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TELEKOM IM FOKUS: Sprint-Übernahme weckt Lust auf mehr

·Lesedauer: 5 Min.

BONN (dpa-AFX) - Die erfolgreiche Übernahme des US-Mobilfunkdienstleisters Sprint durch die Tochter T-Mobile US <US8725901040> hat der Deutschen Telekom <DE0005557508> eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein verschafft. Durch den Zukauf konnte T-Mobile US überraschend positive Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Wenn es nach Telekom-Vorstandschef Tim Höttges geht, soll das erst der Anfang sein. Zur Lage des Unternehmens, was die Analysten sagen und was die Aktie macht.

DIE LAGE DES UNTERNEHMENS:

Berauscht von ihrem US-Megadeal setzt die Deutsche Telekom derzeit große Hoffnungen auf ihren Zukauf Sprint: Die am 1. April nach einer zweijährigen kartellrechtlichen Zitterpartie vollzogene Fusion solle schneller die Kosten senken als ursprünglich erwartet, kündigte die Tochter T-Mobile US Anfang November an. Demnach will die Telekom in diesem Jahr bereits 1,2 Milliarden Dollar einsparen. Der Zusammenschluss soll die jährlichen Kosten in den USA mittelfristig um mehr als 6 Milliarden US-Dollar senken.

Die USA sind für die Telekom der mit Abstand wichtigste Markt: Im zweiten Quartal stammten fast zwei Drittel des Konzernumsatzes aus den USA, beim operativen Ergebnis (bereinigtes Ebitda) war es ein ebenso großer Anteil.

Zugleich aber hatte die Telekom für die Übernahme milliardenschwere Fusionskosten angekündigt. Die nehme er aber gerne in Kauf, sagte Höttges im Sommer, und wollte sie nicht als "Belastungen" verstanden wissen. Doch auch der Ausbau der schnelleren Mobilfunktechnik 5G in den USA und Deutschland und Glasfaseranschlüssen auf dem Heimatmarkt kosten Geld. Der durch die Fusion angehäufte Schuldenberg muss erst einmal wieder abgetragen werden.

Besorgnis wegen der Corona-Pandemie scheint die Telekom unterdessen nicht wirklich zu kennen. Zwar machte sich das Virus etwa im Großkundengeschäft, wo sich neue Aufträge verzögerten, und bei Roaming-Umsätzen im Mobilfunk im ersten Halbjahr bemerkbar, die wegen Reisebeschränkungen unter Druck stehen. Bei Zahlungsausfällen und den Kundenzahlen stellte die Deutsche Telekom aber zur Vorlage des Halbjahresberichtes nur geringe Auswirkungen fest.

Doch das Coronavirus beschäftigt die Bonner auch in anderer Hinsicht: Gemeinsam mit dem Konzern SAP <DE0007164600> entwickelte die Deutsche Telekom die deutsche Corona-Warn-App - und hat sie nun so erweitert, dass sie mit anderen europäischen Apps kommunizieren kann. Mittels europäischem Gateway-Service kann die Warn-App bereits in Irland, Spanien und Italien genutzt werden. Österreich, Tschechien, Dänemark, Estland, die Niederlande und Polen sollen noch folgen.

Kopfschmerzen bereitet der Telekom dagegen der Streit mit dem Mobilfunkanbieter 1&1 Drillisch <DE0005545503>, der das Netz seines Konkurrenten mitnutzen will. Da beide Seiten sich bislang nicht auf einen Preis für das sogenannte "National Roaming" einigen konnten, wird nun die Bundesnetzagentur als Schiedsrichter einbezogen. Die United-Internet-Tochter Drillisch liegt aber nicht nur mit der Telekom im Clinch: Auch mit Vodafone <GB00BH4HKS39> und Telefonica feilscht sie derzeit um den besten Preis. 1&1 Drillisch hat angekündigt, ein eigenes 5G-Netz auf die Beine stellen zu wollen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Der seit Ende Oktober währende Kursanstieg der Telekom-Papiere führt bei Analysten nicht zur Zurückhaltung. So raten 25 der 31 bei Bloomberg erfassten Experten zum Kauf der Magenta-Aktien, die restlichen 6 plädieren zum Halten. Bis zum durchschnittlichen Kursziel von 19,31 Euro hat die Aktie aber noch gut 31,3 Prozent vor sich.

Berenberg-Analyst Usman Ghazi rechnet damit, dass die Synergieeffekte aus der Übernahme von Sprint sich bereits positiv auf das dritte Quartal auswirken werden. Zudem könne er sich vorstellen, dass etwaige Befürchtungen hinsichtlich hoher Investitionen in das deutsche Glasfasernetz auf einem Kapitalmarkttag im ersten Halbjahr 2021 ausgeräumt werden könnten.

Zudem deutete Ghazi darauf hin, dass die Aktien der Bonner in den vergangenen drei Monaten fälschlicherweise unterbewertet gewesen seien, da Anleger Angst gehabt hätten, dass für den Heimatmarkt vorgesehene Investitionen für Vorhaben in den USA genutzt würden. Dies war Ghazi zufolge nicht der Fall gewesen.

Optimistisch zeigt sich auch Analyst Akhil Dattani von JPMorgan wegen der "beeindruckenden" Ergebnisse von T-Mobile US. Er gehe unter anderem davon aus, dass das Unternehmen im dritten Quartal sein operatives Ergebnis (Ebitda) zum 15. Mal in Folge steigern werde.

Für das dritte Quartal erwarten die von der Telekom befragten Analysten wegen der Sprint-Übernahme einen Umsatzsprung von 29 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro. Beim bereinigten operativen Gruppengewinn (bereinigtes Ebitda After Leasing (AL)) dürfte es sogar ein Plus von 38,5 Prozent auf 9 Milliarden Euro sein. Die Schätzungen sind allerdings vor der Zahlenvorlage von T-Mobile US für das dritte Quartal abgegeben worden. Da diese deutlich über den Erwartungen lagen, dürfte der operative Gewinn bei der Telekom noch darüber liegen.

Anders sieht es dagegen beim Nettogewinn aus, der im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Viertel auf eine Milliarde Euro fallen soll. Beim freien Barmittelzufluss (Free Cashflow AL) rechnen die Experten mit rund 1,9 Milliarden Euro.

DAS MACHT DIE AKTIE (Stand 10.11. 13.00 Uhr):

Nach einer Talfahrt Mitte März in Folge der Corona-Pandemie und einer zuletzt schwachen Kursentwicklung Ende Oktober sind die Papiere der Deutschen Telekom wieder auf Kurs gekommen. Mit zuletzt 14,77 Euro waren die Papiere so viel wert wie etwa in diesem Sommer oder Anfang Februar 2019.

Derzeit schaffen es die Bonner auf eine Marktkapitalisierung von rund 70 Milliarden Euro und liefern sich damit mit Volkswagen ein Rennen um Platz 5 im Dax <DE0008469008>. Von dem Jahreshoch von 16,75 Euro sind sie aber noch gut 2 Euro entfernt.

Mittelfristig haben die Papiere Anlegern allein vom Aktienkurs her keinen Gefallen getan. Im Fünf-Jahres-Vergleich verlor die Aktie zuletzt knapp 11 Prozent. Gerade Papiere aus der Telekommunikationsbranche gelten unter vielen Anlegern aber auch als attraktiv wegen ihrer vergleichsweise hohen Dividendenrendite.