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Dow Jones schließt im Minus – Chipsektor im Blick

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Viele Anleger scheuen vor den US-Wahlen größere Engagements, die Wall Street geht uneinheitlich aus dem Dienstag. Die Papiere von Harley Davidson sind die großen Gewinner.

Die US-Börsen haben am Dienstag uneinheitlich geschlossen. Wegen der weiter grassierenden Coronavirus-Pandemie und der nahenden US-Wahl scheuten Investoren größere Engagements. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,8 Prozent tiefer auf 27.463 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen 0,6 Prozent auf 11.431 Punkte vor. Der breit gefasste S & P 500 büßte 0,3 Prozent auf 3390 Punkte ein.

Viele Investoren hätten die Präsidentenwahl von 2016 noch in schmerzvoller Erinnerung, sagte Anlagestratege Rodrigo Catril von der National Australia Bank. Damals hätten sich einige von ihnen die Finger verbrannt, weil sie auf das falsche Pferd gesetzt hatten. „Die Strategie muss daher heißen, Gelegenheiten am Wahltag zu ergreifen, statt sich im Vornherein zu positionieren.“

Anleger zeigten sich zudem enttäuscht, dass die USA wohl erst nach der Präsidenten- und Kongresswahl ein neues Corona-Hilfspaket auflegen werden. „Sie werden nach der Wahl das beste Konjunkturpaket bekommen, das Sie jemals gesehen haben“, sagte Präsident Donald Trump. Das wochenlange Ringen um ein neues Billionen Dollar schweres Hilfspaket des Bundes wird auch an den Aktienmärkten aufmerksam verfolgt. „Der Markt will einen irgendwie gearteten Schub“, sagte Eric Jussaume von Cambridge Trust. „Noch kriegt er ihn nicht.“

Unabhängig davon rückte der Chip-Sektor ins Rampenlicht. Der Halbleiter-Hersteller AMD will den Rivalen Xilinx für 143 Dollar je Aktie oder insgesamt 35 Milliarden Dollar schlucken. Die Titel des Anbieters von Chips für Rechenzentren stiegen daraufhin zeitweise um 14 Prozent auf ein 15-Monats-Hoch von 130,40 Dollar. Am Ende stand ein Plus von gut acht Prozent. AMD-Papiere büßten dagegen etwa vier Prozent ein. Analyst Stacy Rasgon vom Research-Haus Bernstein warnte, dass dieser Großeinkauf das Unternehmen davon ablenken könne, seinen technologischen Vorsprung gegenüber dem Erzrivalen Intel zu verteidigen.

Die US-Industrie macht größere Fortschritte bei der Erholung von den Folgen der Corona-Krise als gedacht. Die Aufträge für langlebige Gebrauchsgüter wie Flugzeuge oder Maschinen legten im September um 1,9 Prozent zum Vormonat zu, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, nachdem es im August 0,4 Prozent waren. „Der Auftragseingang kann den fünften Monat in Folge zulegen“, sagte Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba.

Noch am gestrigen Montag ließen eine Rekordzahl neuer Coronavirus-Infektionen in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern und ein Stillstand bei den Verhandlungen für ein US-Konjunkturpakt Sorgen aufkommen, ob sich die US-Wirtschaft weiter erholen kann. Deswegen fielen drei wichtigsten US-Aktienindizes am gestrigen Handelstag auf fast vierwöchige Tiefststände.

Blick auf die Einzelwerte

Harley Davidson: Dank strikter Sparmaßnahmen ist der US-Motorradhersteller zurück in der Spur. Die Aktie steigt um 22 Prozent. Im dritten Quartal legte der Nettogewinn um 37 Prozent auf 120 Millionen Dollar zu. Das Geschäft hat sich im Sommer stabilisiert. Zwar lieferte der Konzern mit 43.000 Zweirädern rund sechs Prozent weniger aus als im selben Zeitraum vor einem Jahr, im zweiten Quartal waren die Verkäufe aber noch um 59 Prozent eingebrochen. Harley Davidson zieht sich aus weniger profitablen Ländern wie Indien zurück und legt mehr Fokus auf Geschäfte in den USA und Europa.

Caterpillar: Die Aktien von Caterpillar ließen 3,2 Prozent Federn. Wegen der Pandemie und des Handelsstreits zwischen den USA und China brach der Umsatz des Baumaschinen-Herstellers um etwa ein Viertel und der Gewinn um mehr als die Hälfte ein. Die Rückgänge lägen aber im Rahmen der Erwartungen, kommentierte Analyst Stephen Volkmann von der Investmentbank Jefferies.

AIG: Die Aktien des Versicherers stiegen um knapp drei Prozent. Der Vorstand hatte einen Plan zur Trennung des Lebens- und Rentenversicherungsgeschäfts vom Rest des Unternehmens genehmigt und Präsident Peter Zaffino mit Wirkung vom nächsten Jahr zum Vorstandsvorsitzenden ernannt.

3M: Die in der Coronakrise massiv gestiegene Nachfrage nach Atemschutzmasken hat dem US-Mischkonzern im vergangenen Quartal den Rücken gestärkt. Doch die Aktie verliert zum Auftakt 1,3 Prozent.

Während die Umsätze im Geschäft mit Büromaterial zurückgingen, sprangen sie im Gesundheitsbereich in die Höhe: Insgesamt erhöhte sich der Umsatz im dritten Quartal um 4,5 Prozent auf 8,35 Milliarden Dollar. Der Gewinn ging um rund sieben Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar zurück.

Analysten hatten mit einem stärkeren Einbruch gerechnet. 3M ist einer der größten Produzenten von Atemschutzmasken. Darüber hinaus produziert das Unternehmen auch Schutzkleidung, Fahrbahnmarkierungen, Klebstoff, Schleifmittel und Pollenfilter.

Eli Lilly: Höhere Kosten haben bei dem US-Pharmakonzern im dritten Quartal zu einem Gewinnrückgang geführt. Die Aktie reagiert mit einem Minus von mehr als fünf Prozent.

Der Nettogewinn sank auf 1,21 Milliarden Dollar von 1,25 Milliarden vor Jahresfrist. Neben hohen Ausgaben für die Entwicklung von Covid-19-Medikamenten bekam Eli Lilly auch niedrigere Preise zu spüren. Der Umsatz legte gleichwohl um fünf Prozent auf 5,74 Milliarden Dollar zu.

Gefragt war auch Rohöl, da wegen des Hurrikans "Zeta" einige Förderanlagen im Golf von Mexiko ihren Betrieb einstellen mussten. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um fast drei Prozent auf 39,69 Dollar je Barrel (159 Liter). Das sei aber nur eine kurze Verschnaufpause, warnte Analyst Tamas Varga vom Brokerhaus PVM. Der drohende Nachfrage-Rückgang infolge der Pandemie bei gleichzeitig wachsendem Angebot laste weiter auf den Kursen.