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SVB-Kollaps lastet auf Banken - Analysten trotzdem wenig besorgt

(Bloomberg) -- Analysten sehen in Europa keine nächste Silicon Valley Bank mit Kollaps-Potenzial lauern. Investoren sind am Montag dennoch aus Bankaktien geflüchtet.

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Anteilsscheine europäischer Kreditinstitute verzeichneten am Montag den stärksten Einbruch seit mehr als einem Jahr und machten einen Großteil der Rally zunichte, die sie in den letzten fünf Monaten erlebt hatten. Die Bankenkrise in den USA erinnerte Anleger daran, dass die Zinswende für Kreditinstitute nicht ausschließlich ein Segen ist.

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Während die Analysten der meisten großen Institute jegliche Parallelen zwischen den US-Start-up- und Kryptobanken und europäischen Geldhäusern beiseite wischten, sagten die Experten von JPMorgan voraus, dass in Zukunft sowohl Anleger als auch Aufsicht bei vielen genauer hinsehen würden.

Weder sei die SVB Frühwarnzeichen für europäische Banken — dafür sei ihr Fall zu speziell, meint etwa Jefferies Financial. Jedoch könne man es auch nicht als “Sturm im Wasserglas” abtun: “Die Situation wirft ein Licht auf bevorstehende, nicht realisierte Verluste in den Anleiheportfolios der Banken.”

Profitiert hatten europäische Bankaktien in den vergangenen Monaten von steigenden Zinsen, die die Erträge aus dem “Brot-und-Butter-Bankgeschäft” ansteigen ließen. Das Schicksal der SVB unterstreicht jedoch, dass die höheren Zinsen auch bedeuten, dass Anleihen mit Niedrig-Coupons, von denen nicht wenige in den Bilanzen schlummern, nicht ohne Verluste verkauft werden können.

In Deutschland betrifft das Thema der Verluste auf Bonds im Bankbuch vor allem die Sparkassen und Genossenschaftsbanken überdurchschnittlich. Bafin-Chef Mark Branson hatte bereits vor Wochen “steigenden Stress — zumindest kurzfristig” geortet und auch die Bundesbank hatte in ihrem Finanzstabilitätsbericht gewarnt. Freilich gibt es auch hier nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern auch Unterschiede, etwa was die stärker diversifizierten Einlagen angeht.

Der Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index war um 13:05 Uhr in Frankfurt 5,3% schwächer, wobei das Sorgenkind Credit Suisse am meisten abrutschte. Die Wiener Bawag, die Commerzbank sowie spanische und italienische Banken waren andere Großverlierer.

Für die Analysten von Deutscher Bank und Citigroup kann die Silicon Valley Bank jedoch nicht Vorlage für eine ähnliche Krise bei europäischen Banken dienen. Die europäischen Banken seien bei der Finanzierung breiter aufgestellt, besser in der Lage Einlagen anzuziehen und zu halten, und sie verfügen über größere finanzielle Reserven als das gescheiterte US-Institut.

Die Citigroup-Experten verwiesen auch darauf, dass US-Bank stark auf eine kleine Gruppe großer Einleger aus dem Bereich Start-ups im Technologie- und Life-Science-Bereich gebauut hätte. Ihnen sei keine Bank in Europa mit dieser Eigenheit bekannt.

Im Gegensatz zu den USA habe die Europäische Zentralbank ihre Zinsen auch langsamer angehoben, so dass die Banken immer noch über reichlich billige Finanzierungen verfügen. Europäische Banken sich überdies verpflichtet, mehr liquide Mittel zu halten, als in einem 30-tägigen Stressszenario abfließen würden. Diese Regeln gelten in den USA nur für die größten Banken — und beispielsweise nicht für die Silicon Valley Bank.

“Wir denken, dass dies ein weiterer Test (und hoffentlich letztlich ein Beweis) dafür ist, dass die europäischen Banken viel widerstandsfähiger und dieses Mal nicht das schwache Glied im Finanzsystem sind”, schreibt die Deutsche Bank.

JPMorgan klingt da etwas vorsichtiger: “Unsere Sorge in Europa ist, dass die Markterwartungen in Bezug auf die Einlagenströme und die damit verbundenen Erträge bereits optimistisch sind”, heißt es in deren Einschätzung. “Das Augenmerk der Anleger wird sich auf die Refinanzierungskosten für Unternehmen, potenzielle Probleme mit der Kreditqualität sowie mit der Marktbewertung von Anleiheportfolios und auf die Kosteninflation richten.

Überschrift des Artikels im Original:SVB Collapse Has Little Bearing on Europe’s Banks, Analysts Say

--Mit Hilfe von Jan-Patrick Barnert und Steven Arons.

©2023 Bloomberg L.P.