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Unternehmerverband pessimistischer als Regierung: Düstere Aussichten auch für 2021

·Lesedauer: 3 Min.

Der Unternehmerverband Confindustria teilt den vorsichtigen Optimismus der Regierung nicht. Italiens Wirtschaft könnte noch länger mit den Folgen der Pandemie kämpfen.

Stefano Manzocchi, Chefvolkswirt des Unternehmerverbands Confindustria, wurde deutlich bei der Vorstellung der Herbstprognose: „Wir sind pessimistischer als die Regierung.“ Die Zahlen sehen nicht gut aus für Italien. Aufmerksam verfolgte Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri in der ersten Reihe die Präsentation des italienischen Industrieverbands.

Bei der Schätzung des Wachstums für das Jahr 2020 liegen Verband und Regierung allerdings gar nicht so weit auseinander: Um minus zehn beziehungsweise minus neun Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schätzungsweise in diesem Jahr wegen der Pandemie einbrechen. Doch beim Blick auf das kommende Jahr 2021 geht das Urteil auseinander. Die Regierung geht von einem Plus von sechs Prozent aus, Confindustria von einem Wachstum von nur 4,8 Prozent.

Der Wirtschaftsminister gibt sich zweckoptimistisch: Das dritte Quartal werde sehr gut werden, und wenn es auch im vierten Quartal ein bescheidenes Wachstum gebe, dann könne die Regierung das geschätzte Minus von neun Prozent nach oben revidieren, sagte Roberto Gualtieri. Confindustria-Präsident Carlo Bonomi hielt dagegen. „Wir befürchten ein negatives viertes Quartal, aber immerhin hat zum Glück die Industrieproduktion wieder angezogen“, sagte er.

Der Wiederanstieg des italienischen BIP im nächsten Jahr werde aber nur zum geringen Teil den Einbruch in diesem Jahr kompensieren, so Bonomi. „Im vierten Quartal von 2021 wird das Einkommensniveau immer noch um mehr als drei Prozent unter dem Wert von 2019 liegen.“ Confindustria schätzt, dass in diesem Jahr 410.000 Arbeitsplätze verloren gehen, dazu käme der Verlust von 230.000 weiteren im nächsten Jahr.

Zwei andere Faktoren bereiten den Unternehmern Sorge: der Privatkonsum und der Export, der 2020 um 14,3 Prozent abfalle. Noch nie habe es so einen starken Einbruch gegeben, erklärte Chefvolkswirt Manzocchi. Die Industrie habe unter den Folgen der Pandemie schwer gelitten.

Zehn Prozent der Hotels geschlossen

In Italien war das Coronavirus im Februar früher als in anderen europäischen Ländern ausgebrochen und hatte hohe Infektions- und Todeszahlen gefordert. Die Regierung hatte im März einen mehr als zweimonatigen Lockdown verordnet, infolge dessen kam es zu einem sechswöchiger Produktionsstopp.

Der Industrie habe die Streichung von Aufträgen in Italien und im Ausland zugesetzt, sagt Manzocchi. Am schwersten sei die Dienstleistungsbranche getroffen, vor allem der Tourismus. Zehn Prozent der Hotels seien geschlossen, der Umsatz der Branche ist um die Hälfte eingebrochen.

Nach dem Ende des Lockdowns Anfang Mai habe es zwar ein Anziehen der Nachfrage gegeben, das habe die Verluste der ersten beiden Quartale aber nicht ausgeglichen. Die Investitionen würden 2020 um 15,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr einbrechen, so die Berechnungen. Viele Unternehmen seien gezwungen gewesen, ihre Investitionspläne aufzuschieben.

„Der Einbruch des BIP in diesem Jahr bringt uns zurück auf das Niveau von vor 23 Jahren“, heißt es kritisch in der Konjunkturstudie. Die Unternehmer in Italien fordern einen Paradigmenwechsel der Wirtschaft. Eine Herausforderung sind auch die historischen Strukturprobleme Italiens, die nur durch Reformen behoben werden können.

Alle Hoffnung richtet sich jetzt auf den EU-Wiederaufbaufonds, der Italien großzügig bedenkt, wenn konkrete Projekte eingereicht werden. Das muss die Regierung zusammen mit dem Haushaltsentwurf bis Mitte des Monats tun.

Die Unternehmer warnen: „Für Italien wird der Einsatz der europäischen Hilfsinstrumente zum entscheidenden Scheideweg: Wenn wir die Ressourcen richtig einsetzen und Reformen angehen, die viel zu lang liegengeblieben sind, ist das der richtige Weg. Wenn nicht, bleibt Italien ein Land im Niedergang, das nicht in der Lage sein wird, seine enorme öffentliche Verschuldung abzubauen.“

Mehr: Noch ist die Zahl der Neuinfektionen niedriger als in den anderen EU-Staaten. Ein neuer Lockdown wird ausgeschlossen. Doch das Land bereitet sich vor.