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Volkswagen arbeitet mit Microsoft an Software für selbstfahrende Autos

Menzel, Stefan
·Lesedauer: 4 Min.

Der Autokonzern kooperiert mit dem US-Softwareriesen bereits beim Aufbau einer Fahrzeug-Cloud. Einen Zugriff auf VW-Daten soll Microsoft nicht bekommen.

In Sachen autonomes Fahren setzt VW nun auf die Hilfe Microsoft. Foto: dpa
In Sachen autonomes Fahren setzt VW nun auf die Hilfe Microsoft. Foto: dpa

Volkswagen holt sich für die Entwicklung von Software für selbstfahrende Autos Microsoft an Bord. Ziel der Zusammenarbeit sei es, durch die Kenntnisse des US-Konzerns im Bereich Cloudcomputing und Software-Engineering die Bereitstellung von Anwendungen zu beschleunigen. Dies sagte der Chef von Volkswagens Softwaretochter Car.Software.Org (CSO), Dirk Hilgenberg, am Donnerstag. Volkswagen erhoffe sich davon verkürzte Entwicklungszyklen.

Dabei geht es um die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen, automatisierten Fahrfunktionen und letztlich auch um Software-Updates, die wie bei Tesla per Datennetz vorgenommen werden. „Diese Funktionalität muss da sein. Wenn man das nicht kann, wird man Boden verlieren“, ergänzte Hilgenberg.

Microsofts Cloud-Vizepräsident Scott Guthrie verglich das mit Smartphones, die inzwischen regelmäßig im Hintergrund Updates vornehmen. „Es ist eine sehr tief greifende Partnerschaft“, fügte Guthrie hinzu. VW solle zum Beispiel eigene Software-Werkzeuge auf Basis der Microsoft-Dienste entwickeln.

Außer der sicheren Übertragung von Daten bringt der Software-Konzern auch sein Know-how bei Künstlicher Intelligenz in die Kooperation mit ein. Einen Zugriff auf die Daten von Volkswagen bekomme Microsoft nicht, betonte Guthrie. Der VW-Konzern sei der Auftraggeber, Microsoft arbeite wie ein normaler Dienstleister ohne besondere Rechte.

Das VW-eigene CSO wird gemeinsam mit Microsoft im Rahmen des neuen Projektes eine Cloud-basierte „Automated Driving Platform“ (ADP) aufbauen, die Microsoft-Azure-Cloud- und Datendienste nutzt, um die automatisierten Fahrfunktionen schneller realisieren zu können.

Microsoft hilft bei Verarbeitung von Datenmengen

Volkswagen profitiert dabei von den Erfahrungen von Microsoft, die der Wolfsburger Autohersteller selbst nicht besitzt. Außer beim Fahren will VW auch bei neuen automatischen Parkfunktionen mit Microsoft zusammenarbeiten.

Fahrerassistenzsysteme und automatisiert fahrende Fahrzeuge können die Sicherheit verbessern und zugleich Staus reduzieren. Die Entwicklung solcher Lösungen erfordert enorme Rechenleistungen. Jeden Tag müssen dafür gewaltige Datenmengen über Straßen- und Wetterbedingungen, Hinderniserkennung und Fahrverhalten für die automatisierten Fahrfunktionen verarbeitet werden.

Algorithmen, die aus Milliarden realer und simulierter Fahrkilometer lernen, sind ein Schlüssel für die Entwicklung vernetzter Fahrfunktionen. Microsoft hilft Volkswagen bei der Verarbeitung dieser großen Datenmengen.

„Die konsistente Speicherung und intelligente Verarbeitung all dieser Daten ist die Basis für eine effiziente Entwicklung und damit für sichere Kundenfunktionen“, sagte CSO-Chef Hilgenberg. Beim Aufbau der neuen Plattform gehe es vor allem darum, zusammen mit Microsoft eine einheitliche Prozesslandschaft mit gut vernetzten digitalen Werkzeugen zu errichten.

Autokonzerne wie Daimler und VW arbeiten derzeit an eigenen Betriebssystemen, um IT-Giganten wie Apple, Google oder Amazon das Geschäft mit den Autodaten nicht zu überlassen. Der Volkswagen-Konzern hat Software-Entwickler von Konzernmarken wie Audi, Porsche und VW in der neu gegründeten Car.Software.Org mit zuletzt rund 5000 Mitarbeitern zusammengezogen, die auch ein neues Auto-Betriebssystem namens VW.OS entwickeln.

Bis zum Jahr 2025 soll die Zahl der Mitarbeiter weltweit auf rund 10.000 steigen. Der VW-Konzern will den Anteil der selbst entwickelten Software in derselben Zeit von aktuell zehn auf 60 Prozent steigern.

Volkswagen pflegt Kooperationen

Volkswagen und Microsoft kooperieren bereits beim Aufbau einer Automotive-Cloud („VW.AC“), mit der künftig digitale Dienste und Mobilitätsangebote rund um das Auto entwickelt werden. Die ersten mit der VW.AC vernetzten Testflotten sollen noch in diesem Jahr auf die Straße kommen, ein Serienanlauf ist für 2022 geplant

Der Wolfsburger Autohersteller arbeitet außerdem mit Unterstützung des US-Konzerns Amazon an einer „Industrial Cloud“, mit der alle Fabriken des Konzerns in den kommenden Jahren vernetzt werden. Weltweit hat der VW-Konzern rund 120 Produktionsstandorte.

Die Entwicklung des autonomen Fahrens hat der VW-Konzern nicht nur bei der Ingolstädter Car.Software.Org angesiedelt. Volkswagen hat sich außerdem an der Ford-Tochter Argo AI beteiligt, die ebenfalls autonome Systeme entwickelt.

In der Kooperation mit der Ford-Tochter geht es darum, vollständig autonome Systeme vor allem für den Nutzfahrzeugbereich zu entwickeln. Dort lohnt der immense Entwicklungsaufwand, um eines Tages die Fahrer vollständig zu ersetzen. Speditionen und andere Unternehmen aus dem Logistikbereich könnten damit die Personalkosten entscheidend senken.

Wegen der hohen Kosten glauben die meisten Autohersteller nicht, dass autonome Systeme den Fahrer in privaten Pkw vollständig ersetzen werden. Dort geht es um teilautonome Systeme, die den Fahrer etwa über Assistenzsysteme entlasten und für mehr Komfort sorgen. Der finanzielle Aufwand dafür ist entsprechend geringer. Innerhalb des VW-Konzerns ist die neue CSO für die Entwicklung solcher Pkw-Funktionen verantwortlich.
Mit Agenturmaterial.

Mehr: Lesen Sie hier, warum US-Autokonzerne massiv in E-Autos investieren.