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Trump will die USA in Risikozonen unterteilen – Ballungszentren sind die Corona-Hotspots

Hoch, mittel niedrig: Mit einer Risikoeinstufung auf Landkreisebene sollen nach Trumps Willen Teile der USA schnell zur Normalität zurückkehren.

„An Amerikas Gouverneure“ – mit dieser Anrede beginnt der zweiseitige Brief, in dem Donald Trump am Donnerstag sein Ausstiegsszenario aus den US-weiten Einschränkungen wegen der Coronakrise skizziert hat. Demnach will er die steigende Verfügbarkeit von Tests nutzen, um das Land möglichst schnell in drei Risikozonen zu unterteilen.

Je nach Verbreitung des Virus sollen die rund 3000 Landkreise (Counties) der USA als „high-risk“, „medium-risk“ oder „low-risk“ eingestuft werden. Anhand dieser Einteilung sollen dann die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf Landkreisebene verschärft, beibehalten oder gelockert werden. Das Weiße Haus arbeite hierfür an Richtlinien, so Trump in dem Brief an die Gouverneure, die aber von den einzelnen Bundesstaaten und den lokalen Behörden umgesetzt werden müssten.

Einen Starttermin für diese neue Strategie hat Trump nicht genannt. In Washington machte er aber deutlich, dass er die derzeitigen Einschränkungen so schnell wie möglich lockern will: „Unser Volk will zurück an die Arbeit. Unser Land muss zurück an die Arbeit.“ Zugleich sagte Trump, dass die Todesrate bei Corona-Erkrankten „deutlich niedriger sei, als ich anfangs vermutet habe“.

Die Exit-Strategie des Präsidenten kommt an dem Tag, an dem die USA bei den Corona-Fällen erstmals China überholt haben. Stand Donnerstag war laut den Zahlen der Johns-Hopkins-University bei 83.000 US-Patienten der Virus nachgewiesen worden, in keinem Land der Welt gibt es nun mehr Corona-Fälle. Ebenfalls Stand Donnerstag sind in den USA rund 1100 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Die Corona-Häufigkeit in den USA ist allerdings extrem ungleich verteilt. Das Epizentrum ist New York, hier ist die Lage in den Krankenhäusern bereits jetzt dramatisch und wird sich in den kommenden Wochen rapide verschärfen.

„Alle Corona-Hotspots in den USA liegen in oder um Ballungszentren herum“, sagt die Koordinatorin der Corona-Taskforce des Weißen Hauses, Deborah Birx. Vor allem in den ländlichen Regionen des mittleren Westens liegen die Fallzahlen bislang sehr niedrig – doch sie steigen auch hier rapide.

Am Montag endet eine 15-tägige Periode mit US-weiten Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die die Corona-Taskforce empfohlen hatte. Laut Vizepräsident Mike Pence will Trump am Wochenende entscheiden, wie es nach Ablauf der 15 Tage weitergeht.

Trumps Einfluss ist allerdings begrenzt. Die finale Entscheidung über die meisten Maßnahmen zum Seuchenschutz liegt in den USA bei den Gouverneuren der Einzelstaaten oder den lokalen Behörden. In 22 der 50 US-Bundestaaten sind derzeit Ausgangsbeschränkungen in Kraft, die teilweise weit über die Empfehlungen aus Washington hinausgehen.