familie und Beruf besser vereinen lassen. Dafür schlägt die Partei zum Beispiel vor starre Vorgaben für einen Vollzeitjob durch flexible Arbeitszeitmodelle zu ersetzen. Wie das genau aussehen soll, lassen die Grünen jedoch offen. Allerdings will die Partei ein Recht auf mobiles Arbeiten einführen, damit Beschäftigte ihre Arbeit besser an das Familien- und Privatleben anpassen können. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte das Recht auf Homeoffice auch für die Zeit nach der Pandemie gefordert und dazu einen Gesetzesentwurf vorgelegt, die Union wehrte einen Rechtsanspruch jedoch ab.

Kinderbetreuung und Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen: Die Grünen setzen sich für einen individuellen
Rechtsanspruch für jedes Grundschulkind auf Ganztagsbildung und -betreuung ein. Rechtlich ist dieser bereits unter SPD und Union beschlossen worden. Dabei setzen sich die Grünen dafür ein, dass sich der Bund an den Kosten für den Rechtsanspruch beteiligt.

Gerechte Aufteilung der Sorgearbeit und besser Löhne für Frauen: Die Grünen wollen es mehr Frauen ermöglichen beruflich aufzusteigen. Deshalb spricht sich die Partei für eine „kluge Zeitpolitik" aus, die es ermöglicht die Arbeit in der Familie geschlechtergerecht aufzuteilen. Das heißt, insbesondere Väter sollen gleichermaßen Verantwortung und Sorgearbeit in der Familie übernehmen. Alleinerziehende sollen dabei nicht benachteiligt werden. Genaue Details zur "klugen Zeitpolitik" gibt es jedoch nicht im Programm. Zudem wollen sich die Grünen dafür einsetzen, dass Berufe, die vor allem von Frauen ausgeübt werden, bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung bekommen.

Diskriminierung am Arbeitsmarkt: Die Grünen wollen Eltern rechtlich vor Diskriminierung am Arbeitsmarkt schützen. Sie sollen nicht benachteiligt werden, nur weil sie Kinder haben. Die Partei schlägt deshalb vor die Rechtsberatung für Eltern auszubauen und ein Recht auf die Job-Rückkehr in Vollzeit einzuführen, das auch für kleinere Betriebe gilt.

Steuern: Bislang bevorzugt das deutsche Steuerrecht aus Sicht der Grünen das Modell eines männlichen Ernährers und einer Frau, die dazu verdient und sich hauptsächlich um Haushalt und Kinder kümmert. Alleinerziehende oder nicht verheiratete Paare hingegen werden benachteiligt. Die Grünen bewerten dieses Modell deshalb als ungerecht, weil es Frauen hemmt, arbeiten zu gehen und sie zeitgleich, etwa bei der Rente, nicht wirklich absichert. Deshalb wollen die Grünen für neu geschlossene Ehen eine individuelle Besteuerung mit einem Grundfreibetrag einführen, der sich auch auf den Partner oder die Partnerin übertragen lässt. Weiterhin will die Partei die heute stärker belastete Zweitverdienerin entlasten, indem sie mitunter die Steuerklasse 5 für Zuverdiener abschafft. So wollen die Grünen dafür sorgen, dass gleichberechtigte Lebensentwürfe – in denen beide in der Partnerschaft gleich viel arbeiten gehen und sich beide um die Kinder kümmern – nicht benachteiligt werden. In Zukunft können sich Paare also entscheiden, ob sie einzeln besteuert werden wollen oder weiterhin das Ehegattensplitting nutzen wollen.

Bessere Vereinbarkeit für Beruf und Familie in der Pflege, der Wissenschaft und in der Digitalwirtschaft

Pflege und Gesundheitsbereich: Die Arbeitsbedingungen in der Pflege wollen die Grünen durch mehr Lohn, Arbeitsschutz, aber vor allem durch einen verbindlichen, bedarfsgerechten Personalschlüssel verbessern. Mit diesen Verbesserungen soll es für Beschäftigte in medizinischen Berufen einfacher werden, Beruf und Familie zu vereinen, etwa durch neue Arbeitszeitmodell wie einer 35-Stunden-Woche in der Pflege mit vollem Lohnausgleich.

Wissenschaft: In der Wissenschaft wollen die Grünen mit Zielquoten einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent auf allen Ebenen einführen. Außerdem soll es explizit eine Strategie für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf geben. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, die es erlauben Sorge- und Familienarbeit zu leisten. Zudem wollen die Grünen jungen Wissenschaftlerinnen Berufswege ermöglichen, die planbar und sicher sind, indem sie den hohen Befristungsanteil im Wissenschaftsbereich senken.

Digitalwirtschaft: Die Grünen wollen Frauen helfen in die Digitalbranche einzusteigen, auch wenn sie einen anderen beruflichen Hintergrund haben. Dabei soll es Ausbildungswege geben, die sich auch mit Familie vereinbaren lassen.

Fazit

Um es Eltern leichter zu machen, Kinder und Beruf zu vereinen, setzen die Grünen auf längere Elternzeiten für Kinder, mehr Kinderkrankentage und flexible Arbeitszeiten. So weit, so bekannt. Doch nicht nur durch diese klassischen Werkzeuge soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestärkt werden. So nehmen die Grünen bestimmte Branchen besonders in den Blick, außerdem sollen Eltern rechtlich noch einmal besonders vor Diskriminierung im Job geschützt werden.

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