Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    27.641,83
    -139,19 (-0,50%)
     
  • Dow Jones 30

    35.097,40
    +259,24 (+0,74%)
     
  • BTC-EUR

    32.252,08
    -1.232,73 (-3,68%)
     
  • CMC Crypto 200

    933,92
    -9,52 (-1,01%)
     
  • Nasdaq Compositive

    14.742,33
    +61,26 (+0,42%)
     
  • S&P 500

    4.419,20
    +32,04 (+0,73%)
     

Warum das Vermögen der reichsten Deutschen hauptsächlich in Unternehmen steckt – und Forscher deshalb vor einer Vermögenssteuer warnen

·Lesedauer: 5 Min.

Die Frage nach der Verteilung des Vermögens deutscher Bürgerinnen und Bürger steht seit vielen Jahren im Fokus von politischen Debatten. Eine neue Studie der Stiftung Familienunternehmen und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt nun: Das meiste Vermögen der wohlhabendsten Menschen in Deutschland befinden sich überwiegend in Betrieben – anders als es bisherige amtliche Statistiken aufzeigten. Die Forscher und Forscherinnen der Studie warnen deshalb vor der Einführung einer Vermögenssteuer, da dies sonst negative Auswirkungen auf die Erholung der Wirtschaft nach der Pandemie sowie die Beschäftigung und andere Steuerarten hätte. Des Weiteren wurde festgestellt, dass in Ländern mit einem umfangreichen sozialstaatlichen Sicherungssystem wie in Deutschland – oder auch den skandinavischen Ländern – die Vermögensungleichheit größer ist.

Aus der Studie geht hervor, dass 56 bis 65 Prozent des Vermögens des wohlhabendsten Prozentes der Bevölkerung an Betriebe gebunden ist. Befragungsdaten der Deutschen Bundesbank zufolge sind es gerade einmal 39 Prozent. Diese hohen Werte werden mit der bereits erläuterten Wirtschaftsstruktur in Deutschlands erklärt. „Familienunternehmen tragen maßgeblich dazu bei, in allen Teilen Deutschlands gleiche Lebensbedingungen herzustellen. Das in ihnen gebundene, langfristig orientierte Vermögen dient dazu, Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärte der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Professor Rainer Kirchdörfer. Fast 60 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland werden durch Familienunternehmen gestellt.

Die Forscherinnen und Forscher weisen in der Studie darauf hin, dass Deutschland bereits zu einem der Länder zählt, welches die höchsten Steuersätze für Betriebe hat. Eine Vermögenssteuer von einem Prozent würde demnach zu einer zuzüglichen Ertragssteuerbelastung von knapp zehn Prozent führen, die sich aus der zusätzlichen Belastung bei einer Umsatzrendite von acht Prozent ergäbe. Stattdessen argumentieren die Forscherinnen und Forscher, dass ein hohes Betriebsvermögen die Eigenkapitalbasis von Unternehmen stärke. Damit würden sie weniger krisenanfällig sein.

Vermögensungleichheit in Deutschland und skandinavischen Ländern höher

Vermögensverteilungen sind dabei nicht leicht zu bewerten. Das Netto-Gesamtvermögen ergibt sich nicht nur aus dem Geldvermögen, sondern auch aus Grund- und Bodenbesitz, Anlage- und Gebrauchsvermögen gerechnet auf Einzelpersonen, Haushalte oder Gruppen von Personen.

Es gibt dabei einige besondere Eigenschaften von Betriebsvermögen gegenüber anderen Vermögensanlagen. Einer der Besonderheiten besteht im jeweiligen Kontext der Sozial- und Wirtschaftsstruktur eines Landes. Dieser ist ein wesentlicher Faktor, der zu einem internationalen Vergleich herangezogen werden muss. Denn Ländern mit einem verbreiteten sozialen Absicherungssystem bieten in der Regel weniger Anreiz für private Vermögen als Länder, die solche Absicherungssysteme nicht haben.

Ein Beispiel: im Zuge der Corona-Pandemie verloren viele Menschen in den USA ihren Job. Die Arbeitslosigkeit hat viele in eine direkte existenzielle Not gebracht. In Deutschland wurden einerseits durch staatliche Hilfsgelder für Unternehmen und Betriebe versucht, eine steigende Arbeitslosigkeit zu verhindern. Darüber hinaus erhielten private Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer Hilfeleistungen wie Kurzarbeitergeld. In Ländern mit umfangreichen sozialstaatlichen Sicherungssystemen — unter anderem Deutschland — ist die Vermögensungleichheiten höher als in anderen Ländern. Das zeigten nun internationale Vermögensdaten, die von der Europäischen Zentralbank veröffentlicht wurden. Neben Deutschland zählen zu diesen Ländern auch die skandinavischen Staaten.

Ein weiterer, wesentlicher Faktor für die höhere Vermögenskonzentration in Deutschland liegt in der spezifischen Wirtschaftsstruktur Deutschlands, so das Institut der deutschen Wirtschaft. Sie ist hauptsächlich durch kleinere privatgeführte Familienunternehmen geprägt. Das hat zur Folge, dass die Vermögenswerte dieser Unternehmensleiterinnen und -Leiter zu einer höheren Vermögensakkumulation führen, als bei größeren börsennotierten Unternehmen. Allerdings verfolgen kleinere Unternehmen oft nachhaltigere Strategien und sind verstärkt in den Regionen und dem sozialen Umfeld verankert. So weisen sie beispielsweise geringere Mitarbeiterfluktuationen auf.

Die Rolle der Betriebsvermögen in der Vermögensverteilung

Damit nimmt die Rolle der Betriebsvermögen eine wesentliche Rolle in der Frage um Vermögensverteilung ein. Doch hier ist es wichtig, zu unterscheiden, dass es sich bei Betriebsvermögen nicht um liquide Finanzanlagen handelt. Stattdessen besteht das Vermögen aus gebundenem Kapital, welches eingesetzt wird und an dem Arbeitsplätze hängen.

Für die Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft wurde von den Forscherinnen und Forschern eine Erhebungsmethode eingeführt, mithilfe derer die Höhe der Betriebsvermögen sowie ihre Rolle in der Vermögensverteilung möglichst realitätsnah erfasst werden kann. 2017 schätzten sie das von Privatpersonen gehaltene Betriebsvermögen deutschlandweit auf rund 2,4 bis 3,1 Billionen Euro. Ergeben haben sich diese Zahlen aus einer Stichprobe von etwa 4.500 Betrieben. In Verbindung mit erhobenen Daten aus geführten Befragungen der Deutschen Bundesbank wertete das Institut die Ergebnisse aus. Betrachtete man nur die Daten von der Befragung, beliefen sich die Betriebsvermögen lediglich auf 1,1 Billionen Euro.

Das Institut für Wirtschaft warnt vor höheren Vermögenssteuern

„Eine Vermögenssteuer würde vor allem die Substanz von Unternehmen gefährden, deren Gewinne zumindest in einigen Branchen bereits durch die Corona-Krise stark belastet sind“, so die Forscherinnen und Forscher in der Studie. Würde eine höhere Vermögenssteuer eingeführt werden, könnte dies die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie erschweren, warnen sie. Es könne „negative Rückwirkungen auf Beschäftigung und andere Steuerarten auslösen“. Kritikerinnen und Kritikern gegenüber wird entgegnet, dass Betriebsvermögen in den meisten Fällen bestimmten Verfügbarkeitsbeschränkungen unterliegen. Damit würde verhindert werden, dass sie kurzfristig verkauft werden können. Folglich hätte dies eine insgesamt stabilisierende Wirkung.

Abschließend kommen die Forscherinnen und Forscher zu dem Ergebnis, dass sich die Ungleichheit der Vermögensverteilung in den vergangenen zehn Jahren nicht drastisch verändert hat. Zwischen 2011 und 2014 stieg die Ungleichheit zwar leicht an, sank in den folgenden Jahren dann aber wieder ab. Im Jahr 2017 lag sie etwas unterhalb des Ausgangsniveaus von 2011.

jk

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.