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Ukraine geht mit Drohnenangriffen gegen russische Raketen vor – die Taktik könnte ihre Wirkung verlieren

Das ukrainische Militär versucht, durch verschiedene Abwehrsysteme die Raketenangriffe Russlands abzuwehren.  - Copyright: ANATOLII STEPANOV/AFP via Getty Images
Das ukrainische Militär versucht, durch verschiedene Abwehrsysteme die Raketenangriffe Russlands abzuwehren. - Copyright: ANATOLII STEPANOV/AFP via Getty Images

Die russischen Streitkräfte bombardieren weiterhin regelmäßig mit Raketenschlägen ukrainische Städte und Positionen. Die Ukrainer setzen dagegen Drohnen ein, um die Raketenwerfer der Invasoren ins Visier zu nehmen. Angegriffen wurden durch die Ukrainer unter anderem russische Luftwaffenstützpunkte, auf denen mit Raketen bewaffnete Bomber stationiert sind. Dazu gehören Stützpunkte auf der Halbinsel Krim, von der aus die Schwarzmeerflotte der Russen unterstützt wird.

Die Strategie der Ukraine wird von Verzweiflung angetrieben. Obwohl die Luftabwehr erfolgreich war, kann sie nicht alle ankommenden Marschflugkörper und ballistischen Raketen zerstören, geschweige denn Hyperschallwaffen. Tatsächlich kann nicht einmal Israels gepriesener Iron Dome, den Kiew beantragt hat, mehr als einen Bruchteil der ankommenden Raketen zerstören. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ukraine möglicherweise bald keine Flugabwehrraketen und Granaten mehr hat.

Überreste russischer Raketen und Granaten an einer ukrainischen Sammelstelle in Charkiw im Dezember.  - Copyright: Yan Dobronosov/Global Images Ukraine via Getty Images
Überreste russischer Raketen und Granaten an einer ukrainischen Sammelstelle in Charkiw im Dezember. - Copyright: Yan Dobronosov/Global Images Ukraine via Getty Images

Ganz gleich, ob es sich um Marschflugkörper oder Interkontinentalraketen handelt: Es ist viel einfacher, die Raketen, ihre Abschussvorrichtungen und ihre Versorgungsdepots am Boden zu zerstören, als sie im Flug abzufangen. Der Angriff auf diese Trägerraketen sei „ein effizienterer Weg“, mit dem Problem umzugehen, so Dara Massicot, Expertin für das russische Militär bei der Denkfabrik RAND Corporation, in einer April-Folge des "Geopolitics Decanted"-Podcasts.

Die Angriffe der Ukraine treffen Stützpunkte, die Russlands Raketenangriffe beeinträchtigen sollen. Sei es durch Bomber oder Kriegsschiffe. Die Schwarzmeerflotte wurde zuletzt durch Schiffe der russischen Kaspischen Flottille verstärkt, die über einen verbindenden Kanal Zugang hat.

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Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 konnten die russischen Kriegsschiffe nicht durch eine andere Verbindung ins Schwarze Meer einlaufen, da sich die Türkei auf die Montreux-Konvention beruft, die es Kriegsschiffen verbietet, die türkischen Meerengen zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer zu passieren.

Strandbesucher beobachten, wie nach Explosionen auf einem russischen Militärflugplatz auf der Krim im August Rauch und Flammen aufsteigen.  - Copyright: REUTERS/Stringer
Strandbesucher beobachten, wie nach Explosionen auf einem russischen Militärflugplatz auf der Krim im August Rauch und Flammen aufsteigen. - Copyright: REUTERS/Stringer

„Die Schwarzmeerflotte ist ein großer Engpass“, sagte Massicot. Wenn russische Schiffe dort „in irgendeiner Weise außer Gefecht gesetzt oder neutralisiert werden, sodass sie keine Kaliber mehr starten können, kann Russland keine zusätzlichen Marineressourcen einbringen.“

Obwohl die Schwarzmeerflotte ukrainische Häfen blockieren konnte, hat die Ukraine bedeutende Siege gegen sie errungen. Der Kreuzer Moskwa, das Flaggschiff der Flotte, wurde im April 2022 von landgestützten Anti-Schiffs-Raketen der Ukraine versenkt. Die Ukraine hat auch Hafenanlagen getroffen, die die Schwarzmeerflotte versorgen. Im April setzten ukrainische Drohnen ein großes Treibstofflager auf dem großen Marinestützpunkt Sewastopol auf der Krim in Brand.

Nach dem Untergang der Moskwa wurde die Fregatte Admiral Makarow zum Flaggschiff der Flotte. Im Oktober wurde es von unbemannten ukrainischen Kamikaze-Booten beschädigt. Auch Luftwaffenstützpunkte innerhalb Russlands wurden nach Angaben Russlands angegriffen. Im Dezember bombardierten demnach ukrainische Drohnen zwei Luftwaffenstützpunkte östlich von Moskau – Hunderte Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Die Angriffe waren zwar begrenzt, aber besonders bedeutsam, da auf den Stützpunkten Tu-160 und Tu-95 stationiert waren, Russlands atomwaffenfähige Langstreckenbomber.

Ein Satellitenbild des Luftwaffenstützpunkts Saki auf der russisch besetzten Krim im April 2021. - Copyright: Maxar Technologies via Getty Images
Ein Satellitenbild des Luftwaffenstützpunkts Saki auf der russisch besetzten Krim im April 2021. - Copyright: Maxar Technologies via Getty Images

Die Ukraine hat auch eine Vielzahl von Waffen – von Drohnen aus der Sowjetzeit bis hin zu in den USA hergestellten HIMARS-Lenkraketen – bei Angriffen auf russische Munitionsvorräte eingesetzt. „Es gab Angriffe auf verschiedenen Routen, um Munition an die Front zu liefern“, sagte Massicot.

Verliert die ukrainische Taktik an Wirkung?

Die Ukraine führt ein Paradebeispiel für asymmetrische Kriegsführung. Obwohl sie zahlenmäßig schwächer ist als Russland, nutzt die Ukraine innovative Techniken wie selbstgebaute Drohnen, um die Nachteile auszugleichen.

Doch Russland passt sich an. Munitionsdepots, die einst achtlos in der Nähe der Frontlinien platziert wurden, wurden aus der Reichweite der ukrainischen Artillerie verlegt. Auch Flugzeuge wurden verlegt. „Sie haben viele Luftwaffenstützpunkte und ziehen einige dieser zurück“, so Massicot.

Der Preis dieser Gegenmaßnahmen ist die Ineffizienz der Lieferungen. Indem man Russland zu dieser Änderung zwingt, kann die Strategie der Ukraine als Erfolg gewertet werden, aber diese Vorteile werden nicht ewig anhalten. „Die Russen lernen aus diesen Erfahrungen“, fügte Massicot hinzu. „Vielleicht etwas langsam, aber irgendwann lernen sie es.“

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.