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Mit dem Tumor leben: Diese neuen Ansätze gibt es in der Krebstherapie

·Lesedauer: 4 Min.

Nach der erfolgreichen Entwicklung eines Corona-Impfstoffes hat das Mainzer Unternehmen Biontech kürzlich auch mit Fortschritten bei einer Krebstherapie auf mRNA-Basis für Aufsehen gesorgt. Ein entsprechender Wirkstoff wird nach erfolgreichen Tests an Mäusen nun auch an Menschen getestet. Doch auch schon heute basiert die Krebsmedizin längst nicht mehr nur auf Chemotherapie, Bestrahlung und Operation. Wie die „Welt“ berichtet, sind mittlerweile Immuntherapien und sogenannte zielgerichtete Therapien als zusätzliche Säule etabliert und haben in vielen Fällen die Behandlungsaussichten verbessert.

Bei Brust-, Prostata- und Hautkrebs beispielsweise würden mittlerweile weit über 80 Prozent der Erkrankten nach der Diagnose noch mehr als fünf Jahre leben. Und auch bei gefährlicheren Krebsarten wie bösartigen Tumoren in Lunge, Gehirn oder Leber gebe es Erfolge. Insgesamt hätten vier Millionen Menschen in Deutschland eine Krebserkrankung erfolgreich überstanden. Der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Thomas Seufferlein, sagte der „Welt“, dass man mittlerweile „einige Krebserkrankungen, die früher in kürzester Zeit zum Tod geführt haben, zu einer chronischen Erkrankung wie Diabetes machen“ könne. So könnten die Betroffenen viele Jahre lang überleben.

Immuntherapie: Körpereigene Abwehr unterstützen

Einen wichtigen Anteil daran habe die Immuntherapie, berichtet die „Welt“. Denn bei Gesunden kann das Abwehrsystem des Körpers Krebszellen erkennen und beseitigen. Diese Selbstheilungskräfte werden bei einer Erkrankung durch bestimmte Medikamente wie Antikörperpräparate wieder aktiviert. Oft können sich Tumore außerdem tarnen, sodass das körpereigene Immunsystem sie nicht mehr erkennt. Auch diesen Effekt können Medikamente umgehen und die Krebszellen wieder angreifen.

Bei vielen verschiedenen Krebsarten kommt diese Art von Immuntherapie der „Welt“ zufolge heute schon zum Einsatz – beispielsweise bei Brust- und Hautkrebs oder Leukämie. Und auch wenn diese Therapie laut Seufferlein „kein Zuckerwasser“ ist, gibt es weniger direkte Nebenwirkungen. Zu Übelkeit oder Haarausfall komme es beispielsweise nicht. Nichtsdestotrotz sind auch hier schwere Nebenwirkungen möglich.

Eine weitere Form der Immuntherapie ist die CAR-T-Zellbehandlung. Bei Patienten mit weit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, denen andere Therapieformen nicht mehr halfen, habe man auf diese Weise klare Erfolge gefeiert, schreibt die „Welt“. Erkrankte bekommen dabei keine Antikörper, sondern körpereigene T-Zellen gespritzt. Dabei handelt es sich um eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Diese Zellen werden gentechnisch verändert und so gezielt auf Tumore angesetzt, die für das Immunsystem unsichtbar sind. Außerdem vermehren sie sich idealerweise bei der Zerstörung der Tumorzellen. Seit 2018 sind zwei solcher Medikamente in der EU zugelassen.

Zielgerichtete Therapie: Krebs ist nicht gleich Krebs

Neben Immuntherapien haben auch sogenannte zielgerichtete Therapien das Feld der Krebsbehandlung verändert. Entsprechende Medikamente unterdrücken, wie der Name schon verrät, gezielt mutierte Teile des Erbguts von Tumorzellen – und zwar die sogenannten Treibermutationen, die für die Wucherung des Tumorgewebes verantwortlich sind.

Der „Welt“ zufolge gibt es in Krankenhausapotheken mittlerweile über 100 zielgerichtete Krebsmedikamente, die sich gegen verschiedene Treibermutationen richten. Krebserkrankungen werden also immer individueller und maßgeschneiderter behandelt, sagt Thomas Seufferlein der Zeitung. Dass zwei Patienten mit derselben Krebsart dieselbe Behandlung bekommen, werde immer seltener. Andreas Schneeweiß, leitender Oberarztart an der Klinik für Medizinische Onkologie in Heidelberg, formuliert es in der „Welt“ so: „Jeder Krebs ist individuell. Brustkrebs ist nie gleich Brustkrebs.“

Das ist der „Welt“ zufolge eines der zentralen neueren Erkenntnisse der Krebsforschung und hat die Medizin verändert. Krebszellen und deren Erbgut würden nun vor der Behandlung viel eingehender analysiert, wodurch jeweils ein sehr individuelles Bild entstehe. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Krebszellen können sich im Laufe der Therapie verändern, sodass die Medikation fortlaufend angepasst werden muss. Die überlebenden Zellen seien dann widerstandsfähiger gegen die Präparate, sodass auf andere Arzneien zurückgegriffen werden müsse, sagt Michael Freissmuth, Pharmakologe an der Universität Wien der „Welt“. Chemotherapien würden mittlerweile aus drei oder vier verschiedenen Wirkstoffen bestehen, hinzu kämen dann je nach Bedarf Bestrahlung und OP oder eben Immun- und zielgerichtete Therapien.

Prävention ist besser als Behandlung

Nichtsdestotrotz bleiben die Therapien teuer – und Heilung schwierig. Bei weißem Hautkrebs gelinge sie häufig, so die „Welt“, ebenso wie bei früh erkannten, milden Darm-, Brust- oder sogar Lungenkrebsarten. Einige Patienten müssten aber jahrelang zumindest phasenweise Medikamente einnehmen, um mit der Erkrankung und möglichen Rückfällen leben zu können.

Das bleibe nicht ohne Nebenwirkungen: Chronische Erschöpfung und Herzprobleme seien oft Folgen der Chemotherapie. Insgesamt würden 53 Prozent der Langzeitüberlebenden über Gesundheitsprobleme klagen. Bei 49 Prozent von ihnen komme es außerdem zu psychischen Beeinträchtigungen.

Wichtig sei daher vor allem die Prävention. Auch dort gibt es der „Welt“ zufolge Fortschritte. Vor allem müssen chronische Entzündungen im Körper vermieden werden, die vor in Folge des westlichen Lebensstils entstehen: kalorienreiche Ernährung, Bewegungsmangel, Dauerstress. Wer sich also, so gut es geht, vor einer Krebserkrankung schützen will, sollte vor allem auf gute, abwechslungsreiche Ernährung, guten Schlaf und viel Bewegung achten.

sb

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