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Toyota rechnet mit Milliardengewinn – doch der Coronavirus wird zum Risiko

Der VW-Rivale Toyota steigert Absatz und Gewinne deutlich. Doch mit dem Coronavirus droht dem Autoriesen eine noch unkalkulierbare Gefahr.

Toyota hat am Donnerstag seine Ausnahmestellung in der japanischen Autoindustrie unterstrichen. Während die Lokalrivalen sinkende Gewinne oder wie Mitsubishi Motors zuletzt sogar Verluste verbuchen, erhöhte Japans größter Autobauer in den ersten neun Monaten seines Bilanzjahres Absatz, Umsatz und Gewinn.

Der Umsatz stieg um 1,6 Prozent auf 22,8 Billionen Yen (189 Milliarden Euro). Der Betriebsgewinn schnellte sogar um 6,2 Prozent auf 2,06 Billionen Yen (17 Milliarden Euro) in die Höhe. Denn ein Gewinnsprung in den USA und höhere Profite in Europa machten Wechselkursverluste mehr als wett. Toyotas Gewinnmarge stieg damit auf von 8,5 auf 9 Prozent, obwohl Toyota einen Rückgang vorausgesagt hatte. 

Der Konzern erhöhte daher seine Gewinnprognose für das bis April laufende Bilanzjahr um leicht auf 2,5 Billionen Yen (20,7 Milliarden Euro). Das entspricht einer Gewinnmarge von 8,5 Prozent. Doch die Annahme dabei legt Toyota gewohnt konservativ einen Wechselkurs des Dollar von 105 Yen zugrunde, obwohl der Yen derzeit deutlich schwächer gehandelt wird. Und ein schwächerer Yen bedeutet höhere Gewinne für Toyota. Ein besseres Ergebnis wäre daher möglich, wenn da nicht die Coronavirus-Epidemie in China alle Vorhersagen zerstören könnte.

 „Toyota habe mögliche Auswirkungen noch nicht berücksichtigt, sagte Masayoshi Shirayanagi, der als Operating Officer die Bilanz vorstellte. „Die möglichen Folgen können wir – offen gesagt – nicht vorhersehen.“ Toyotas Vizepräsident Didier Leroy betonte allerdings die große Unsicherheit, die derzeit alle Hersteller belastet: „Der Ausblick kann sich rasch in den kommenden Tagen oder Wochen verändern.“

Bisher haben viele Firmen in China ihre Neujahrsferien nur um eine Woche auf den 9. Februar verlängert. Nehmen sie nun bald ihre Arbeit wieder auf, dürfte sich der Schaden für die nationale und die globale Autoindustrie in Grenzen halten. Der koreanische Hersteller Hyundai Motor gab der Autowelt jedoch schon einen Vorgeschmack für den Fall, dass eine verlängerte Zwangspause die globale Lieferkette bedroht.

Die Koreaner kündigten diese Woche bereits an, ab Freitag die Produktion in Korea wegen fehlender Bauteile für ein paar Tage zu schließen. Noch glauben sie, die betroffenen Produkte aus anderen Lieferquellen beziehen zu können. Aber je länger der Nachschub aus China ausbleibt, desto schlimmer werden die Folgen. Denn in den vergangenen 20 Jahren haben fast alle Hersteller Chinas Zulieferer in ihre globale Lieferkette integriert. 

Alle Hersteller sind abhängig von Chinas Zulieferern

Die Exporte explodierten seit der Jahrtausendwende von niedrigem Niveau auf über 70 Milliarden Dollar. Von einem grassierenden Coronavirus wären darum nicht nur Toyota und Hyundai betroffen. Man analysiere die Lage bei jedem Teil, erklärten die Toyota-Manager. Für einige könne man vielleicht alternative Lieferanten finden.

Immerhin sind die Japaner erprobt im Umgang mit Katastrophen. 2007 stoppten die Bänder der gesamten japanischen Autoindustrie, weil ein Erdbeben die Fabrik eines Kolbenringherstellers in der Präfektur Niigata beschädigt hatte. Alle Hersteller schickten Helfer, um die Fabrik so schnell wie möglich wieder zum Laufen zu bringen. Die Folgen des Desaster-Trinität aus Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe im Jahr 2011 waren noch größer.

Das Erdbeben zerstörte damals eine Fabrik des Chipherstellers Renesas, der einen Großteil der Prozessoren für Japans Autoproduktion herstellt. Mehrere Monate mussten daraufhin die Bänder ruhen. Doch am Ende des Jahres hatten die Japaner einen Großteil ihrer Ausfälle wieder wettgemacht.

Nun droht China dieser Härtetest – mit noch unbekanntem Ausgang. Die Kreditbewertungsagentur Moody’s warnte am Donnerstag, dass der Virusausbruch die Kreditwürdigkeit der chinesischen Autobauer negativ beeinflussen werde, „sowohl in der Nachfrage wie auch der Produktion.“ Aber Moody’s machte auch Mut: „Es ist ein kurzfristiger Einfluss, der ausgeglichen wird durch Chinas langfristig wachsende Autonachfrage.“