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Mit Thomas Oppermann verliert die deutsche Sozialdemokratie eine große Persönlichkeit

·Lesedauer: 3 Min.

Der Bundestagsvizepräsident ist im Alter von 66 Jahren verstorben. Oppermann war der Mann für die geräuschlosen Kompromisse – und hatte großen Anteil am schwarz-roten Bündnis.

Der Bundestagsvizepräsident verstarb mit 66 Jahren. Foto: dpa
Der Bundestagsvizepräsident verstarb mit 66 Jahren. Foto: dpa

Mit Thomas Oppermann verliert die SPD einen besonnenen Pragmatiker. Der SPD-Politiker, seit 2017 Vizepräsident des Bundestages, war eine der prominentesten Stützen der Großen Koalition.

Das Zustandekommen der dritten Auflage des schwarz-roten Bündnisses Anfang 2018 unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war nicht zuletzt seinem Engagement zu verdanken. Als die Bemühungen gescheitert waren, ein schwarz-gelb-grünes Bündnis zu schmieden, ging Oppermann in die Offensive.

Er hatte wesentlichen Anteil daran, die damals schon zweifelnden Genossen für die dritte Auflage eines Bündnisses mit CDU und CSU zu gewinnen. Erst später, als die SPD im Frühjahr 2019 in einer Führungskrise steckte, beschlichen Oppermann vorübergehend Zweifel.

Oppermann war für eine Dekade einer der entscheidenden Köpfe der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2007 bis 2013 zunächst als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion, von 2013 bis 2017 dann als ihr Vorsitzender. Oppermann hat wesentlichen Anteil daran, dass Bundeskanzlerin Merkel die erste und auch die zweite Große Koalition zu Ende führen konnte.

Wenn es bei den Genossen rumorte, war Oppermann zur Stelle, um den Fortbestand des Bündnisses zu sichern. In seiner Zeit als Parlamentarischer Geschäftsführer war er der Mann für die geräuschlosen Kompromisse, jemand, dem es gelang, ohne viel Aufhebens Lösungen zu finden.

2014 war Oppermann im Zusammenhang mit der Edathy-Affäre in den Fokus gerückt. Es wurde der Verdacht geäußert, Oppermann habe seine Kenntnisse über den Stand der Ermittlungen genutzt, um Edathy warnen zu lassen. Oppermann hat dies stets bestritten.

Oppermann war den USA tief verbunden

Seine Autorität galt jedoch zunächst als beschädigt. Erst später glätteten sich die Wogen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hatte Anfang 2014 sein Mandat niedergelegt. Gegen ihn war wegen des Verdachts ermittelt worden, er habe sich kinderpornografisches Material beschafft.

SPD-Politiker Oppermann, gelernter Jurist und vor Beginn seiner politischen Karriere Richter an den Verwaltungsgerichten Hannover und Braunschweig, hat sich für die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA starkgemacht und gehörte der Atlantik-Brücke an.

Oppermanns Interesse für die USA hatte seine Wurzeln in einem zweijährigen US-Aufenthalt: Von 1976 bis 1978 arbeitete der SPD-Politiker als freiwilliger Helfer der Aktion Sühnezeichen für die US-Wanderarbeitergewerkschaft – eine Zeit, die ihn nachhaltig prägte.

Oppermann war am Sonntagabend bei TV-Arbeiten mit dem ZDF zusammengebrochen und wurde ins Krankenhaus gebracht, wie der Fernsehsender am Montagmorgen bestätigte. Oppermann war nach ZDF-Angaben zum Thema „Bundestag und Corona“ als Live-Interviewgast in die Sendung „Berlin direkt“ eingeladen. Er sollte aus dem Göttinger Max-Planck-Institut in die Sendung geschaltet werden.

Während der erste Beitrag in der Sendung gelaufen sei, sei er plötzlich zusammengebrochen. Oppermann sei dann in die Universitätsklinik Göttingen transportiert worden und dort verstorben. Er wurde 66 Jahre alt.

Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans zeigte sich auf Twitter tief bestürzt: „Ein schwerer Schock für uns alle. Wir sind tief erschüttert und trauern mit seinen Angehörigen.“ SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil schrieb, er habe Oppermann als Gesprächspartner und Ratgeber sehr geschätzt. „Seine Leidenschaft für Politik war für jeden spürbar. Sein viel zu früher Tod schockt mich.“

Vizekanzler Olaf Scholz twitterte: „Unser Land verliert einen versierten Politiker, der Bundestag einen herausragenden Vizepräsidenten und die SPD einen leidenschaftlichen und kämpferischen Genossen. Wir alle verlieren einen Freund – und sind traurig.“