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Trump nimmt für seine Handelspolitik auch starke Turbulenzen am Aktienmarkt in Kauf

Trumps Handelsstrategie setzt den US-Aktienmarkt unter Druck. Selbst bei hohen Verlusten will der US-Präsident seinen rigorosen Kurs weiter verfolgen.


Bei manchen Themen zögert der US-Präsident nicht lange und handelt rasch. So beim Ölpreis: Nachdem Trumps Embargo iranischen Öls den Preis in die Höhe trieb, bat er den saudischen König darum, zum Ausgleich Saudi-Arabiens Ölproduktion anzuheben – offenbar mit Erfolg: Das Land hat Trump zufolge zugesagt, seine Produktion um zwei Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen.

Wenn es um die Fluktuationen auf dem US-Aktienmarkt geht, ist hingegen kaum mit einer schnellen Reaktion des Präsidenten zu rechnen. Diese will Trump hinnehmen, selbst wenn seine Handelspolitik der Grund dafür ist, sagte US-Handelsminister Wilbur Ross gegenüber dem Fernsehsender CNBC. Trump werde seine Strategie nicht ändern, egal, welches Niveau die Verluste an den Börsen erreichen würden.

„Der Präsident versucht, langfristige Probleme zu lösen, die schon vor einer langen Zeit hätten gelöst werden müssen“, sagte Ross. „Wir können uns nicht mit den alltäglichen Fluktuationen am Aktienmarkt befassen.“ Politische Maßnahmen müssten auf Grundlage dessen entschieden werden, was grundsätzlich gut für die Wirtschaft sei.

Die Politik des US-Präsidenten hat in den vergangenen Wochen mehrere Male für Turbulenzen an den Börsen gesorgt. Insbesondere der Handelsstreit mit China und Europa lässt Händler und Investoren nervös werden. Experten rechnen mit stürmischen Monaten an den Aktienmärkten und warnen vor möglicherweise hohen Kursverlusten.

Bislang stehen vor allem Tech-Aktien unter Druck, da die US-Regierung angekündigt hatte, gegen chinesische Investitionen in US-Technologien vorzugehen. Zwar hatte Trump vergangene Woche angekündigt, vorerst auf ein hartes Durchgreifen zu verzichten, kurz darauf relativierte sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow die Aussagen jedoch und kündigte ein „sehr umfassendes und sehr wirkungsvolles“ Vorgehen an.

Zu Beginn des neuen Börsenquartals am Montag starteten die Indizes Dow Jones, S & P 500 und Nasdaq Composite mit Verlusten – nach Ankündigungen der EU-Kommission, weitere Vergeltungszölle in Kraft zu setzen, falls die USA Einfuhrzölle auf Autos aus der EU erheben.


In der vergangenen Woche war der Dow Jones erstmals seit über hundert Handelswochen unter die sogenannte 200-Tages-Linie gerutscht. Diese beschreibt den Mittelwert der Schlusskurse der vergangenen 200 Tage und lässt langfristige Trends erkennen. In vier von fünf Fällen, in denen der Dow in der Vergangenheit nachhaltig unter diese Kurve fiel, weitete er seine Verluste anschließend deutlich aus. Im Schnitt brach der Kurs dann innerhalb von einem Jahr um fast 20 Prozent ein, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.

Für zusätzliche Sorgenfalten bei Investoren hatte Ende Juni ein Bericht des Nachrichtenportals Axios gesorgt, demzufolge Trump sich für einen Austritt der USA aus der Welthandelsorganisation WTO ausgesprochen habe. Und schon Mitte Juni hatte die Eskalation im Zollstreit mit China die New Yorker Börsen auf Tauchstation geschickt.

Zum Axios-Report äußerte sich Handelsminister Ross im CNBC-Interview ebenfalls. Die Regierung habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass aus ihrer Sicht Reformen bei der WTO nötig wären, sagte Ross. Es sei jedoch „ein wenig verfrüht, über einen Austritt zu reden“.

Axios berichtete am Montag in einem neuen Bericht hingegen über einen auf Geheiß von Präsident Donald Trump in Arbeit befindlichen Gesetzentwurf, dessen Verwirklichung praktisch einem Rückzug aus der WTO gleichkomme. Der Entwurf gebe Trump die Möglichkeit, auf Einfuhren aus jedem Land Zölle in beliebiger Höhe zu verhängen und auch die Obergrenzen der WTO zu sprengen. Damit wären zwei Grundprinzipien der WTO ausgehebelt, berichtet Axios.

Ob ein solches Gesetz Chancen hätte, im Kongress verabschiedet zu werden, ist jedoch höchst fraglich.

Mit Material von dpa und Reuters.