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Trotz des Brexits schrumpft die Zahl der Privatbanken in Deutschland

Die Zahl der Auslandsbanken ist nach zwei Jahren des Wachstums wieder gesunken. Der Finanzstandort Frankfurt rechnet dennoch damit, vom Brexit zu profitieren.

Die Konsolidierung in der deutschen Bankenbranche hat sich im vergangenen Jahr wieder etwas verstärkt. Ende 2019 gab es 1534 Geldhäuser, ermittelte die Beratungsfirma Barkow Consulting auf der Grundlage von Bundesbank-Daten. Das entspricht einem Rückgang um 3,1 Prozent.

Im Jahr 2018 hatte sich der Schrumpfprozess leicht abgeschwächt, die Zahl der Kreditinstitute sank um lediglich 2,9 Prozent nach einem Rückgang um 4,7 Prozent im Jahr 2017. Das lag vor allem daran, dass die Zahl der Auslandsbanken stieg. Im Zuge des Austritts Großbritanniens aus der EU haben einige internationale Geldhäuser angekündigt, Aktivitäten nach Frankfurt zu verlegen. 2018 hatte es daher so ausgesehen, als ob diese Brexit-Folgen das Bankensterben in Deutschland insgesamt etwas bremsen könnten.

Doch bislang haben nur wenige Unternehmen tatsächlich neue Töchter in Deutschland eröffnet, wie die Zahlen von Barkow nahelegen. Während die Anzahl der Auslandsbanken 2017 und 2018 gestiegen war, ging sie 2019 wieder etwas zurück – von 146 auf 142. Insgesamt fiel die Zahl der privaten Banken von 267 auf 259.

Till Krueger, Datenspezialist bei Barkow Consulting, meint: „Die erhoffte Dynamik bei der Zahl ausländischer Institute hat sich bislang nicht in der Statistik niedergeschlagen.“ Die Entwicklung dürfte den einen oder anderen überraschen – „und den hohen Erwartungen mit Blick auf den Finanzplatz Deutschland vielleicht einen Dämpfer versetzen“, sagt Krueger. Es sei aber auch möglich, dass sich die entsprechenden Anträge noch zeitverzögert auf die Bankenstatistik auswirken würden.

Denn womöglich haben noch nicht alle Banken mit frischen Lizenzen für Deutschland bereits neue Standorte eröffnet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin erklärte auf Anfrage, sie habe bislang mehr als 60 Anträge ausländischer Banken und Finanzdienstleister erhalten, etwa die Hälfte davon sei bereits beschieden worden. Dabei geht es zum einem um Erlaubnisanträge für bestimmte Finanzgeschäfte und zum anderen um Anträge auf Erweiterung der Geschäftstätigkeit – für den Fall, dass die Institute bereits in Deutschland vertreten sind.

Frankfurt als Brexit-Gewinner

Bisher bedienten viele britische Finanzdienstleister ihre EU-Kunden aus ihrer Europazentrale in London. Künftig müssen sie diese Geschäfte über eine EU-Tochter abwickeln. Wie genau die Regelungen nach der Übergangszeit, die bis Ende 2020 läuft, aussehen werden, ist aber noch nicht klar.

Einer Studie der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zufolge ist Frankfurt sogar der größte Brexit-Gewinner. Mittlerweile hätten 31 ausländische Banken aus 14 verschiedenen Ländern Frankfurt als Brexit-Standort auserkoren, erklärte die Helaba im vergangenen Herbst.

Doch auch bei der Zahl der neuen Jobs bleibt die Realität hinter den zeitweise hohen Erwartungen zurück. Lobbyisten hatten zunächst mit einem starken Sog für Brexit-Jobs gerechnet: 70.000 bis 80.000 Banker könnten nach Frankfurt kommen, so lauteten die kühnsten Schätzungen nach dem Austrittsreferendum 2016.

Laut Standortverband Frankfurt Main Finance sind bis Ende 2019 aber lediglich rund 1500 Jobs von London nach Frankfurt verlagert worden. Weitere 2000 britische Banker hätten Klauseln in ihrem Vertrag, dass sie nach Frankfurt geschickt werden könnten. Die Helaba-Volkswirte rechnen bis Ende 2021 mit etwa 3500 Stellen, die durch den Brexit in der Mainmetropole geschaffen werden.

Nicht nur die Zahl der privaten Banken schrumpft, es gibt auch immer weniger Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. In beiden Sektoren haben sich zahlreiche Häuser zusammengetan. 2019 und auch schon 2018 war die Bewegung allerdings nicht so stark wie noch 2017. So schrumpfte die Zahl der Sparkassen, die Berliner Sparkasse mitgezählt, im vergangenen Jahr von 386 auf 380. Bei den Genossenschaftsbanken gab es einen Rückgang von 875 auf 842.

Seit 1991 hat die Zahl der Kreditinstitute in Deutschland laut Barkow in jedem Jahr nachgegeben und auch seit Beginn der Statistik 1957 war das in den meisten Jahren so. Zusammenschlüsse sind also kein ein neues Phänomen. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 gab es noch 562 Sparkassen und 1794 Volks- und Raiffeisenbanken. 1970 existierten sogar noch mehr als 7000 Genossenschaftsbanken.

Gleichwohl ist die Gesamtzahl der Banken in Deutschland trotz allem weiterhin besonders hoch. Das liegt am dreigliedrigen Bankensystem aus privaten Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen haben jeweils regional abgesteckte Geschäftsgebiete, die teils sehr klein sind. Neben Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind unter den 1534 Kreditinstituten unter anderem noch Landesbanken, Förderbanken und Hypothekenbanken zu finden.