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Vergesst den Bitcoin-Winter: Darum könnte uns eine Krypto-"Eiszeit" bevorstehen

·Lesedauer: 3 Min.

Es wird kalt im Krypto-Land. Bitcoin ist seit seinem Höchststand von fast 69.000 Dollar im November dramatisch gesunken und fiel am Freitag auf ein Sechsmonatstief unter 38.000 Dollar. Das Handelsvolumen ist eingebrochen.

Einige Anleger sind besorgt, dass der Markt in einen „Krypto-Winter“ eintritt - eine Periode, in der die Preise stark fallen und sich mehr als ein Jahr lang nicht erholen. Ein Grund dafür ist, dass die US-Notenbank, die Federal Reserve oder auch Fed genannt, die Geldpolitik abrupt strafft.

Aber es könnte noch schlimmer kommen. Kryptowährungen könnten tatsächlich auf eine „Eiszeit“ zusteuern, in der die Preise jahrelang niedrig bleiben und viele Investoren das Interesse verlieren, sagte Paul Jackson, globaler Leiter des Asset-Allocation-Research bei Invesco, kürzlich zu Business Insider.

Das liegt nicht nur an der Politik der Fed. Viele potenzielle Investoren hegen Zweifel an der Robustheit der Kryptowährungstechnologie und an der Regulierung, die die Entwicklung der Branche abwürgen könnte.

Die Fed könnte Kryptowährungen auf Eis legen

Anfang letzten Jahres sagte der „Anleihenkönig“ Jeff Gundlach, dass er Bitcoin für „das Konjunkturmittel“ halte, das durch die „Geldflut“ der Fed und der US-Regierung während der Covid-19-Krise am meisten angekurbelt wurde. Aber noch nicht mal ein Jahr später dreht die Fed den Geldhahn zu, um die steigende Inflation zu bekämpfen. Die Märkte rechnen nun mit vier Zinserhöhungen im Jahr 2022.

Der daraus resultierende Anstieg der Anleiherenditen hat bereits unrentable Tech-Aktien und Kryptowährungen in Mitleidenschaft gezogen. Die beiden spekulativen Anlagen sind weit weniger attraktiv, wenn die Renditen für risikofreie Investments wieder höher sind.

Da die Anleiherenditen laut Jackson von Invesco noch erheblich weiter ansteigen werden, ist mit weiteren Schmerzen zu rechnen. „Zentralbanken und Regierungen haben eine Rolle dabei gespielt, diese Märkte in die Höhe zu treiben, und wenn sich diese Politik umkehrt, werden sie meiner Meinung nach auch eine Rolle dabei spielen, sie zu drücken“, sagte er.

Selbst Börsianer wie der Gründer von Galaxy Digital, Mike Novogratz, ließen verlauten, dass sich die Lage der Kryptowährungen wahrscheinlich nicht entspannen wird.

„Ich denke, es könnte eine Eiszeit werden“, sagte Jackson. „Ich denke, wenn man die Bedingungen, die von der Fed geschaffen wurden, weg nehmen würde … würde das aber die Aussichten ändern.“

Quälende Fragen zu Regulierung und Kryptotechnologie

Natürlich sind viele Befürworter von Kryptowährungen anderer Meinung. Dan Morehead, CEO der Investmentfirma Pantera, sagte in einer Mitteilung von letzter Woche, dass der Krypto-Sektor stark bleiben werde, weil Krypto-Netzwerke immer beliebter und größer geworden sind.

Er verwies insbesondere auf das Wachstum des dezentralen Finanzwesens oder DeFi. Dieser ermöglicht unter anderem Handel, der, dank Kryptotechnologie, ohne Zwischenhändler durchgeführt werden kann.

Viele Anleger sind jedoch weniger überzeugt. Die Fed-Regulierung stellt eine große Sorge für viele dar. Die Zentralbank von Russland, eine Krypto-Hochburg, schlug diese Woche ein vollständiges Verbot von Mining und Transaktionen vor, was den Kurssturz vom Freitag noch verstärkte. Die europäischen Regulierungsbehörden könnten ihre Vorschriften ebenfalls bald verschärfen, und Spanien und Großbritannien gehen bereits hart gegen Krypto-Werbung vor.

James Malcolm, Leiter der Devisenstrategie bei UBS, sagte zu Business Insider, er glaube, dass die eh schon vorhandenen Probleme mit der Krypto-Technologie, zusammen mit einer strengeren Regulierung, einer von mehreren Faktoren sein könnten, die die Kryptowelt in einen weiteren Winter ziehen könnten.

Malcolm zitierte einen Blogeintrag des Gründers der Nachrichten-App „Signal“, der zu dem Schluss kam, dass die Blockchain-Technologie umständlich und weit von einer Dezentralisierung entfernt ist. In der Zwischenzeit haben sich die Nutzer des Ethereum-Krypto-Netzwerks über die Überlastung und die hohen Transaktionsgebühren geärgert, die sich als sehr schwer zu beseitigen erweisen.

„Viele Leute in der Technologiebranche scheinen infrage zu stellen, ob [Kryptotechnologie] wirklich so effektiv ist oder nicht“, sagte Malcolm. „Es stellt sich die Frage: Wenn es sich um eine Technologie der nächsten Generation handelt, warum sind dann nicht viele große Technologieunternehmen darauf fixiert? Warum ist Google nicht massiv investiert?“

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier

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