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Tuifly will Flotte halbieren und Standorte schließen

Der Reisekonzern Tui will den deutschen Ferienflieger Tuifly wegen der Corona-Krise um rund die Hälfte verkleinern.

Das Sommerprogramm läuft bei Tui verspätet an, ein Milliardenkredit des Staates soll die Zahlungsfähigkeit im Kampf gegen die Corona-Folgen sichern. Nun kündigt das Management einen harten Sparkurs bei der Airline Tuifly an. Gewerkschafter sind in Sorge.

Hannover (dpa) - Der mit einem staatlichen Milliardenkredit gestützte Reisekonzern Tui will seinen deutschen Ferienflieger Tuifly wegen des hohen Spardrucks in der Corona-Krise um rund die Hälfte verkleinern. Außerdem werden voraussichtlich mehrere Standorte dichtgemacht.

Das Management habe den Mitarbeitern entsprechende Pläne vorgestellt, erklärte das Unternehmen am Freitag. Ziel sei es, die eigentlich vorgesehene Flotte von 39 Jets vom Typ Boeing 737 zu halbieren und Stationen wie Köln, Bremen und Münster-Osnabrück zu schließen. Wie viele Jobs dadurch wegfallen müssen, werde nun Teil der Gespräche zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern sein.

Die im Aufsichtsrat vertretene Gewerkschaft Verdi betonte, es seien noch keine konkreten Entscheidungen gefallen. Man erwarte aber «harte Schnitte», in der kommenden Woche gebe es Verhandlungen. Für die Kunden soll sich zunächst nichts ändern: Der aktuelle Sommerflugplan von Tuifly für die 2020 verspätet gestartete Saison habe Bestand. «Es ist ein Krisenflugplan, aber es ist wohl schwer vorstellbar, dass da jetzt noch etwas gestrichen wird», hieß es aus dem Konzernumfeld. Das Unternehmen hatte auch den Plan für 2021 vorzeitig freigeschaltet.

Bei Tuifly gibt es rund 2000 Vollzeitstellen, davon 1400 Piloten und Flugbegleiter. Dem Nachrichtensender ntv zufolge stehen die Jobs von 700 Mitarbeitern auf der Kippe, davon 230 in Vollzeit. Der Konzern wollte die Zahlen nicht bestätigen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sprach von 700 betroffenen Beschäftigten im Flugdienst, darunter etwa 270 Piloten. Am Freitagmorgen erklärte Vorstandschef Fritz Joussen den Mitarbeitern in einer Videokonferenz die Lage.

Es geht laut Tuifly darum, die verkleinerte Flotte über das ganze Jahr hinweg auszulasten und nicht im reiseschwachen Winter zu viele Flugzeuge zu haben. In dieser Zeit werden etliche Jets auch an andere Anbieter vermietet. «Die Frage ist: Was für eine Flugzeugstruktur brauchen wir? Diese Diskussion müssen wir jetzt starten.»

Arbeitnehmervertreter sehen die Kürzungspläne sehr kritisch - auch angesichts der Tatsache, dass Tui gleichzeitig mit Darlehen der staatlichen Förderbank KfW über 1,8 Milliarden Euro zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit unterstützt wird. «Wenn nun ein mit Steuergeldern finanzierter Arbeitsplatzabbau kommen sollte, wäre das schon ein starkes Stück», sagte ein Gewerkschafter der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist völlig unklar, wie das funktionieren soll.»

Die VC befürchtet drastische Folgen durch die Standortschließungen. «Das wäre sehr bitter», hieß es - selbst wenn Jobs gerettet werden könnten, würden sich so vermutlich der Pendelaufwand vieler Kollegen vergrößern. Tuifly gehe offenbar davon aus, dass der touristische Flugverkehr sich erst in zwei bis drei Jahren erhole. Mit Blick auf die schon gewährte Staatshilfe erklärte die Gewerkschaft: «Auch das ist bitter. Es zeigt aber auch, wie stark Reisekonzerne von Corona betroffen sind. Die müssen an allen Ecken und Enden sparen.» Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo zeigte sich «schockiert» von dem Plan.

Joussen hatte den KfW-Kredit mit einer Laufzeit bis Mitte 2022 als entscheidende Hilfe bezeichnet. Der Abfluss an Liquidität war wegen des fast komplett ruhenden Geschäfts im Frühjahr zuletzt beträchtlich. Einem Bericht des Online-Wirtschaftsmagazins «Business Insider» zufolge soll Tui nun weitere Hilfsanträge erwägen, das Unternehmen wollte dies nicht kommentieren. Im Konzern sollen laut bisherigen Plänen schon 8000 Stellen vor allem im Ausland wegfallen.

Das Geschäft von Tuifly ist wie bei anderen Fluggesellschaften durch die Corona-Krise praktisch weggebrochen. Bis zu sieben der Tuifly-Maschinen waren bisher für die Lufthansa-Tochter Eurowings im Einsatz. Diese Verträge laufen aber aus, und auch Eurowings selbst verkleinert seine Flotte. Tuifly wolle sich nun «verstärkt auf das reine Tui-Geschäft konzentrieren», wie es hieß.

Die Airline ist vor allem als Zubringer für eigene Konzernangebote wie Pauschalreisen oder Kreuzfahrten im Einsatz, die Abhängigkeit von externen Veranstaltern soll weiter verringert werden. Tui hat darüber hinaus mit dem Flugzeugbauer Boeing ausgehandelt, bestellte neue Maschinen vom Typ 737 Max erst später abnehmen zu müssen.

Am 17. Juni will Tuifly den Ferienflugbetrieb wieder aufnehmen. Der ursprünglich geplante Start eines eigenen Langstreckenangebots liegt nun aber auf Eis. Eigentlich wollte Tuifly Urlauber von November an mit zwei Jets vom Typ Boeing 787 «Dreamliner» nach Mexiko und in die Dominikanische Republik bringen. Dies sei angesichts der Corona-Krise aber derzeit nicht sinnvoll, hieß es aus dem Unternehmen.