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VW-Chef wirft Aufsichtsräten Rechtsbruch vor – Aufseher diskutierten Diess-Rauswurf

Vor 3400 VW-Managern hat Vorstandschef Herbert Diess den Aufsichtsratsspitzen Straftaten vorgeworfen. Am Montag diskutierten die Aufseher auch über einen Rauswurf von Diess.

Der VW-Konzernchef steht unter Druck. Foto: dpa

Prominenter hätte Volkswagen-Chef Herbert Diess seine Nachricht an die Spitzen des Aufsichtsrats kaum platzieren können. Vor 3400 Topmanagern beschuldigte er die Mitglieder des Präsidiums, dass sie Firmeninterna an Medien durchgestochen hätten. „Das sind Straftaten, die im Aufsichtsratspräsidium passiert und dort offensichtlich zugeordnet werden können“, hatte Diess gesagt.

Die Konferenz mit den Führungskräften fand am vergangenen Donnerstag statt – wenige Tage nach einer Aufsichtsratssitzung, auf der Diess sich wegen operativer Missstände hatte erklären müssen. Mehrere Zuhörer bestätigten dem Handelsblatt die Aussagen von Diess. Zuvor gab es Medienberichte über Probleme bei den wichtigen Modellen Golf 8 und ID.3. Diess sei darüber sehr verärgert gewesen, hieß es.

Für Diess hatte die Anschuldigung ernste Folgen. Die Mitglieder des Präsidiums seien sehr erzürnt gewesen, hieß es aus deren Umfeld. Sie wurden noch am Donnerstag über die Vorwürfe von Diess informiert. Dem Gremium gehören neben dem Vorsitzenden Hans Dieter Pötsch noch Wolfgang Porsche, Stephan Weil, Jörg Hofmann, Bernd Osterloh und Peter Mosch an.

Auf einen Schlag brachte Diess damit die wichtigsten Akteure aus dem Aktionärskreis sowie aus dem Betriebsrat gegen sich auf. Porsche ist Vertreter des größten Anteilseigners, der Familie Porsche/Piëch, und Weil (SPD) vertritt als Ministerpräsident von Niedersachsen die Interessen des Landes, des zweitgrößten Aktionärs.

Auf einer eilig einberufenen Sitzung beriet der Aufsichtsrat am Donnerstag über die Zukunft von Diess. Einige Aufseher hätten einen Rauswurf des Managers favorisiert. Da das Gremium aber so kurzfristig einberufen worden sei, habe es formale Bedenken gegeben.

Am Montag kamen die Aufsichtsräte daher zu einer weiteren außerordentlichen Sitzung zusammen. Letztlich entschied das Gremium dann, dass Diess die Leitung über die Kernmarke VW entzogen werden soll.

Mit der Führung wurde nun Ralf Brandstätter betraut, der VW bereits operativ leitet. Offiziell begründete VW den Wechsel damit, dass Diess mehr Freiraum als Vorstandsvorsitzender erhalten solle. Der eigentliche Grund sei aber der Vorwurf des Rechtsbruchs, wie es in den Kreisen hieß.

Ein VW-Sprecher bestätigte, dass Diess sich gegenüber dem Aufsichtsrat entschuldigt habe wegen Äußerungen auf der Managementtagung.

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